Es hat geklappt: Erkrankt eine junge Frau an Krebs, sollte sie sich unter Umständen Gedanken über die spätere Familienplanung machen. Foto: dpa

Im schlimmsten Fall kann es noch schlimmer kommen: Erkrankt eine junge Frau an Krebs, kann das auch ihren Wunsch eine Familie zu gründen, gefährden. Inzwischen gibt es mehrere Möglichkeiten, nach einer Krebserkrankung doch noch schwanger zu werden.

Stuttgart - Krebs ist eine Krankheit, die das Leben bedroht. Wenn junge Frauen erkranken, gilt das doppelt: Denn auch wenn alles gut geht, können die Therapien die Fruchtbarkeit zerstören. „Werden allerdings die richtigen Vorkehrungen getroffen, können wir vielen Krebspatientinnen ihren Kinderwunsch dennoch erfüllen“, sagt Professor Ulrick Karck, Ärztlicher Direktor der Frauenklinik des Klinikums Stuttgart.

Doch die gute Nachricht soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass dies alles andere als ein einfacher Prozess ist: „Zu welcher Methode wir raten und wie erfolgreich diese ist, hängt zum einen von der Krebserkrankung an sich ab, welche Organe oder Körperteile davon betroffen sind und wie die Tumore behandelt werden“, sagt Ulrich Karck. Bei unserer Telefonaktion anlässlich des Patienten- und Angehörigentags des Stuttgart Cancer Center (SCC) – Tumorzentrum Eva-Mayr-Stihl des Klinikums Stuttgart am 1. Oktober hat der Experte unsere Leser über die Methoden informiert: Verlagerung des Eierstocks: Muss die Patientin beispielsweise aufgrund eines Knochentumors im Bereich des Beckens bestrahlt werden, gilt es in erster Linie, die Eierstöcke zu schützen. „Eierstockgewebe ist gegenüber Strahlung hochempfindlich“, sagt Karck. Weshalb der Experte dazu rät, den Eierstock mithilfe eines chirurgischen ­Eingriffs zu verlagern. Kryokonservierung: Eine weitere Möglichkeit, die Chancen auf eine Schwangerschaft nach einer Krebstherapie zu erhöhen, ist die Methode, die vor wenigen Monaten als „Social Freezing“ durch die Medien ging. Sprich: Es werden Eizellen eingefroren, im Fachjargon „Kryokonservierung“ genannt. Dabei werden Frauen noch vor Beginn der Chemotherapie Hormone gespritzt, um die Eizellproduktion anzuregen. Die Eizellen werden dann entnommen, künstlich befruchtet und eingefroren. „Nach Abschluss der Krebstherapie können die Eizellen wieder in die Gebärmutter der Frau eingesetzt werden“, sagt Karck. Auch das Einfrieren unbefruchteter Eizellen ist möglich, was für sehr junge Patientinnen in Betracht kommt oder Patientinnen, die in keiner festen Partnerschaft sind. Laut Experten führen zwischen 25 und 60 Prozent der eingepflanzten Eizellen nach einer künstlichen Befruchtung zu einer Schwangerschaft.

Auch wenn dies eine häufige Vorgehensweise ist, so ist sie nicht für jede Krebspatientin ideal. Die Frauen müssen dafür zwei Wochen lang mit Hormonen behandelt werden. Erst danach kann die Chemotherapie beginnen. Zudem ist noch unklar, ob sich die Hormone auf den Krebs auswirken.

Konservierung der Eierstöcke: Die Nebenwirkungen der Kryokonservierung können umgangen werden, wenn der ganze Eierstock oder ein Teil davon entnommen und eingefroren wird. Das Klinikum Stuttgart arbeitet hier mit einer Gewebebank in Bonn zusammen, die die Proben in Verwahrung nimmt. „Auch hier kann das Gewebe wieder nach der Krebstherapie zurückverpflanzt werden“, sagt Karck. Verschiedene Fälle haben gezeigt, dass die Patientinnen anschließend erfolgreich auf natürlichem Wege schwanger geworden sind.

Allerdings kann auch diese Methode nicht bei allen Krebsarten angewandt werden. Bei Leukämie-Erkrankungen, bei Magen- oder Darmkrebs beispielsweise könnte eine Re­intransplantation des Gewebes dazu führen, dass der Krebs wieder ausbricht – da sich Tumorzellen im Eierstock verbergen können. Für solche Fälle käme dann aber wiederum das Einfrieren der Eizellen in Betracht.