Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut hat Briefe nach Berlin geschrieben und fordert darin rasch Kredite für Kleinunternehmen. Foto: imago/Marc Gruber

Bund und Land sollen das Risiko von Darlehen bis zu 250 000 Euro komplett absichern, fordert Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut. Damit soll Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern geholfen werden, die auf Hilfskredite mitunter lange warten müssen.

Stuttgart - Die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) will, dass es in der Corona-Krise schnelle Kredite auch für Firmen mit weniger als zehn Mitarbeitern gibt, ­indem der Staat das Ausfallrisiko voll übernimmt. Das geht aus zwei Briefen von Hoffmeister-Kraut an Bundesfinanz­minister Olaf Scholz (SPD) und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hervor, die unserer Zeitung vorliegen.

Dies sei eine wichtige Erweiterung der bestehenden Mittel zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Krise, heißt es als Begründung. Die Wirtschaftsministerin wirbt dafür, dass die Bundesregierung es den Bürgschaftsbanken der Länder ermöglicht, Kredite bis zu 250 000 Euro an kleine Firmen mit hundertprozentiger Bürgschaft des Staates zu vergeben. Die Kosten im Falle eines Zahlungsausfalls würden sich demnach Bund und Land teilen – auf das Land entfielen 36 Prozent.

422 000 Kleinunternehmen im Land

In der vergangenen Woche hatte die Bundesregierung beschlossen, dass die staatliche Förderbank KfW Kredite bis zu 800 000 Euro ausgeben kann, für deren Ausfall der Bund zu 100 Prozent bürgt. Das beschleunigt die Auszahlung der Gelder maßgeblich, da die Hausbanken keine Risikoprüfung mehr benötigen. Zuvor hatten zehn Prozent des Risikos bei den Banken gelegen. Verfügbar sind die KfW-Darlehen für Unternehmen mit zehn oder mehr Mitarbeitern.

„Wir sind froh, dass der Bund mit seinem Angebot von KfW-Schnellkrediten unseren Mittelstand massiv unterstützt, aber wir dürfen dabei die kleineren Unternehmen nicht vergessen“, sagte Hoffmeister-Kraut unserer Zeitung. In Baden-Württemberg gibt es laut dem Statistischen Landesamt aktuell 422 000 Firmen mit weniger als zehn Mitarbeitern.

Betrüger missbrauchen Soforthilfen

Es brauche für sie langfristige Lösungen zur Liquiditätssicherung. Voraussetzung wäre, dass eine Firma wegen der Pandemie in Schwierigkeiten ist und sie Ende 2019 gesund war. Das Angebot soll bis Ende des Jahres und im Südwesten für Unternehmen bis 500 Mitarbeiter gelten.

Das Land Nordrhein-Westfalen hat derweil die Auszahlung der Corona-Soforthilfe vorerst gestoppt. Grund sind gefälschte Internetseiten für Hilfsanträge. Betrüger hatten versucht, die Geldflüsse an den Firmen vorbei umzuleiten. Auch in Baden-Württemberg habe es zu Beginn des Programms einen Fall gegeben, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Man habe Anzeige erstattet, die Seite sei offline. Seither gebe es keine weiteren Hinweise.

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