Wer unter Stress oder Depression leidet, kann sich auch ohne Arzt mit Online-Therapien helfen. Foto: dpa

Ob alleine oder mit Arzt: Wer unter psychischen Problemen leidet, findet online Unterstützung. Worauf sollte man bei Therapie-Apps und Internetkursen achten?

Stuttgart - Nicht jeder, der psychische Probleme hat, will oder kann zum Arzt ­gehen. Viele versuchen, das Problem aus eigener Kraft zu bewältigen. Doch die Suche nach dem richtigen Kurs ist, als würde man eine Nadel im Heuhaufen suchen.

Sowohl die Bundeskammer der Psychotherapeuten als auch Mediziner der Universität Lübeck haben Checklisten für Patienten erarbeitet. „Fehlen wesentliche Angaben, sollte ein Verbraucher das Programm nicht nutzen“, rät die Bundeskammer der Psychotherapeuten ganz klar. Der wichtigste Punkt aus Sicht der Experten: Es sollte klar erkennbar sein, für welche Zielgruppe ein Kurs gedacht ist. Er muss fachlich abgesichert und die Effektivität des Angebots muss durch mindestens eine wissenschaftliche Studie mit einer Kontrollgruppe nachgewiesen werden. Der Datenschutz sollte großgeschrieben werden, der Austausch von E-Mails nur verschlüsselt stattfinden. Manche Anbieter setzen auf die gleichen Sicherheitsstandards wie beim Online-Banking. Ein Patient sollte außerdem klar erkennen können, welche Kosten entstehen. Für Patienten mit ernsthaften Problemen muss das Programm eine Art Notfallplan bereithalten.

Anleitungen zur Selbsthilfe bieten die meisten Krankenkassen an. Wer ganz allgemein sein psychisches Wohlbefinden verbessern möchte, kann an dem siebenwöchigen Online-Kurs Icare Prevent teilnehmen. Die Teilnehmer arbeiten sich selbstständig durch einstündige Lektionen und können zusätzliche Schwerpunkte wählen. Für Menschen mit ersten Anzeichen einer Depression ist das Programm Moodgym empfehlenswert, das von australischen Wissenschaftlern entwickelt wurde. Es wurde von der Universität Leipzig zertifiziert. Das Programm Deprexis gilt ebenfalls als empfehlenswert, die Wirksamkeit wurde in einer groß angelegten Studie belegt. Es kann sowohl am Computer als auch via App auf dem Smartphone genutzt werden.

Wie erreicht man Fachleute?

Das Start-up Get.on, das aus einer Zusammenarbeit der Leuthana-Universität Lüneburg mit der Universität Erlangen resultiert, bietet elf verschiedene Trainings an – darunter auch einen Präventionskurs für Menschen, die bei riskantem Alkohol­konsum gegensteuern wollen. Die Kurse basieren auf der Forschungsarbeit der beteiligten Universitäten und beinhalten ­regelmäßigen Kontakt zu Psychologen.

Wie viel kosten die Kurse?

Die Kosten werden von manchen Kranken­kassen übernommen. Selbstzahler müssen mit Kosten von 100 Euro pro Stunde rechnen. Das ebenfalls kostenpflichtige Programm Novego wendet sich an Patienten mit Depression, Burn-out oder Angstzuständen. Das Programm für Depressionsgefährdete dauert zwölf Wochen und kostet für Selbstzahler 177 Euro, die anderen Kurse dauern jeweils vier Wochen und kosten 59 Euro. Im Depressionskurs können Teilnehmer Kontakt mit Fachleuten aufnehmen. Novego kooperiert mit vielen Krankenkassen, die Gutscheine an die Versicherten vergeben – nachfragen lohnt sich auch, falls die eigene Krankenkasse nicht aufgeführt ist.

Einer Studie von Bertelsmann zufolge nutzt bereits ein knappes Drittel aller Deutschen Gesundheits-Apps auf dem Smartphone. Neben den genannten Programmen, die auch mobil verfügbar sind, ist auch die App Arya Companion (für Apple und Android) empfehlenswert. Gedacht ist sie zwar für Patienten, die mit einem Therapeuten zusammenarbeiten. Sie kann aber auch von Menschen benutzt werden, die noch keine professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Um die App verwenden zu können, muss man sich nicht registrieren, sondern kann sie anonym benutzen. Ein Alarm macht in einem Notfall darauf aufmerksam, dass man sich Hilfe suchen sollte.

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