Was verbirgt sich im Wasser? Seen, Teiche und Bäche in abgelegenen Wäldern lehren Menschen schnell das Gruseln. Foto: Gottfried Stoppel

Mysteriöse Geschichten gibt es auf der ganzen Welt. Einige gruselige und zum Teil wahre Geschichten stellen wir in loser Folge vor: Der Mühlenbauer Eberhard Bohn aus Murrhardt kennt unzählige davon aus dem Schwäbischen Wald und Menschen, die glaubten, was sie erzählten.

Murrhardt - Um abgelegene Höfe, Häuser und Mühlen ranken sich viele unheimliche Geschichten. In früheren Zeiten standen die Müller nicht selten im Ruf, mit Räubern oder gar höllischen Gestalten im Bund zu sein. Ihre Mühlen standen oft abseits, eben an Bach- oder Flussläufen, die stark genug waren, um die Räder zu bewegen, die wiederum der Antrieb für die Mahlwerke waren.

Eberhard Bohn aus Murrhardt-Kirchenkirnberg kennt nicht nur viele der Mühlen, die typisch sind für den Schwäbischen Wald, er kannte und kennt auch viele ihrer Bewohner. Bohn hat schon etliche der hölzernen Mühlräder neu gebaut – von klein auf, denn sein Vater hatte ebenfalls den Beruf des Mühlenbauers.

Die alten Gruselgeschichten sind heute fast vergessen

In den Mühlen schnappte der Bub und später der junge Mann viele der Geschichten auf, die dort nach der Arbeit erzählt wurden, wenn der Vater und sein Sohn noch zum Vesper eingeladen wurden. „Heute haben das Radio und der Fernseher dafür gesorgt, dass kaum noch erzählt wird“, bedauert Bohn, der selbst ein begnadeter Erzähler ist, wie man bei Führungen erleben kann, die er in seinen geliebten Mühlen abhält.

Mittlerweile ist Eberhard Bohn zwar mehr als 80 Jahre alt, schreibt aber unermüdlich weiter an Büchern, in denen er die gesammelten Geschichten festhält. „Es wäre schade, wenn diese für immer verloren gingen“, meint er.

In den Geschichten geht es um Gespenster, Hexen und Geisterhunde

Vor mehr als 20 Jahren veröffentlichte Bohn zusammen mit Hans-Dieter Bienert, Manfred Hennecke und dem Historiker Gerhard Fritz das Buch „Von Erdluitle und dem Wilden Heer“, eine Sammlung von interessanten Sagen und Geschichten aus dem Schwäbisch-Fränkischen Wald. Mittlerweile ist der Band nur noch antiquarisch erhältlich. Vom Schurwald über das Remstal, die Berglen und den Welzheimer Wald deckt die Sammlung auch die Gebiete bis zu den Löwensteiner Bergen und dem Murrhardter Wald ab.

Oft geht es in diesen Geschichten um Geister, Hexen und mysteriöse schwarze Hunde oder andere Tiere, die einsame Wanderer zu Tode erschrecken. „Solche Geschichten gibt es auf der ganzen Welt. Ich kenne Leute, die im Osten aufgewachsen sind, in der ehemaligen Sowjetunion. Dort gibt es fast die identischen Geschichten“, erzählt Eberhard Bohn, der in seinem Leben viel gereist und weit herumgekommen ist. „Ich habe auch mit Leuten gesprochen, die davon überzeugt waren, was sie erzählt haben. Das waren meist Menschen, die allein und abgelegen lebten. Ich denke, da wird man empfänglich für so was.“

Warum Bad Boll gegen Hexen hilft

Was in einigen Geschichten auffällt, die unter anderem auch von dem Historiker Klaus Graf in seinem 1995 erschienenen Buch „Sagen rund um Stuttgart“ gesammelt wurden, ist die genaue Angabe von Zeit und Ort sowie den handelnden Personen, bis hin zu amtlichen Anzeigen übersinnlicher Vorkommnisse. So bewegte der Fall eines Poltergeistes in Großerlach (wir berichteten) im Jahr 1916 Zeitungen im gesamten Kaiserreich. Wer hinter dem Spuk steckte, der eine Witwe samt ihrer kleinen Kinder schließlich aus ihrem Bauernhof vertrieb, ist nie geklärt worden.

Ein ganzes Regelwerk gegen okkulte Umtrieb

Auch Hexenbanner wie der „Schleiferles Gottfried“ sind reale Personen gewesen. Dieser finstere Geselle hat zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Gegend von Murrhardt gelebt und den Aberglauben seiner Zeitgenossen wohl weidlich ausgenutzt. Diese hatten ein ganzes Regelwerk an Gegenmaßnahmen, mit denen sie sich angeblicher Hexen erwehren wollten. Unter anderem sollte man kurioserweise nach Bad Boll reisen. „Ganz sicher kann ich nicht erklären, wie es dazu kam, dass man nach Bad Boll wie zu einem Wallfahrtsort pilgern sollte. Ich erkläre es mir mit dem Grab von Johann Christoph Blumhardt, das in Bad Boll liegt“, sagt Eberhard Bohn. Der evangelische Pfarrer Blumhardt galt seinen Zeitgenossen als „Wunderheiler“, nachdem er in den Jahren 1842 und 1843 eine von einer Art Besessenheit befallene Frau kuriert hatte. Blumhardt selbst schrieb in seinem Bericht an die Landeskirche von einem „Geisterkampf“.

Serie:In loser Folge stellen wir demnächst einige der mysteriösen Geschichten und wahre Begebenheiten vor.

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