Herzog-Jäger-Pfad in Waldenbuch Zum Wanderweg geht es nur mit dem Auto

Von Claudia Barner 

Forst-Experte Günther Schwarz zeigt am Startpunkt am Braunäcker Parkplatz, wie die Strecke des Pfads   verläuft. Foto: Barner
Forst-Experte Günther Schwarz zeigt am Startpunkt am Braunäcker Parkplatz, wie die Strecke des Pfads verläuft. Foto: Barner

Der kürzlich eröffnete Premiumwanderweg in Waldenbuch ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht gut erreichbar. Eine Bushaltestelle lehnt der Gemeinderat aber trotzdem ab. Ärger gibt es auch wegen eines Problems mit Hunden.

Waldenbuch - Der neue Waldenbucher Premiumwanderweg ist gerade erst eröffnet, schon gibt es Nachbesserungsbedarf. Die Wanderer sind auf das Auto angewiesen oder müssen vor dem Einstieg in den Rundkurs am Bezenberg zusätzliche Kilometer zu Fuß einplanen. Denn eine Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr gibt es nicht. Und es wird sie auch so schnell nicht geben. Der Bau einer Haltestelle für den Airportsprinter auf Höhe des Braunäcker-Parkplatzes zwischen Waldenbuch und Dettenhausen wäre möglich, ist den Stadträten aber zu teuer.

Der Waldenbucher Hauptamtsleiter Ralph Hintersehr hat den Streckenplan der aktuellen Buslinien studiert. „Wer mit dem ÖPNV anreist, kann in Waldenbuch am Gewerbegebiet Bonholz aussteigen und den Premiumwanderweg über den Eichenhof erreichen“, stellt er fest. Hier geht es stramm bergauf. Als weniger anstrengende Alternative bietet sich deshalb der Haltepunkt „Alte Post“ in der Ortsmitte von Dettenhausen an. „Der Einstieg in den Weg erfolgt dann über das Freibad Richtung Schaichtal“, empfiehlt der Verwaltungsexperte.

80 000 Euro sind „viel zu teuer“

Einfach geht anders. „Es würde den Herzog-Jäger-Pfad natürlich noch attraktiver machen, wenn wir einen direkten Anschluss hätten“, räumt Ralph Hintersehr ein. Auch wenn noch keine Zahlen vorliegen, kann er beobachten, dass der 13,7 Kilometer lange Erlebnis-Pfad durch den Schönbuch gut angenommen wird. „Wir stellen fest, dass vor allem ältere Menschen gern mit dem öffentlichen Nahverkehr anreisen“, sagt er.

Die Stadtverwaltung hat deshalb in den vergangenen Wochen an einer Lösung gearbeitet. „Wir hätten gern eine Bedarfshaltestelle eingerichtet. Das Halten auf der Fahrbahn ist auf der viel befahrenen Landesstraße aber nicht erlaubt“, erklärt der Waldenbucher Bürgermeister Michael Lutz. Ohne zwei vollwertige Busbuchten mit Wartehäuschen geht es nicht. Die Kosten dafür liegen nach den Berechnungen des städtischen Bauamts bei rund 80 000 Euro. „Viel zu teuer“, hat der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats jetzt beschieden. Auch der vom Bürgermeister in Aussicht gestellte Landeszuschuss von 15 Prozent konnte die Stadträte nicht überzeugen. Der CDU-Stadtrat Christoph Hellenschmidt riet zu einem Kompromiss und beantragte, weitere Geldgeber zu suchen und bei 50 Prozent mit einzusteigen. Doch auch diese Variante fiel durch.

Schwachstellen bei der Nutzung des Weges

Die Gegner des Projekts fanden klare Worte. „Ich verstehe die Welt nicht mehr. Überall reden wir über Spaßmaßnahmen. Wie sollen wir unseren Bürgern 40 000 Euro vermitteln, für Leute, die zum Wandern gehen“, argumentierte die FWV-Sprecherin Annette Odendahl. Die SPD-Fraktionschefin Ingrid Münnig-Gaedke sprach sich ebenfalls dagegen aus. „Wir haben zig Bauprojekte in der Pipeline, die unsere Finanzen und die Verwaltung fordern. Ich denke, wir sollten erst einmal sehen, wie das bestehende Angebot angenommen wird“, riet sie.

Die Räte wollen genau hinschauen und der eine oder andere hat bei der Nutzung des Weges bereits weitere Schwachstellen ausgemacht. FWV-Rat Wolfgang Rieth kam empört von einem Abstecher zu den Knaupwiesen oberhalb der Glashütte zurück. „Diese Wiese ist ein ökologisches Kleinod. Jetzt wird der Naturschutz dort mit Füßen getreten“, wetterte er. Sechs freilaufende Hunde seien rücksichtslos herumgetobt. „Die müssen an die Leine“, forderte der Stadtrat. Hauptamtsleiter Ralph Hintersehr stellt klar: Die Vierbeiner müssen im Außenbereich angeleint werden, dürfen aber dann frei laufen, wenn der Halter auf Zuruf auf sie einwirken kann. Bevor die städtische Polizeiverordnung geändert oder Schilder aufgestellt werden, will er erst noch mal an die Einsicht der Hundehalter appellieren.

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