Im Erdbebengebiet tut jede Hilfe not. Foto: dpa/Khalil Hamra

Auch Hilfsorganisationen haben bei dem Beben Mitarbeiter verloren. Was die Menschen vor Ort jetzt brauchen – und welche Rolle ausgerechnet Pakistan dabei spielt.

Aus Baden-Württemberg, Deutschland und der ganzen Welt ist eine Welle der Hilfsbereitschaft ins Rollen gekommen. Während die einen bereits vor Ort dabei sind, die Menschen in den syrischen und türkischen Katastrophengebieten zu unterstützen, stehen die anderen mit gepackten Koffern bereit und warten auf den Anruf. Denn auch wenn die Zahl der Erdbebentoten noch nicht feststeht, eines ist sicher: Die Helfer werden einen langen Atem brauchen, die Hilfe wird viel Zeit in Anspruch nehmen – und viel Geld kosten.

 

Kommunikation ist ein Problem

Bei der Caritas International mit Sitz in Freiburg wäre man für einen Hilfseinsatz in der Region eigentlich bestens gerüstet. Die Zusammenarbeit mit der Caritas Türkei, der Caritas Aleppo und mehreren türkischen und syrischen Partnerorganisationen ist seit Jahren erprobt. Doch jetzt brauchen die Helfer selber Hilfe. Die Büros vor Ort sind durch das Beben teilweise zerstört, die Mitarbeiter haben die Nacht in Parks oder Autos verbracht, so wie der örtliche Nothilfekoordinator. Und das bei Wetterbedingungen, wie sie derzeit ähnlich auch im Südwesten herrschen: bei bitterkalten Nächten. „Vier Ärzte, die in Syrien ehrenamtlich für uns arbeiten, sind von Trümmern erschlagen worden“, sagt Caritas-Sprecher Achim Reinke. Auch die Kommunikation sei ein Problem. Mobiltelefone brauchen Strom, den gibt es nicht. Fahrten in die Gegenden außerhalb der großen Städte seien kaum möglich, die Infrastruktur liegt am Boden. Im Augenblick sei es am wichtigsten, Notunterkünfte bereitzustellen, sagt Reinke – und die Verbindungen nach Pakistan zu intensivieren.

Eigene Helfer sind verschollen

Zwar liegt Karachi in Pakistan weiter vom Katastrophengebiet entfernt als Freiburg, doch in den letzten Jahren habe sich Pakistan als Drehscheibe für Hilfslieferungen etabliert, sagt Reinke. Winterzelte seien dort in großer Zahl gelagert und würden nun von den Hilfsorganisationen abgerufen – nicht nur von denen aus Deutschland, sondern aus der ganzen Welt. Ausgestattet mit dickerer Plane und einem Kaminabzug werden die Unterkünfte geordert, gepackt und auf den Weg gebracht.

Ähnlich wie der katholischen Caritas geht es der evangelischen Katastrophenhilfe der Diakonie. Bis zum Dienstagmorgen habe man keinen Kontakt zu vier Mitarbeitern des örtlichen Partners gehabt, „sie waren verschollen“, sagt Sprecher Tommy Ramm. Inzwischen sind die Helfer wieder aufgetaucht. Aber es sei nicht einfach, die „eigenen Eindrücke zu überwinden und sich dann voll wieder einzubringen“, sagt Ramm. In Syrien habe die Partnerorganisation bereits damit begonnen, warme Jacken und Schals zu verteilen, doch Sachspenden dieser Art brauche es hierzulande nicht. „Der Transport wäre viel zu teuer.“ Geldspenden indes nehmen alle Hilfsorganisationen gern entgegen. Er hoffe, dass der menschliche Faktor obsiege und die politischen Spannungen in der Region zurücktreten lasse, so Ramm.

Hundeführer sind abmarschbereit

Am Dienstagvormittag haben sich Bergungsspezialisten des Technischen Hilfswerkes auf den Weg ins Katastrophengebiet gemacht. Baden-Württemberger waren nicht dabei. Sie stehen allerdings bereit, um bei der Trinkwasseraufbereitung zu helfen. „Wir warten jetzt, bis das Signal von unserem Bundesverband kommt“, sagt THW-Sprecher Peter Buß. Und auch sein Kollege Udo Bangerter vom Landesverband des Roten Kreuzes wartet ab. „Unsere Hundeführer wären in wenigen Stunden abmarschbereit“, sagt Bangerter, aber erst müsse der Bundesverband grünes Licht geben. Schließlich sei nach einer Katastrophe nur wenig schlimmer als unkoordinierte Hilfe.