Mehr als ein Jahr stand der Gefahrgutanhänger in der Nähe eines Wohngebiets in Öschelbronn, nun wartet er auf dem Wertstoffhof auf seine Abholung. Foto: factum/Weise

Die Polizei hat die Besitzer des Gefahrgut-Transporters ermittelt, der sicherheitshalber auf dem Wertstoffhof steht. Ihnen droht ein Strafbefehl.

Herrenberg - Der Nebel um einen Gefahrgut-Anhänger, der mehr als ein Jahr die Menschen im Wohngebiet in Gäufelden-Öschelbronn verunsichert hat und nun auf dem Wertstoffhof in Herrenberg steht, lichtet sich. Die Polizei hat die Besitzer des portugiesischen Fahrzeugs

identifiziert. Es sind ein 37 Jahre alter Autohändler aus dem portugiesischen Braga und ein 39-jähriger Kollegen aus Gäufelden-Öschelbronn. Sie müssen dafür sorgen, dass der Tankwagen bis Ende des Monats vom Wertstoffhof in Herrenberg-Kayh wegefahren wird. Den beiden Männern drohen ein Strafbefehl wegen unerlaubten Umgangs mit Abfällen sowie eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. Außerdem müssen sie die Abschleppkosten tragen, die dem Landkreis entstanden sind, der das Fahrzeug Anfang September auf den Wertstoffhof hatte bringen lassen.

Laut Yvonne Schächtele, der Sprecherin des Ludwigsburger Polizeipräsidiums, hatten die beiden Geschäftsleute den Anhänger ursprünglich nach Moldawien verkaufen wollen. Das sei jedoch fehlgeschlagen. Danach hätten sie es auf dem hiesigen Markt versucht und keinen Interessenten gefunden. Deshalb sei das Fahrzeug so lange unweit des Öschelbronner Wohngebiets auf einem Seitenstreifen an einer Zufahrtsstraße geparkt worden. Weil der Anhänger den Hinweis auf die Gefahrgutklasse 9 für gefährliche Stoffe trägt, waren manche Anwohner sehr beunruhigt und hatten gerätselt, was denn die Ladung sei.

Polizei wird bei Internetrecherche fündig

Wie berichtet, hatte sich das Gäufeldener Ordnungsamt Anfang des Jahres an das Landratsamt gewandt und um Amtshilfe gebeten. Die Kreisbehörde hatte dann über das portugiesische Konsulat und auch über die Botschaft versucht, dem Besitzer auf die Spur zu kommen – ohne Erfolg. Erst dann nahm die Polizei Ermittlungen auf. Man sei durch eine Internetrecherche fündig geworden, berichtet die Polizeisprecherin Schächtele: „Die beiden haben uns vor zwei Wochen von ihren Problemen mit dem Fahrzeug berichtet.“

In dem Fahrzeug, das ein Fassungsvermögen von 27 000 Liter hat, war Bitumen transportiert worden. Als es vor mehr als einem Jahr abgestellt wurde, war es offenbar fast leer. Anfang September war jedoch etwa ein halber Liter Bitumen aus einem Tankstutzen gelaufen. Ein Passant hatte dies bemerkt und die Polizei verständigt. Einsatzkräfte der Feuerwehr verschlossen die Öffnung dann wieder und entsorgten das ausgelaufene Bitumen.

Wagen hat mehr als ein halbes Jahr Behörden beschäftigt

„Die Besitzer möchten den Transporter wieder haben“, erklärte Dusan Minic, der Pressesprecher im Landratsamt. „Wir betrachten ihn jedoch als Abfall“, sagt Schächtele, „wohin sie das Fahrzeug bringen, ist ihre Sache. Vielleicht zurück nach Portugal.“ Das Fahrzeug ist laut der Polizei jedoch in keinem guten Zustand. Gut erhaltene Tankanhänger des Baujahrs 1994 wie der auf dem Wertstoffhof werden im Internet zu einem Preis zwischen 7000 und 10 000 Euro gehandelt. „Wahrscheinlich wollten die Besitzer den Transporter zu teuer verkaufen“, vermutet Schächtele. Der Öschelbronner Händler wollte dazu keine Angaben machen.

Mehr als ein halbes Jahr hat der Anhänger nun die Behörden beschäftigt. „Wir haben getan, was wir konnten“, versichert Minic. Und auch der Leiter der Straßenverkehrsbehörde im Landratsamt, Roland Bratfisch, der in Öschelbronn wohnt und häufig an dem Tanklastwagen vorbeigefahren war, hatte sich ziemlich machtlos gezeigt. Heftige Kritik war ihm entgegengeschlagen, etwa von Gerhard Wimmer, der dort, wo der Tanklaster stand, in einer Gaststätte beschäftigt ist. Er verstehe nicht, hatte er moniert, weshalb die Feuerwehr nicht schon längst angerückt sei und nachgeschaut habe, was in dem Tank sei. Dazu bestehe kein Recht, hatte Bratfisch zu bedenken gegeben. Immerhin ordnete Bratfisch aber an, Lastwagen vor dem Wohngebiet nur noch von 18 Uhr bis 6 Uhr morgens das Parken zu erlauben. Denn an der Straße wurden seit eh und je Transporter für längere Zeit abgestellt.

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