Die Obstbauern in Herrenberg hoffen auch eine reiche Zwetschgen-Ernte (Symbolbild). Foto: dpa

Die Herrenberger Hauszwetschge war eine Erfolgsgeschichte – doch dann vernichtete das Scharka-Virus fast alle Bäume. Jetzt sollen zwei Neuzüchtungen wieder für eine gute Ernte sorgen.

Herrenberg - Zwetschgen aus Herrenberg – das war lange Zeit eine Erfolgsgeschichte. Das Gebiet rund um Herrenberg gilt nach Mittelbaden als das zweitwichtigste Zwetschgenanbaugebiet Deutschlands. Die blauen Früchte wurden von dort durch die ganze Republik transportiert und von Lebensmittelhändlern, auf Märkten und in kleinen Läden verkauft. Bekannt war die Herrenberger Hauszwetschge vor allem, weil sie zum Backen äußerst geeignet war.

Doch dann kam ein Virus und machte der Herrenberger Hauszwetschge den Garaus. Scharka heißt das Virus, es wird von Blattläusen übertragen. Anfangs zeigt sich der Befall nur darin, dass sich die Blätter hell färben. Schreitet die Krankheit weiter voran, sind auch die Früchte betroffen, die Dellen bekommen. Die Früchte fallen 14 Tage, bevor sie reif sind, vom Baum und sind nicht mehr verwertbar.

Keine Hauszwetschgen-Bäume mehr in Herrenberg

Die befallenen Bäume müssen gefällt werden. Deshalb gibt es fast keine Hauszwetschgen-Bäume mehr in Herrenberg und Umgebung. „Vor 20 Jahren waren 95 Prozent der Zwetschgenbäume im Gäu Hauszwetschgen, heute sind es nur noch sieben Prozent“, sagt Manfred Nuber, der Obst- und Gartenbauberater des Landkreises Böblingen. Statt einst 4000 Tonnen Obst im Jahr ernten die Zwetschgenbauer nur noch 1000 Tonnen.

Doch das wollen die Obstbauern – Haupterwerbs- wie Nebenerwerbslandwirte – im Kreis Böblingen nicht so einfach hinnehmen. Und so züchteten sie zwei neue Zwetschgensorten. Deren wichtigstes Charakteristikum: Sie sind immun gegen das Scharka-Virus.

Zwei neue Sorten überzeugten die Obstbauern

Doch die Experten wollen mehr. „Wir wollten eine Frucht, die für unsere Kulturlandschaft steht“, sagt Nuber. Und so beauftragten sie den Zwetschgenzüchter Walter Hartmann von der Universität Hohenheim mit der Züchtung. Dieser kreuzte mehrere Sorten miteinander. Diese wurden auf diversen Feldern getestet. Zwei davon überzeugten die Herrenberger Zwetschenanbauer vom Arbeitskreis Erwerbsobstbau Böblingen.

Jetzt gibt es zwei neue Sorten. Getauft wurden sie auf die Namen Herrenberger Zwetschge und Goldgäu-Zwetschge. Erstere entstand aus einer Kreuzung der Hauszwetschge mit der Scharka-resistenten Jojo und ähnelt vom Geschmack und der guten Backeignung stark der traditionellen Hauszwetschge. Die Gäugold-Zwetschge zeichnet sich durch ihr gelbes Fruchtfleisch aus. Sie sei vor allem für den Direktverzehr bestimmt, weniger zum Backen, sagt Nuber. Bei beiden handle es sich um späte Sorten. „Die Gäugold-Zwetschge wird Mitte August reif, die Herrenberger Mitte September.“ Dies passe zum Klima in der Region und sei zudem ein Vorteil auf dem Obstmarkt, betont der Experte. „Wenn die Ernte in allen anderen deutschen Anbaugebieten vorbei ist, dann haben wir noch Früchte.“

Man plane aber, das Obst vor allem innerhalb der Region, in einem Umkreis von etwa 50 Kilometern, zu vermarkten. „Im Wettkampf gegen billige Zwetschgen aus dem Ausland können wir sowieso nicht mithalten. Die großen Supermarktketten wollen stets das billigste. Wir setzen bewusst auf unser Obst als regionales Produkt“, sagt Nuber.

Marketing für die neuen Früchte ankurbeln

Dabei erhält der Arbeitskreis Erwerbsobstbau Unterstützung von der Stadt Herrenberg. Einen Scheck von 2000 Euro übergab der Wirtschaftsförderer Ralf Heinzelmann bei der Taufe der neuen Zwetschgensorten an Alexander Kaupp vom Arbeitskreis. Gedacht ist das Geld dafür, das Marketing für die neuen Früchte anzukurbeln. Die Zwetschgen sollen zu einem Markenzeichen der Stadt werden.

Allerdings werden ein paar Jahre ins Land gehen, bis es genug Früchte der neuen Sorte gibt. 350 Bäume wurden gepflanzt. Zwei davon auf dem Gütle von Thomas Deines in Herrenberg-Haslach. Bis sie genügend Früchte tragen, wird es eine Weile dauern. „In ein paar Jahren“, sagt Manfred Nuber, „stehen Tausend Bäume im Gäu, und wir können Laster mit Tonnen von Zwetschgen beladen und sie in die Stuttgarter Markthalle liefern.“

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