Die Wechselkröten kommen im gesamten Schönbuch nicht mehr vor – außer im Herrenberger Wald. Foto: Picasa

Zum Revier des modernen Forstmanns gehören auch Biotope und Spielplätze. Naturschutz und Naherholung schmälern den Gewinn aus dem Verkauf von Waldholz.

Herrenberg - Die Arbeit des Holzfällers ist auch nicht mehr, wie sie einst war. Oder: „Die Holzernte im stadtnahen Raum ist etwas aufwändiger.“ So sagt es Andreas Hank, der gemeinsam mit Winfried Seitz als Revierleiter über den Herrenberger Stadtwald wacht. Der Holzeinschlag – samt dem Nachpflanzen – ist nur noch eine von vielen Aufgaben. Der moderne Forstmann hegt Biotope, verankert an Grillplätzen Ge- und Verbotsschilder, zimmert Wippen und Schaukeln. Insbesondere in der Mitmachstadt Herrenberg hören die Förster sich zudem bei Informationsabenden von Bürgern an, wie ihre Arbeit besser zu erledigen wäre. Die meisten klagen über Kahlschlag, manche über das Gegenteil.

Zu beachten sind selbstverständlich die Vorschriften der Berufsgenossenschaft zur Arbeitssicherheit. Gemäß denen dürfen Waldarbeiter immer nur in Gruppen mit mindestens drei Mann unterwegs sein. „Das hat schon seinen Sinn“, sagt Revierleiter Seitz. Verletzt sich einer, bleibt ein Kollege bei ihm, der andere holt Hilfe. Aber es schmälert im Jahr 2016 den Gewinn aus der Forstarbeit, weil Fremdarbeiter Langzeitkranke ersetzen mussten. Betriebswirt ist der Revierförster selbstverständlich auch. Wälder werden nach Zehnjahres-Plänen bewirtschaftet. Im nächsten Jahr beginnt der neue Zyklus. 2016 sollen die Förster 13 000 Festmeter Holz aus dem Wald holen. Eben wegen der Langzeitkranken hecheln sie dem Ziel hinterher. Erst die Hälfte der vorgesehenen Menge ist in den Büchern, was auch daran liegt, dass die Bäume gefällt, aber noch nicht aus dem Forst geholt sind. Erst dann werden sie verbucht. Die Revierförster sind zuversichtlich, dass der Rückstand aufgeholt wird.

Die Ökologie wird mehr gewürdigt als vorgeschrieben

In Herrenberg haben die Waldarbeiter noch mehr Zusatzaufgaben als in der Nähe anderer Städte. Denn in Herrenberg wird die Ökologie noch mehr gewürdigt als vorgeschrieben, außerdem wird auf Erholungssuchende Rücksicht genommen. Beides ist an den wirtschaftlichen Zahlen des Stadtwalds im Vergleich zum Staatswald Böblingen ablesbar. Die Erträge aus dem Holzverkauf werden wiederum im Wald investiert. In Herrenberg wird überdurchschnittlich viel Geld für den Naturschutz und die Naherholung ausgegeben. „Manches ist nicht so einfach“, sagt Seitz. „Wanderer mögen einsame Wege, die mögen manche Tierchen aber auch.“

Zu denen zählen der Kammmolch und die Wechselkröte. Beide sind geschützt. Die Wechselkröte kommt im gesamten Schönbuch nicht vor, außer eben im Herrenberger Wald. Im vergangenen Jahr haben die Forstleute alte Teiche vom Schlamm befreit und so freigeschnitten, dass sich das Getier dort wieder wohl fühlt. Auch zum Wohle der Waldameise wurde einiges unternommen. Für die Zukunft ist geplant, eine einst verbreitete, inzwischen vergessene Form der Bewirtschaftung wieder zu beleben. Im Kayher Tal sollen Rinder einer möglichst ursprünglichen Rasse grasen.

Die Waldarbeiter rupfen auch den Riesen-Bärenklau

Für die Sicherheit des Menschen sind die Waldarbeiter selbstredend auch im Dienst, zuvorderst, indem sie Holzbruch verhindern. Allerdings ersetzen sie auch marodes Gerät auf Waldspielplätzen und mühen sich, damit Spaziergänger keinen unliebsamen Pflanzen begegnen. Am Stellberg, auf dem der Aussichtsturm für den Schönbuch gebaut werden soll, sprießt der Riesen-Bärenklau, der 2008 zur Giftpflanze des Jahres gewählt wurde. Berührungen verursachen schmerzhafte Quaddeln auf der Haut. Die Forstleute roden das Kraut.

Betriebswirtschaftlich gesehen, schmälern all die Zusatzaufgaben den Ertrag schmerzlich. Für das nächste Jahr ist bei einem Umsatz von fast 930 000  Euro ein Gewinn von knapp 600 Euro berechnet. Aber anders ist es nicht gewünscht. Der Gemeinderat hat die aktuelle Bilanz und die Kalkulation für 2017 mit Dank für die Arbeit der Forstleute durchgewunken.

  
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