Der Projektleiter Daniel Graf sagt: „Wir liegen im Zeitplan.“ Die Hindenburgstraße ist fast fertig. Foto: factum/Simon Granville

In Herrenberg laufen zwei große Bauprojekte parallel. Sie verändern das Gesicht der Stadt.

Herrenberg - Negativbeispiele von Bauprojekten, die niemals fertig werden, gibt es genügend. Man muss nur das Stichwort Berliner Flughafen nennen, und jeder weiß Bescheid. Dass es auch ganz anders gehen kann, zeigen im Moment die Herrenberger. In rasender Geschwindigkeit bauen sie ihre Stadt um. Sollte es einen Bewohner der Stadt geben, der Anfang des Jahres ins Ausland gereist ist und erst kurz vor Weihnachten wieder zurückkehren kann – wird dieser „sein“ Herrenberg wohl kaum wiedererkennen.

Zwei komplette Bauprojekte, die das Stadtbild gewaltig verändern, laufen parallel. Zum einen wird, wie schon lange geplant, die Seestraße umgebaut. Wo diese Bundesstraße bisher die Altstadt abgeschnitten hat, sollen demnächst die Fußgänger pro­blemlos von einer auf die andere Seite flanieren können. Das neue Seeländer-Areal mit Wohnungen, Läden, Kita und Technischem Rathaus, das sich im Bau befindet, wird so an die Innenstadt angebunden. Gegenüber dem Areal entsteht der Seeles-Platz mit einem Wasserspiel und viel Grün.

Beschwerden von Händlern und Anwohnern

Mit diesem Projekt hatte die Stadt bereits begonnen, als sie den Zuschlag für ihre Bewerbung für das Bundesprojekt „Modellstadt“ erhielt. „Im Februar kam die Zusage. Das Geld vom Bund gibt es aber nur, wenn wir bis zum Jahresende fertig sind“, erklärt Klaus Maisch, der Leiter des Herrenberger Amts für Tiefbau.

In Windeseile musste er mit seinem achtköpfigem Team auch noch den zweiten Umbau planen. Deshalb ist jetzt seit Monaten die komplette Durchfahrt vom Ortseingang in Richtung Tübingen bis zur Ortsausfahrt in Richtung Böblingen gesperrt. Nicht zur Freude von Händlern, die nun für Kunden schwer zu erreichen sind. Und sehr zum Ärger vieler Anwohner des Wohngebiets Alzental, durch das nun die Autos rollen. Etliche Beschwerden erreichen Klaus Maisch. Er nimmt das gelassen. „Wir versuchen, die Anliegen zu berücksichtigen.“ Aber er stellt auch klar: „Manches können wir nicht ändern. Aber es ist ja bald vorbei.“ In zwei Wochen soll die Hindenburgstraße fertig sein sein. Dann wandert die Baustelle weiter in die Horber Straße.

Spätestens vom kommenden Jahr an soll der Verkehr ungehindert durch die Stadt fließen. Die Autofahrer haben dann weniger Platz als bisher, denn auf beiden Seiten werden Schutzstreifen für Radler angelegt. Trotzdem sollen die Autos schneller durchkommen als bisher, verspricht Daniel Graf, der als Projektleiter den Umbau koordiniert. „Wir beseitigen überall die längsseitigen Parkplätze. So gibt es keinen Stau mehr, wenn ein Auto ein- oder ausparkt.“ Außerdem sollen Ampeln in der Innenstadt den Verkehr steuern. Die Geschwindigkeit, mit der man ohne Rot durchkommt, wird den Autofahrern auf LED-Displays angezeigt.

Geld aus Berlin für den Umbau

Mehr als vier Millionen Euro kostet der Umbau zur Modellstadt. 95 Prozent davon zahlt der Bund. Knapp zwei Millionen Euro investiert die Stadt in den Platz vor dem Seeländer-Areal und 1,4 Millionen Euro in den Umbau der Seestraße. Hinzu kommt die Gestaltung des Seeles-Platzes, dessen Kosten noch nicht feststehen.

In den sozialen Netzwerken wird über die Umbaumaßnahmen ein wenig gespottet. Die Hindenburgstraße sei nicht breit genug für zwei Autos, heißt es etwa. „Wir halten alle vorgeschriebenen Maße ein“, sagt Daniel Graf. Und auch das Regierungspräsidium hat die Verkehrsplanung so genehmigt, wie es auf Anfrage bestätigt.

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