Beim Heusteigviertelfest wird am Wochenende auch für Kinder viel geboten. Foto: privat

Der Heusteigviertelverein setzt sich für ein lebendiges Quartier ein – und ist fast schon zu erfolgreich.

S-Süd/S-Mitte - Es ist laut, schmutzig und hat alle Nachteile eines Innenstadtquartiers, trotzdem wollen immer mehr Menschen im Heusteigviertel wohnen. Was die Anziehung dieses Quartiers ausmacht, das zeigt sich regelmäßig beim Heusteigviertelfest, das wieder am kommenden Wochenende vom 29. Juni bis zum 1. Juli stattfindet. Organisiert wird das Straßenfest vom Heusteigviertelverein, der sich seit mehr als 35 Jahren für die Entwicklung des Stadtteils einsetzt.

„Als ich 1992 hierher gezogen bin, waren die Straßen verwaist. Die Leute haben nicht miteinander, sondern übereinander geredet“, sagt Rupert Kellermann. Der Bezirksvorsteher von Stuttgart-Süd ist zugleich Vorsitzender des Heusteigviertelvereins. Damit sich die Menschen wieder kennenlernen, hat der Verein begonnen, das jährliche Straßenfest zu organisieren. Was als kleine Hocketse auf dem Mozartplatz begonnen hat, ist bei seiner 34. Auflage ein Fest, das sich über weite Teile des Heusteigviertels erstreckt.

Die Menschen grüßten einander und redeten miteinander

Wobei für Ortsunkundige nicht sofort erkennbar ist, entlang welcher Grenzen das Heusteigviertel überhaupt verläuft. Wer sich auf die offizielle Einteilung der Stadtteile seitens der Stadtverwaltung Stuttgart bezieht, macht sich zwischen Hauptstätter Straße und Olgastraße nicht zwangsläufig Freunde. „Für uns ist es selbstverständlich, dass die gesamte Heusteigstraße im Heusteigviertel liegt“, sagt Kellermann. Die Stadt habe dies aber bei der Festlegung der Stadtteilgrenzen ignoriert und so heißt offiziell nur der Teil des Heusteigviertels auch so, der auf der Gemarkung des Stadtbezirks Mitte liegt. Der Teil des Viertels im Bezirk Süd ist zum Unteren Lehenviertel geworden – eine Bezeichnung, der wiederum jeder eingefleischte Bewohner des Lehenviertels widersprechen würde.

Doch solche Dinge lernen neue Bewohner des Heusteigviertels schnell, denn trotz Großstadtlage beschreibt Kellermann das lebendige Wohn- und Geschäftsquartier mittlerweile als Dorf. Die Menschen grüßten einander und redeten miteinander. „Durch diese Atmosphäre ist das Quartier zu einem In-Viertel geworden, obwohl wir das gar nicht werden wollten, denn das führt zu hohen Mieten, was wiederum die Sozialstruktur gefährdet“, sagt Kellermann. Minister, Schauspieler und Fußballprofis haben das Viertel für sich entdeckt.

Der Verkehr ist immer noch ein Thema

Entlang der Bezirksgrenze reihen sich indes soziale Einrichtungen wie der Schlupfwinkel für Straßenkinder, aber auch einschlägige Etablissements für Prostituierte in der Olgastraße. Einrichtungen, die für Kellermann zu einer Großstadt gehören. Früher hatte sich der Heusteigviertelverein stark gegen die Prostitution und die Drogenszene eingesetzt. Heute bestehe in diesen Bereichen kein akuter Handlungsbedarf, sagt Kellermann.

Der Verkehr dagegen ist ein Thema geblieben, mit dem sich er und seine beiden Vorstandskollegen Renate Wiethoff und Marc Bodon immer noch intensiv auseinander setzen. Nach der Umgestaltung des Weißenburgplatzes und dem kontinuierlichen Einsatz für die Spielplätze im Viertel, versucht der Heusteigviertelverein nun, eine Verkehrsberuhigung für die Immenhofer Straße zu erreichen. Vor allem aber soll das Heusteigviertel lebenswert für die unterschiedlichsten Menschen bleiben und gleichzeitig weiter Gewerbetreibende anziehen, wünscht sich Kellermann, denn: „Ohne Kunden wäre das Gewerbe tot und ohne Gewerbe wäre das Viertel tot.“

Heusteigviertelverein:

Anschrift: Weißenburgstraße 2c, 70180 Stuttgart
Telefon: 0711/607 41 48
Mail: info@heusteigviertel.de
Homepage: verein.heusteigviertel.info
Vorsitzender: Rupert Kellermann Gründungsjahr: Ende der 1970er Jahre Mitgliederzahl: 12 aktiv, etwa 50 passiv

Hier finden Sie weitere Vereine in Ihrer Nachbarschaft.

Treiben Sie Sport? Spielen Sie ein Instrument? Dann erzählen Sie uns von Ihrem Verein! Schicken Sie einfach eine Mail an aktiv@stz.zgs.de.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: