Auf dem Fichtenberg bei Herrenberg trohnt die frühere IBM-Zentrale. Bald zeihen dort Polizeischüler ein. Foto: factum/Granville

Der Umbau des ehemaligen IBM-Gebäudes zur Polizeischule verzögert sich wegen Problemen beim Brandschutz. Dies verteuert das auf 42 Millionen Euro geschätzte Projekt um weitere zwei Millionen

Herrenberg - Von außen wirkt das monumentale Gebäude auf dem Fichtenberg etwas außerhalb von Herrenberg wie eh und je. Wie ein Burg thront das ehemalige Firmengebäude von IBM am Waldrand. Doch im Inneren tut sich so einiges. Mehr als 100 Handwerker wuseln durch die Räume, reißen Wände ein, ziehen an anderer Stelle neue hoch. Sie erneuern die Lüftung, die Elektrik, den Brandschutz. Aus früheren Büroräumen werden Schlafzimmer, aus dem einstigen Callcenter Trainingsräume, in denen die Polizeischüler Einsätze in nachgebauten Wohnzimmern und Gaststätten üben werden.

„Die Arbeiten laufen im Moment auf Hochtouren“, sagt Matthias Lindenthal, der Projektleiter des Umbaus. Das Landesunternehmen Vermögen und Bau in Ludwigsburg ist verantwortlich für den Umbau der ehemaligen IBM-Zentrale in ein Ausbildungszentrum für Polizeischüler. Mindesten 42 Millionen Euro wird das kosten. So war die ursprüngliche Planung. Doch ob diese zu halten ist, ist laut Corinna Bosch, der Chefin von Vermögen und Bau, mehr als fraglich.

Schulbetrieb startet halbes Jahr später

Der Hauptgrund: „Die Kosten für den Brandschutz sind viel höher als gedacht.“ Die Einbauten der IBM, die theoretisch den aktuellen Brandschutzbestimmungen entsprechen, hätten sich nun beim Umbau als schadhaft erwiesen. Das bedeutet laut Bosch zwei Millionen Euro Mehrkosten und eine halbes Jahr Bauzeitverlängerung.

Deshalb wird aus dem für den September geplanten Einzug der Polizeischüler nichts. „Bis Ende dieses Jahres wollen wir mit dem Umbau fertig sein. Im März soll dann der Schulbetrieb starten“, sagt der Projektleiter Lindenthal.

Dann werden dort mehr als 500 junge Leute auf einmal zu Polizeibeamten ausgebildet werden. Dafür wird die Kegelbahn der früheren IBM-Mitarbeiter in eine Laserschießanlage umfunktioniert. „Die Kegelbahn ist ideal dafür. Die Polizei ist hocherfreut“, sagt Lindenthal. Zusätzlich entsteht neben dem Gebäude eine Halle für das Schießtraining mit Pistolen. Dafür mussten zuvor Ausweichareale für möglicherweise dort lebende Zauneidechsen geschaffen werden. Das Schwimmbad der IBM ist mittlerweile abgedeckt. Denn daraus soll ein Fitnesscenter für die jungen Polizeibeamten werden

Vor vier Jahren hatte das Land das leer stehende 18 500 Quadratmeter große Firmengebäude gekauft, um sie in eine Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge umzubauen. Doch dann änderte der Bund die Flüchtlingspolitik, seither kommen wesentlich weniger Hilfesuchende nach Deutschland. Eine weitere Erstaufnahmeeinrichtung wurde nicht mehr gebraucht.

Wärmebildkamera überwacht das Gelände

Für die Polizei erwies sich dies als Glücksfall. War sie doch auf der Suche nach einem geeigneten Domizil für ein neues Ausbildungszentrum. Denn sie will das Personal im Land aufstocken und hatte eine Einstellungsoffensive gestartet. Allerdings fehlen ihr Ausbildungskapazitäten. Die IBM-Immobilie jedoch ist ideal für diese Zwecke. „Auch die IBM hat große Teile des Gebäudes als Schulungszentrum genutzt. Vieles, etwa die Seminar- und Dozentenräume, können wir ohne große Änderungen einfach übernehmen“, sagt Lindenthal.

Als schwieriger erweist sich die Umsetzung der Sicherheitsbestimmungen für die Polizeischule. Ein Zaun soll um das Areal gezogen werden. Dieser darf – entgegen den Vorschriften – aus Naturschutzgründen aber nicht beleuchtet werden. Denn die Immobilie liegt mitten in der Natur, der Wildbestand ist hoch. Deshalb soll der Campus mit einer Wärmebildkamera überwacht werden.

Um den Zaun vor dem Zuwachsen zu schützen, wird die Jogging-Strecke für die Polizeischüler an ihm entlangführen. Bei ihren morgendlichen Laufrunden können die Nachwuchspolizisten dann den Ausblick auf das Gäu genießen. Dieser ist sicher einer der größten Vorteile des neuen Schulstandorts.

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