So sehen Kinder die Pandemie: Das Virus prangt fett über einem verlassenen Spielplatz. Foto: Stadtarchiv Herrenberg

Welche Folgen hat die Corona-Pandemie für die Menschheit? Dieser Frage werden sich bald Soziologen, Politikwissenschaftler und Historiker widmen. Das Material dafür trägt heute schon das Herrenberger Stadtarchiv zusammen.

Herrenberg - Die These der Herrenberger Stadtarchivarin Stefanie Albus-Kötz klingt auf den ersten Blick kühn: Die Corona-Pandemie habe mit die einschneidendsten Veränderungen in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg gebracht. Deshalb will sie im Herrenberger Stadtarchiv – als bislang einzigem in der Region – eine Dokumentensammlung zu dieser Ausnahme-Situation anlegen. Auch das Württembergische Landesmuseum in Stuttgart sammelt bereits.

„Wir haben noch nie eine solche Beschränkung unserer Grundrechte erlebt, wie jetzt. Das gab es auch noch nie, dass unsere Kinder weder in die Schule noch in den Kindergarten konnten“, so begründet Stefanie Albus-Kötz ihre Einschätzung, die sie dazu bewogen hat, Corona-Relevantes zusammenzutragen.

Was man mit unverbrauchtem Klopapier alles machen kann

Bislang ist der Posteingang indes eher schleppend; doch einige Dokumente sind bereits beim Archiv angekommen: Ein Video des Herrenberger Akkordeonorchesters etwa, das zeigt, was man mit unverbrauchtem Klopapier alles machen kann. Eine Bildergeschichte zur Corona-Pandemie, die eine Schulbegleiterin mit Playmobil-Figuren geschaffen hat. Verschiedene Kinderzeichnungen zum Thema gibt es auch. Eine zeigt einen Pestdoktor, eine andere das Virus über einem leeren Spielplatz. Eingegangen ist auch eine Rechnung über den Kauf einer großen Menge Toilettenpapier. „Das Thema Klopapier scheint sich den Bürgern eingeprägt zu haben“, sagt Stefanie Albus-Kötz diplomatisch.

Material für künftige Forscher

Bislang sind offenbar nur wenige Archive auf die Idee gekommen, Dokumente der Pandemie zu sammeln; Pforzheim oder Aschaffenburg sind die nächsten. Allerdings besteht das Kerngeschäft eines Stadtarchivs zunächst darin, die Arbeit der Verwaltung zu dokumentieren. Erst in zweiter Linie geht es darum, die Kultur der Städte und ihrer Bürger für die Forscher der Zukunft aufzubewahren. Albus-Kötz ist sich sicher, dass künftige Historiker über Pandemien und ihre Folgen im 21. Jahrhundert forschen werden.

Wer immer mit Dokumenten – physischen wie elektronischen – zu der Herrenberger Sammlung beitragen möchte und mit der Stadt oder deren Vororten verbunden ist, den lädt das Stadtarchiv dazu ein, Beiträge einzureichen.

Wichtig ist es, die Bilder, Videos, Texte, Gedichte, Flyer oder Gegenstände mit dem Namen des Einsenders zu versehen. Damit einher geht dann auch eine Zustimmung zur Archivierung und zu einer möglichen Weiternutzung für eine Ausstellung. Deshalb sollte man angeben, ob eine Veröffentlichung nur anonym möglich ist oder mit vollem Namen. Natürlich kann man nur Dinge zusenden, über deren Nutzungsrechte man auch verfügt.

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