Herr Schweikardt, übernehmen Sie! TVB zieht die Reißleine: Baur muss gehen

Von Joachim Klumpp 

Markus Baur muss den TVB vorzeitig verlassen.Jürgen Schweikardt wird wieder als Trainer einspringen. Foto: Baumann
Markus Baur muss den TVB vorzeitig verlassen.Jürgen Schweikardt wird wieder als Trainer einspringen. Foto: Baumann

Der abstiegsbedrohte Handball-Bundesligist TVB Stuttgart hat sich von Trainer Markus Baur getrennt. Geschäftsführer Jürgen Schweikardt übernimmt das Amt in Personalunion.

Stuttgart - Die Uhren beim TVB Stuttgart ticken anders. Im ursprünglichen Zeitplan des Handball-Bundesligisten war der März als Monat der Entscheidung auserkoren. Dann sollte über eine Verlängerung des Vertrags mit Markus Baur entschieden werden: Doch erstens kommt es anders – und zweitens als man denkt. Am Sonntag jedenfalls verschickte der Verein per Pressemitteilung die Freistellung des Trainer gepaart mit der Informationen, dass Jürgen Schweikardt das Amt „bis auf weiteres“ übernehmen wird.

Der Geschäftsführer also, dessen Verhältnis zum Trainer zuletzt schon etwas angespannt war. Nicht zuletzt, weil der Funktionär Schweikardt den Vertrag mit dem Spieler und Bruder Michael Schweikardt im Winter verlängert hatte, entgegen den Vorstellungen des Trainers – auch wenn Jürgen Schweikardt diese Personalie keinesfalls im Alleingang gefällt hat, sondern in Abstimmung mit den einflussreichen Gesellschaftern.

Diese wiederum sind schon länger unzufrieden mit den Ergebnissen der Mannschaft und hatten den Trainer bereits vor Weihnachten angezählt. Der K. o. kam vom Zeitpunkt her nun doch etwas überraschend, generell ist man davon ausgegangen, dass der Weltmeister von 2007 am nächsten Sonntag (15 Uhr) bei den Eulen Ludwigshafen noch sein Endspiel bekommt.

Verletzungsmisere fordert Tribut

Aber vielleicht hatten die Verantwortlichen die Sorge, dass der TVB nach zuletzt zehn Spielen ohne einen einzigen Punktgewinn endlich mal wieder einen Sieg landet – und dann die Hängepartie doch noch einige Wochen weitergeht. Also wurden Nägel mit Köpfen gemacht , wobei es grundsätzlich nach so einem Negativlauf – selbst in dem im Vergleich zum Fußball ruhigen Handball-Geschäft – schwierig wird, noch Argumente für den Trainer zu finden. Verletzungspech hin oder her, auch wenn das die Mannschaft nach einem guten Saisonstart (mit Siegen gegen den Geheimfavoriten Melsungen oder im Derby in Göppingen) mehr und mehr aus der Bahn geworfen hat. „Wir konnten ja praktisch nie komplett auflaufen“, hat Baur schon vor Kurzem mal gesagt, aber nicht geklagt.

Die Entscheidung ist am Samstag gefallen, als sich die TVB-Macher zusammensetzten. Dass bei der Pressekonferenz an diesem Montag auch der Unternehmenssprecher Christian May aus dem Hause Kärcher mit am Tisch sitzen wird, lässt darauf schließen, dass der Druck und Einfluss des Hauptsponsors eine gewichtige Rolle gespielt hat, wobei im Sponsorenkreis wohl insgesamt der Tenor vorgeherrscht hat: Der Trainer muss weg.

Ziel Klassenerhalt steht über allem

„Aufgrund der Tatsache, dass das Ziel Klassenerhalt in Gefahr ist, haben wir uns gemeinsam mit Markus Baur dazu entschieden, die Zusammenarbeit zu beenden“, sagte Christian May als Sprecher der Gesellschafter der TVB 1898 Handball GmbH & Co. KG. Und weiter: „Die Lösung mit Jürgen Schweikardt ist aufgrund der Kurzfristigkeit naheliegend. Er kennt die Mannschaft und das Umfeld bestens.“ Das ist Chance und Risiko zugleich. Schweikardt hat bereits alle Funktionen im Verein durchlebt: Spieler, (Aufstiegs-)Trainer und jetzt Geschäftsführer, der nun den verfahrenen Karren aus dem Dreck ziehen soll.

Neun Punkte aus 21 Spielen sind ja alles andere als eine Erfolgsbilanz. Insgesamt hat die Mannschaft in ihrer dritten Bundesligasaison – vor allem zu Hause – zu oft einen relativ blutleeren Eindruck hinterlassen, da konnte auch die über weite Strecken ordentliche Leistung am Donnerstagabend gegen den Tabellenzweiten Hannover (26:33) nicht mehr hinwegtäuschen.

Gescheitert sein dürfte Baur letztendlich auch daran, dass gerade von den so genannten Führungsspielern – namentlich Johannes Bitter und Michael Kraus – zu wenige Impulse kamen. Zum einen, weil sie über viele Wochen verletzt waren, zum anderen aber auch, um es positiv auszudrücken, übermotiviert waren – wie Kraus, der gegen Hannover mehr als ein halbes Dutzend Fehlwürfe fabrizierte. Der Wurf des TVB muss nun aber sitzen.

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