Schmerz ist nicht gleich Schmerz. Doch ob Schmerzmittel, Verhaltenstherapie oder Eiswürfel helfen, hängt von der jeweiligen Situation ab Foto: Clemens Schüßler/Fotolia

Schmerzen kann man mit verschiedenen Hilfsmitteln lindern. Wir zeigen, wie Wärme, Kälte und Bewegung guttun.

Es wirkt ein bisschen wie Zauberei: Da knallt beim Fußballspiel der Sportler auf den Rasen, bleibt mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen. Doch dann kommt der Arzt und der Physiotherapeut angerannt. Es wird massiert, es wird gesprüht, es wird ein Tape-Verband angelegt – und schon ist der Fußballer wieder auf den Beinen.

Balance-Training

Ihr Versprechen, vor Rückenproblemen zu bewahren, konnten Sitzbälle nicht halten. Dennoch sind die Gummikugeln ein unterschätztes Sportgerät – solange man es nicht übertreibt. Wer viel am Schreibtisch sitzt, ­bekommt oft Probleme mit der Wirbelsäule. Beim Sitzen auf einem Ball jedoch verändert der Körper zwangsläufig ständig die Sitzhaltung, um die Balance zu halten. Das trainiert die Rückenmuskulatur und sorgt für eine ­gerade Wirbelsäule.

Aber: „So ein Ball ist ein Trainingsgerät, kein Büromöbel“, sagt Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln. Knapp eine halbe Stunde pro Tag, länger sollte man darauf nicht sitzen. Ansonsten werden die Muskeln überlastet, die die Wirbelkörper immer in Position halten. Dann kehrt sich der Effekt um, und man nimmt eine ungesunde Haltung ein, sagt Froböse. Besser ist es, immer wieder das Sitzen zu unterbrechen, ein paar Schritte zu gehen oder im Stehen zu arbeiten. Auch hilft es, immer mal wieder ein dickes Buch auf dem Kopf zu balancieren. Der Körper richtet sich auf, die Wirbelsäule streckt sich, und die Stützmuskulatur wird trainiert. Der gleiche Effekt ergibt sich beim Balancieren auf einem Wackelbrett.

Magnesium

Magnesium zählt zu den wichtigsten Mineralstoffen im Körper. Dort übernimmt es als Elektrolyt, das elektrischen Strom leiten kann, eine wichtige Rolle bei der Steuerung der Kommunikation von Nerven und Muskeln. Wem es an Magnesium mangelt, der entwickelt Muskelkrämpfe. Eine Einnahme von Magnesium kann also unter Umständen Muskeln entspannen und Schmerzen lindern.

Das Mineral hat in normalen Dosierungen kaum Nebenwirkungen und kann deshalb bei akuten Verspannungsschmerzen als muskellockerndes Medikament ausprobiert werden. Wer zu viele Tabletten schluckt, muss mit Durchfall, Muskelschwäche oder einem Blutdruckabfall rechnen. Natürlicherweise kommt Magnesium in Nüssen, Bananen, Milch, Vollkornprodukten und Gemüse vor.

Eisbeutel

Mit Eisbeuteln und Gelkissen kann man akute Schmerzen behandeln. Kälte verengt die Gefäße, hemmt so die Durchblutung und die Erregbarkeit der Nervenzellen. So liegen direkt unter der Hautoberfläche Rezeptoren, die bei Kälte über schnell leitenden Nervenfasern die Botschaft an das Gehirn senden: Extreme Kälte! In dem Moment blockieren sie die Weitergabe der Botschaft Schmerz.

Schmerzen im Körper, wie sie etwa Rheuma auslöst, werden vom Kältereiz überlagert und sind so deutlich reduziert. Auch Patienten mit einer akuten Reizung oder Entzündung des Kniegelenks können von Kälteanwendungen profitieren. Dazu gehören unter anderem kalte Moorpackungen und Kaltluft. Auch bei Umschlägen mit essigsaurer Tonerde oder Quark werden Kältereize genutzt.

Wärme, Verhaltenstherapie, Schmerzmittel

Wärme

Hohe Temperaturen erweitern die Gefäße, führen zu einer besseren Durchblutung des Gewebes und entspannen die Muskulatur – insbesondere dann, wenn die Beschwerden über längere Zeit bestehen. Warum Wärme als Schmerzmittel taugt, haben 2006 britische Forscher herausgefunden: Wird die Haut nahe dem schmerzenden Körperbereich auf mehr als 40 Grad Celsius erwärmt, schalten sich bestimmte Hitzerezeptoren ein – auch am Ort der Schmerzen.

Diese wiederum blockieren chemische Botenstoffe, die von Schmerzrezeptoren freigesetzt werden und den Schmerzreiz ans Gehirn melden. Empfehlenswert für die Wärmetherapie sind mit Kirschkernen, Hirse oder Dinkel gefüllte Kissen. Sie werden für zehn Minuten in einem 100 Grad warmen Ofen aufgewärmt und für 20 Minuten auf die schmerzende Stelle gelegt.

Auch eine Infrarotlampe eignet sich zur Schmerzlinderung: Studien haben gezeigt, dass die Lichtwellen Verspannungen im Schulter-, Nacken- und Lendenwirbelbereich lösen können. Ebenso hilft feuchte Wärme – etwa ein warmes Bad mit Heilkräutern wie Lavendel, Heublumen oder Thymian. Oder man legt Großmutters Kartoffelwickel für eine halbe Stunde auf die schmerzende Stelle.

Verhaltenstherapie

Wenn Patienten schon länger als drei Monate unter Schmerzen leiden, reichen Wärmebehandlungen, Medikamente und Bewegung nicht aus: Studien haben gezeigt, dass dann auch eine sogenannte Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) helfen kann. Der Patient lernt, mit dem Schmerz umzugehen und selbst auf seine Pein Einfluss zu nehmen. Zu den Hilfsmitteln der KVT gehören das Führen eines Schmerztagebuchs, aber auch Entspannungstechniken. Bei Patienten, die länger als zwölf Wochen an Rückenschmerzen litten, hat die KVT wissenschaftlich belegte Erfolge gezeigt. In Kombination mit Bewegungstherapie wird hier die KVT ausdrücklich empfohlen.

Schmerzmittel

Keiner muss Schmerzen ertragen. Medikamente können in der akuten Schmerzphase Linderung bringen und verhindern zudem, dass man ein Schmerzgedächtnis ausbildet und die Beschwerden chronisch werden. Gemeinsam mit dem Arzt sollten Betroffene die niedrigste notwendige Dosis finden, die den Schmerz vertreibt oder zumindest auf ein erträgliches Maß reduziert. Vorsicht: Die möglichen Nebenwirkungen von Schmerzmitteln sind vielfältig – selbst wenn es sich bei den Präparaten um pflanzliche Stoffe handelt.

Bewegung, Elektrotherapie, Ultraschall

Bewegung

Alles hilft, was den Menschen in Bewegung bringt. Das gilt insbesondere bei Patienten mit Rückenschmerzen. Dabei kann es sich um eine medizinische Trainingstherapie handeln, die vom Arzt verschrieben wird und durch Fachpersonal wie von Physiotherapeuten umgesetzt wird.

So gibt es beispielsweise die Manuelle Therapie: Es werden erst Verspannungen oder verkrampfte Muskelpartien – sogenannte Triggerpunkte – aufgespürt. Mit Hilfe von Manipulation und Mobilisation lassen sich dann Schmerzen lindern und die Beweglichkeit verbessern. Bei einer Bewegungstherapie beim Physiotherapeuten lernt der Patient aber auch, eigenständig Übungen auszuführen, die nicht nur die Beweglichkeit, sondern auch seine Koordination fördern.

Es gibt bewegungstherapeutische Programme, die von Sportvereinen und Fitnessstudios angeboten werden, diese sollten aber unter geschulter Aufsicht erfolgen. Vor Beginn sollte ein Arzt die Ursache der Schmerzen überprüfen. Denn in bestimmten Fällen kann Bewegung Krankheitsbilder verschlimmern. Vorsicht ist zudem geboten, wenn nach dem Training neue Beschwerden auftreten.

Elektrotherapie, Ultraschall

Mit Hilfe elektrischer Impulse sollen die Nerven, die direkt unter der Haut liegen, gereizt werden. Damit wird die Weiterleitung des Schmerzes ans Gehirn behindert und zugleich die Bildung des körpereigenen, schmerzlindernden Hormons Endorphin angeregt. So lautet das Konzept der sogenannten Transkutanen Elektrischen Nervenstimulation (Tens).

Ein ähnliches Verfahren ist die sogenannte perkutane elektrische Nervenstimulation (Pens), bei der Akupunkturnadeln den Strom direkt unter die Haut leiten. Manche Ärzte und Physiotherapeuten bieten auch eine Behandlung mit Ultraschall, bei der hochfrequente Schallwellen die Haut über der schmerzende Körperstelle durchdringen und durch Vibrationen das darunterliegende Gewebe erwärmen. Ähnlich funktioniert die Lasertherapie, bei der der Schmerz ebenfalls mit Wärme behandelt wird. Bei allen vier Behandlungen gilt: Es gibt keine Studien, die den Nutzen wissenschaftlich belegen. Es gibt allerdings auch keinen Beleg, dass sie schaden könnten.

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