Der Zirkus gastiert zum zweiten Mal in der Gäustadt. In diesem Jahr gehören Schlangen und Krokodile zum Programm. Dagegen protestierte die Tierrechtsorganisation Peta bei der Premiere.
Am Donnerstag, 21. Dezember, um 16 Uhr feierte er seine Premiere: Der Herrenberger Weihnachtszirkus gastiert zum zweiten Mal auf dem Festplatz im Jahnweg. In diesem Jahr fällt das Zirkuszelt deutlich größer aus: Rund 800 Zuschauer sollen auf einer neuen Tribüne auf Einzelsitzen Platz finden. „Im vergangenen Jahr waren es nur 400 Plätze, wir mussten immer wieder Gäste abweisen, da die Vorstellungen 2022 oft ausverkauft waren“, sagt Zirkusdirektor Giuliano Frank. Die Show um Weihnachten falle immer deutlich opulenter aus als die reguläre Tournee das Jahr über. Jetzt gibt es hoffentlich ausreichend Platz, sagt er.
„In diesem Jahr habe ich Artisten aus Tschechien, Spanien und Kolumbien engagiert, wir haben das Zirkusprogramm komplett neu gestaltet“, sagt Frank. Im Foyer sei ein Weihnachtsmarkt aufgebaut, es gebe einen Streichelzoo mit rund 60 Tieren. Zum Programm gehören wie im Vorjahr Tierdarbietungen, darunter auch exotische. Das allerdings stößt manchen sauer auf. Die Tierrechtsorganisation Peta meldete sich kurz vor der Premiere kritisch zu Wort und kündigte eine Protestaktion an.
„Gegen die Tierdressuren demonstriert das freiwillige Peta-Streetteam Tübingen am Samstag ab 15.15 Uhr auf dem Festplatz“, teilt der Verein mit. In Pferde- und Dompteurkostümen würden die Freiwilligen scharfe Kritik an der tierschutzwidrigen Veranstaltung üben, bei der Tiere wie Pferde und Hunde zu „unnatürlichen Kunststücken“ gezwungen würden, keilt der Verein gegen den Zirkus. Direktor Giuliano Frank kann die Aktion nicht nachvollziehen, reagiert aber gelassen darauf.
Tierärztin der Wilhelma gab ihren Segen
„Peta ist ja kein Tierschutzverein im eigentlichen Sinne, sondern eine Tierrechtsorganisation“, sagt er. Frank ist überzeugt, dass es an der Haltung seiner Zirkustiere nichts zu beanstanden gebe. „Da wir häufig den Standort wechseln, werden wir immer wieder unangekündigt vom zuständigen Veterinäramt des jeweiligen Landkreises aufgesucht und kontrolliert“, sagt er. Dabei bekomme er stets einwandfreie Bewertungen. Frank: „Zirkusse sind die am strengsten kontrollierten Tierbetriebe überhaupt.“
Zum diesjährigen Programm gehöre eine Reptilienshow mit Brillenkaimanen und einer Riesenschlange. „Für die Begutachtung der Schlange kam eine Tierärztin aus der Wilhelma in Bad Cannstatt, sie war voll des Lobes über die Haltung der Schlange“, sagt Giuliano Frank. Dem entgegnen die Aktivisten: „Es ist alles andere als besinnlich oder feierlich, dass für das kurze, zweifelhafte Vergnügen der Zirkusbesucher weiterhin Tiere quer durchs Land gekarrt und in die Manege gezwungen werden“, sagt Sonia Leibold, Leiterin des freiwilligen Peta-Teams aus Tübingen.
Die Tierdressuren in Zirkussen sind seit Jahren immer wieder Zielscheibe von Kritik. Aus diesem Grund verabschiedete sich etwa der Zirkus Charles Knie, der regelmäßig in Böblingen zu Gast ist, nahezu komplett von Tierdarbietungen. Nur große Papageien flatterten beim Gastspiel auf dem Flugfeld im Herbst unter der Zirkuskuppel. Ansonsten garniert Charles Knie seit 2022 seine Akrobaten nicht mehr mit Elefanten oder Tigern. Stattdessen tanzen bunte Wasserfontänen durch die Manege, die mehr einem überdimensionalen Springbrunnen gleicht.
Der Herrenberger Weihnachtszirkus gastiert bis zum 7. Januar auf dem Festplatz Jahnweg. Infos zu Spielzeiten und Tickets gibt es im Netz auf: www.herrenberger-weihnachtscircus.de