Hier bei Öschelbronn, in Sichtweite von Einfamilienhäusern, stand der Gefahrgut-Anhänger, bis ihn das Landratsamt abschleppen ließ. Foto: factum/Archiv

Der Eigentümer des Gefahrgut-Anhängers hat auch die allerletzte Frist zum Abholen versäumt. Nun will die Kreisverwaltung handeln.

Herrenberg/Gäufelden - Nun hat die Kreisverwaltung genug. Noch in dieser Woche will sie einen Gefahrgut-Anhänger, der vor anderthalb Jahren in einem Wohngebiet im Gäufeldener Ortsteil Öschelbronn abgestellt worden war, verschrotten lassen. „Wir haben bereits mehrere Angebote von Verschrottungsfirmen in der Schublade, die wir jetzt herausziehen werden“, sagte der Kreissprecher Dusan Minic am Montagnachmittag. Denn bereits am Freitag war die allerletzte Frist verstrichen, die man dem portugiesischen Eigentümer des Tankwagens eingeräumt hatte.

„Der Eigentümer hatte angekündigt, dass er sein Fahrzeug am Freitag abholen lässt“, sagte Dusan Minic. „Doch dann ist der Abschleppwagen aus Portugal an der französischen Grenze hängengeblieben.“ Man habe noch bis zum Montag abgewartet, aber nichts mehr von dem 37 Jahre alten Unternehmer gehört. „Weder bei unserer Behörde noch bei einem Bekannten in Öschelbronn, der immer wieder mal vermittelt hat, hat der Unternehmer eine Nachricht hinterlassen.“ Damit stehe nun die Verschrottung fest, die man dem Besitzer bereits mehrfach angekündigt habe, sagte Dusan Minic.

Wie berichtet, hatte der Tankwagen mit portugiesischem Kennzeichen fast ein Jahr lang nahe eines Wohngebiets in Öschelbronn gestanden. Sehr beunruhigt waren die Anwohner, weil auf dem Fahrzeug ein Hinweise für einen Gefahrgut-Transporter angebracht war. Denn niemand wusste, was sich in dem Tank befand. Als im vergangenen September Bitumen aus dem Anhänger tropfte, weil Unbekannte den Hahn geöffnet hatten, ließ das Landratsamt das Fahrzeug abschleppen. Seither stand es auf dem Wertstoffhof in Herrenberg-Kayh. Dort stellte man fest, dass der Tank praktisch leer ist und nur noch Reste aus dem Hahn getropft waren. Zu Umweltschäden war es damals nicht gekommen.

Eigentümer hat 5000 Euro Bußgeld gezahlt

Die Polizei konnte den Eigentümer in Portugal ermitteln. Er hat mittlerweile ein Bußgeld des Abfallwirtschaftsbetriebs in Höhe von 5000 Euro bezahlt. Diese Summe decke auf jeden Fall die Abschleppkosten, sagte der Kreissprecher. Deshalb habe man dem Portugiesen auch nochmals die eigentlich am 21. April ausgelaufene Frist zum Abschleppen des Lasters verlängert.

Nach Ansicht der Experten des Landratsamtes und der Polizei ist das Fahrzeug schrottreif und hat kaum noch einen Wert. Der Unternehmer jedoch wollte es auf alle Fälle zurückhaben. Weil das Landratsamt aber befürchtet, dass weiter Flüssigkeit aus dem Tanklaster tropfen könnten, hatte es zur Auflage gemacht, dass der Abtransport nur mit einem Tieflader erfolgen darf. Dieser soll es wegen nicht näher bekannter Schwierigkeiten nicht von Frankreich nach Herrenberg geschafft haben.

Der portugiesische Eigentümer hatte den Anhänger ursprünglich nach Moldawien verkaufen wollen. Dabei sollte ihm der Bekannte aus Gäufelden helfen. Weil die beiden den Tankwagen dann nicht losbekamen, stellte der Besitzer ihn auf einem Streifen beim Wohngebiet in Öschelbronn ab. Dieser wurde zu dieser Zeit häufiger als Abstellplatz für Lastwagen genutzt. Rechtlich zulässig ist jedoch nur eine maximale Abstellzeit von zwei Wochen. Gegen Vorwürfe, nicht früher etwas unternommen zu haben, wehrt sich das Landratsamt. Da habe die Behörde keinerlei rechtliche Handhabe gehabt, so der Sprecher.

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