Hilfe von „Warm durch die Nacht“ für einen obdachlosen Mann Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Sie kümmern sich um Obdachlose in der City - und kommen am Ende mit einem symbolkräftigen Geschenk zurück von der Aktion „Warm durch die Nacht“: 17 junge Leute verteilten Decken und Hundefutter in der Stadt.

Schnell wird es am Samstagnachmittag eng im Freiwilligenzentrum Caleidoskop im Bohnenviertel. Kein Wunder, wenn eine Gruppe von 17 jungen Leuten, 15 bis 27 Jahre alt, sich drängen, um vier Bollerwagen zu beladen. Wohl sortiert mit Sachen, die sie als Spenden von zwei Drogeriemärkten und einem Supermarkt, aber auch von Privatpersonen und zu großen Teilen von Familien der Akteure eingesammelt haben. Allesamt sind Jugendleiter der katholischen Kirchengemeinde St. Theresia in Weilimdorf, die ihr reguläres „Seminar“ diesmal in den Dienst von „Warm durch die Nacht“ stellen, um wohnungslosen Menschen eine Freude zu machen. Organisatorisch haben sie sich dafür mit der Einrichtung des Caritasverbandes Stuttgart zusammengetan, wo Stefanie Dietrich und Beyza Palaz als Ehrenamtliche mit souveränem Überblick dafür sorgen, dass keine Nervosität aufkommt.

 

Die Helfer haben Jacken, Decken und Hundefutter dabei

In vier Gruppen schwärmen sie aus, den Schlossplatz auf- und abwärts. Eine Gruppe strebt zur Paulinenbrücke, die vierte zum Wilhelmsplatz in Bad Cannstatt, jeweils mit übervollen Bollerwagen, bestückt mit „Sachen für den Alltag“. Jacken, Decken, Isomatten und einem Schlafsack etwa, Hygieneartikeln und Hundefutter, Obst, Milchbrötchen, Kekse, Reiswaffeln. Als besonders hilfreich wird sich die Schutzengel-Box erweisen, mit Mütze, Schal, Handschuhen und Wintersocken bestückt und von der Rockband Fischer aus Reutlingen gespendet, was Daniel Knaus von der Obdachlosen-Zeitung Trottwar eingefädelt hat.

Einmal unterwegs, sprechen Alex und Benne an der Ecke Kienestraße einen Mann an, der dort mit seinem kleinen Hund sitzt. Mit einem Lächeln nimmt er den angebotenen warmen Tee an. Ja, Socken könnte er brauchen – und eine Zahnbürste. Besonders freut er sich übers Futter für den Mischling Bobby. Die warme Decke legt er sich gleich über die Beine, und fast ein bisschen weihnachtlich wird es, als er das Tütchen mit Gebäck bekommt, von der Tagesgruppe der Jugendhilfe Korntal in größerer Menge gebacken. Beim Abschied legt der Mann als Dankeszeichen beide Hände aufs Herz.

Starker Kontrast zwischen Wohlstand und Armut

Die Ansprache sei „gar nicht so schwierig gewesen“, der Hund sowieso ein „Eisbrecher“. Der Mann habe sich sehr gefreut. „Ja, ihr habt ihm ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert“, bestätigt Palaz, die die Gruppe begleitet. Eine Frau an der Ecke Lange Straße kann die ganze Schutzengel-Box brauchen. „Wie können wir helfen?“ fragt Julia. Die alleinstehende Frau schüttet ihr Herz aus. Ein Familienschicksal, das die jungen Leute beschäftigt: „Wie schnell es gehen kann, dass man in Not gerät und keinen Ausweg findet“, sagt Anni. „Wie krass der Kontrast hier ist zwischen Leuten, die alles haben und hier teure Uhren kaufen, und Leuten, die mittellos sind“, stellt Marcus nach der kurzen Begegnung mit einem 40-jährigen Koch fest, den eine Krankheit aus der Bahn geworfen hat: „Und jetzt wohnt er im Parkhaus.“

Ähnlich fallen nach zwei Stunden andere Resümees aus. Durchweg berührt sind die jungen Leute von der Freundlichkeit und Dankbarkeit, die sie erfahren haben. „Sie wollen als Menschen gesehen werden, auch dafür sind sie dankbar“, lautet ihre Erkenntnis. Ein Mann, der zuvor drei Rosen geschenkt bekam, hat sie als Dank an die jungen Leute weiterverschenkt. Sie sind gerührt und staunen über dieses bleibende Bild von „Warm durch die Nacht“.