Große Arbeitgeber haben die Stadt verlassen. Ersatz blieb aus. Foto: factum/Weise

Das Prognos-Institut hat das Gewerbe bewertet: Die meisten Kennzahlen sind unterdurchschnittlich. Neue Unternehmen sollen sich ansiedeln.

Herrenberg - In Zeugnisnoten bewertet, bekommt der Wirtschaftsstandort Herrenberg bestenfalls eine Vier. „Unterdurchschnittlich“ ist das häufigste Wort in einer Studie des Prognos-Instituts, das die Gewerbeflächen in der Stadt erfasst und Empfehlungen für die künftige Entwicklung des Standorts formuliert hat.

Als erfreulich vermerken die Gutachter, dass die Herrenberger Unternehmen in verschiedenen Branchen ihr Geld verdienen, auch wenn der Schwerpunkt auf den Dienstleistungen liegt. Fast die Hälfte der Beschäftigten arbeitet in Kleinbetrieben mit weniger als 50 Mitarbeitern. Nur sechs Unternehmen am Ort haben mehr als 250 Personen auf ihren Lohnlisten. Folgerichtig ist die lokale Wirtschaft weniger anfällig für Krisen als eine Monostruktur. Umgekehrt ist die Stadt nahezu unberührt von der Wertschöpfungskette, die andernorts an der Automobilbranche im Kreis hängt.

Große Arbeitgeber wie HP oder IBM haben Herrenberg in der jüngeren Vergangenheit verlassen. Ersatz blieb aus. Auf die 31 000 Einwohner der Stadt entfallen 10 000 Arbeitsplätze. Pro Kopf gerechnet ist das deutlich weniger als in der Region Stuttgart insgesamt, deren Durchschnittswert noch einmal leicht unter der entsprechenden Kennzahl für den Landkreis liegt.

9700 Menschen pendeln täglich aus der Stadt

Dementsprechend fahren 9700 Pendler täglich in andere Städte, 7100 kommen nach Herrenberg. Die Zahl der Beschäftigten blieb in den vergangenen zehn Jahren nahezu unverändert. Prognos errechnete ein Plus von 2,7 Prozent, was deutlich hinter den Vergleichszahlen liegt. In der Region Stuttgart stieg die Zahl der Arbeitsplätze im gleichen Zeitraum um 14 Prozent.

Herrenbergs Vorteil ist gleichsam, dass viel Luft nach oben bleibt. 135 Hektar Grund nutzt derzeit das Gewerbe. Auf weiteren 50 könnten sich neue Unternehmen ansiedeln oder alte ausdehnen. Der zweite Fall ist gemäß dem Gutachten der wahrscheinlichere. Um nichtansässige Betriebe davon zu überzeugen, in Herrenberg zu bauen, seien größere Anstrengungen nötig – die laut Prognos dennoch unternommen werden sollten. Insbesondere große Mittelständler der Region sollten angesprochen werden.

Ein gewichtiges Argument in solchen Gesprächen sind die vergleichsweise günstigen Grundstückspreise. Zwischen 80 und 110 Euro kostet der Quadratmeter Gewerbefläche in Herrenberg. Selbst in kleineren Gemeinden der Umgebung wird für Bauland mehr verlangt. In der Spitze klettern die Preise auf dem Böblingen und Sindelfingen gemeinsamen Baugebiet Flugfeld auf bis zu 400 Euro. Überdies herrscht in der Region Stuttgart grundsätzlich ein Mangel an Bauland.

Allerdings wären auch in Herrenberg nur 3,5 Hektar schnell bebaubar. Um diese Fläche zu vergrößern, empfiehlt Prognos der Stadt, zusätzliches Gelände zu kaufen und es zur Baureife zu entwickeln. Was eine Abkehr von der bisherigen Politik bedeuten würde. In der Vergangenheit hat die Stadt regelmäßig Gewerbegrund verkauft.

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