Peter Maile: „Ich werde ein spiritueller Streetworker sein.“ Foto: Peter-Michael Petsch

Peter Maile ist Diakon und drei Jahre lang Betriebsseelsorger für die Arbeiter von Stuttgart 21.

Stuttgart – Bis zu 7000 Menschen insgesamt werden auf der Baustelle am Bahnhof und der Strecke nach Ulm arbeiten. Ein katholischer Diakon bietet ihnen von Herbst an Zuspruch, Hilfe und bei Bedarf eine Partie am Tischkicker an.

Herr Maile, Ihre Berufslaufbahn ist überraschend abwechslungsreich. Was hat Sie gereizt, Seelsorger für Tunnelbauer zu werden?
Wir haben zu Hause eine eigene Schreinerei, das heißt, ich komme aus dem Handwerk, und das Handwerkliche hat mich später ­immer begleitet. Beispielsweise hatte ich im Dekanat Bad Saulgau eine Betriebsseelsorge aufgebaut. Ich weiß, was es bedeutet, acht Stunden lang bei Gaggli Nudeln aufzuschütteln. Zuletzt war ich in der Gemeindearbeit in Esslingen berufstätig und dachte: Ja, zwölf Jahre in Esslingen waren eine gute Zeit, aber jetzt würde ich gern zurück in die Betriebsseelsorge gehen.

Mit welchen Arbeiter-Problemen waren Sie bisher konfrontiert?
Mit alltäglichen Dingen: Was passiert, wenn der Arbeitsplatz verloren geht? Was ist, wenn der Partner krank ist – kann ich ihn ­besuchen, pflegen? Es zeigte sich, die ­Menschen in der Arbeitswelt brauchen Ansprechpartner, gelegentlich juristischen Rat.

Es werden geschätzt 5000 bis 7000 Menschen, vor allem Männer, für das Projekt Stuttgart 21 arbeiten. Wie wollen Sie Kontakt zu ihnen aufnehmen?
Ich werde ein spiritueller Streetworker sein. Ich werde die Menschen dort aufsuchen, wo sie arbeiten, wo sie wohnen, mit ihnen sprechen. Ich denke, es braucht einen festen Ort, von dem aus ich mich vorarbeite. Ein erster Standort wird voraussichtlich in Bahnhofsnähe sein, vermutlich in der Gemeinde St. Georg. Welche Struktur wir für die Strecke nach Ulm brauchen, müssen wir erst noch austarieren.

Was bieten Sie den Leuten an?
Die Leute arbeiten vermutlich im Dreischichtbetrieb. Ich will für sie dort präsent sein, wo sie ihre freie Zeit verbringen. Ich habe Erfahrung damit, solche Geh-Strukturen aufzubauen. Dann wird man sehen: Wollen sie an einer Andacht teilnehmen, wollen sie singen, wollen sie reden, Karten spielen . . .?

Können Sie Karten spielen?
Dort, wo viele Leute aus vielen verschiedenen Nationen zusammenleben, bietet sich Uno an. Das können die meisten. Ich werde sozusagen mit einem Bauchladen unterwegs sein, in dem ich einiges in Petto habe – spirituelle Angebote sind ebenso drin wie ein Kartenspiel, Gebete oder juristische Hilfe.

Was, denken Sie, fehlt Männern in Bauunterkünften?
Wanderarbeiter sind sehr weit und oft lange weg von zu Hause. Sie haben Heimweh. Sie sind allein ohne Familienanschluss in einem bunt zusammengewürfelten Haufen von Leuten und Nationalitäten. Sie haben damit aber nicht automatisch Gleichgesinnte, mit denen sie reden können. Anerkennung, Wertschätzung, Gemeinschaft, all das kann fehlen. Auch kulturelle Bedürfnisse bleiben unbefriedigt. Ich will eine Brücke bauen ­hinein in die Freizeitangebote, die in dieser Stadt vorhanden sind.

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