Ein trauriger 2:0-Sieg für die BVB: Nach dem Tod eines Fans im Spiel gegen Mainz solidarisieren sich in Dortmund Fans und Spieler. Ein gebürtiger Stuttgarter war dabei. Foto: dpa

Im Dortmunder Stadion erliegt ein Fußballfan am Sonntag einem Herzinfarkt. Christian Stachowiak ist unter den 80. 000 Zuschauern. Der gebürtige Stuttgarter berichtet von Geisterspiel-Atmosphäre.

Dortmund - 80 .000 Fans verfolgen im Signal Iduna Park das Spiel zwischen Borussia Dortmund und dem Mainz 05. Christian Stachowiak, gebürtiger Stuttgarter, inzwischen sesshaft in Karlsruhe, ist einer von ihnen. Zur Halbzeit liegt der BVB mit 1:0 vorne, und als die Spieler aus der Kabine aufs Spielfeld laufen, passiert etwas Ungewöhnliches: „Plötzlich hat die Südtribüne ihre Banner eingerollt und die Fahnen wurden nicht mehr geschwenkt. Normalerweise wird lauthals gejubelt, wenn die Spieler das Feld betreten, aber dieses Mal nicht“, sagt Stachowiak, der am Sonntag auf der Nordtribüne direkt neben dem Gästeblock der Mainzer saß. „Wir haben gemerkt, dass etwas nicht stimmt.“

Sein Kumpel, mit dem er nach Dortmund angereist ist, bekommt mit, dass ein Zuschauer im Stadion gestorben sei. Glauben will das zuerst niemand, aber der Blick auf das Smartphone bestätigt die Befürchtung: Ein 80-Jähriger Dortmund-Fan erleidet während des Spiels einen Herzinfarkt, die Einsatzkräfte können sein Leben nicht mehr retten. Auch ein zweiter, 55-jähriger Zuschauer wird ins Krankenhaus eingeliefert, kann aber wieder stabilisiert werden.

„Keiner wusste, wie man reagieren soll“

Aber nicht alle nehmen sofort Kenntnis von der Nachricht. Bis sich der Todesfall unter den 80. 000 Zuschauern herumspricht, dauert es eine Weile. „Manche haben versucht, die Mannschaft wieder anzufeuern. Aber die Südtribüne hat sofort reagiert und die Gesänge mit Pfiffen bedacht“, erzählt Stachowiak. Bis das gesamte Stadion so still ist, „dass man die Trainer hören konnte und die Torhüter, die beim Eckball ihren Mitspieler zurufen. Das habe ich in Dortmund noch nie erlebt.“ Nach kurzer Zeit ist die traurige Nachricht bei den Mainzer Fans angekommen. Aus Solidarität rollen auch sie ihre Banner ein und verzichten auf das Anfeuern ihrer Mannschaft. „Es war wie ein Geisterspiel“, sagt der 33-Jährige.

Als Shinji Kagawa das 2:0 für Dortmund erzielt, können nicht einmal die BVB-Spieler befreit jubeln, der eine oder andere auf der Tribüne beklatscht das Tor, im Signal Iduna Park ist Fußball an diesem Abend längst nur noch Nebensache. „Es war furchtbar. Keiner wusste, wie man reagieren soll. Die Gedanken waren bei den Angehörigen des Toten“, so Stachowiak.

„Er hat sich, wie wir auch, auf das Spiel gefreut“

Als dann kurz vor Spielende die Nachricht vom Tod des 80-Jährigen auf der Videowand erscheint, stimmen die Zuschauer das Lied „You’ll never walk alone" an – auch die Mainzer Fans singen mit. „Da wurde die Rivalität bei Seite gelegt. Das war stark von den Mainzern“, sagt Stachowiak.

Auf dem Rückweg nach Karlsruhe spricht er mit seinem Freund kaum über das Spiel. „Das 2:0 hat sich überhaupt nicht wie ein Sieg angefühlt. Wir haben es hingenommen, mehr nicht“, sagt Stachowiak. Am Tag danach schaut er zu Hause die Zusammenfassung im Fernsehen. „Es ist immer noch ein komisches Gefühl“, sagt er, „Der verstorbene Fan hat sich, wie wir auch, auf das Spiel gefreut, und dann passiert so etwas Schreckliches.“

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