Herman ze German London steht auf German Wurst

Von Kathrin Pribyl 

Azadeh Falakshahi und Florian Frey stillen den Hunger der Briten auf Bratwurst und Schnitzel Foto: Herman ze German
Azadeh Falakshahi und Florian Frey stillen den Hunger der Briten auf Bratwurst und Schnitzel Foto: Herman ze German

Vor vier Jahren eröffnet ein Pärchen aus Lörrach das Lokal „Herman ze German“ in London. Mittlerweile gibt es drei Filialen. Und sie sind nicht die Einzigen, die den Hunger auf Bratwurst und Schnitzel stillen.

London - Die „Brockwurst“ wird gerne bestellt – mit rollendem „r“. Der Brite unterscheidet nicht zwischen Bockwurst oder Bratwurst, Hauptsache Wurst, eine deutsche Wurst. Das ist bei „Herman ze German“ Alltag. Genau wie die langen Schlangen, die sich täglich um die Mittagszeit vor den Filialen im Innenstadtviertel Soho oder unweit des Bahnhofs Charing Cross bilden. Seit kurzem stillt ein drittes Lokal in bester Londoner Lage den Appetit der Briten auf Bratwurst, Schnitzel, Currywurst und Pommes spezial. Sie sind auf den deutschen Geschmack gekommen, und das ganz ohne lärmende Volksfestromantik mit bayerischen Fähnchen und dirndltragenden Mädels, dafür hängen alte Fleischwölfe als Dekoration an den Wänden.

Hinter der Idee stehen Azadeh Falakshahi (31) und Florian Frey (34) aus dem südbadischen Lörrach. Zunächst hatte das Paar – sie Fotografin, er Friseur – kofferweise Würste für Grillabende aus Deutschland importiert. Irgendwann fragte ein Pub an, ob sie nicht die Verkostung während der „deutschen Abende“ übernehmen wollen, eine Anfrage für ein Musikfestival folgte. Das Paar lieh sich Geld, ersteigerte einen roten Verkaufswagen, und Frey bestellte eine Palette Würste bei seinem Hausmetzger im Schwarzwald. „Das war ­alles nur aus Spaß“, sagt Frey.

Was folgte, waren Warteschlangen vor ihrem Wagen. „Die Leute haben Bilder von unserem Stand gemacht und wollten T-Shirts kaufen.“ Das lag nicht nur an der Wurst, sondern auch an der Präsentation. „Herman“, der britische Universalname für Deutsche, kam genauso gut an wie das Wurstlogo, das von einem befreundeten Designer stammt. Ebenso das selbstironische „ze“ im Firmennamen – eine Parodie auf die Schwierigkeiten der Deutschen, das englische „th“ auszusprechen.

10 000 Würste pro Woche

Nachdem sie mit ihrem Wurststand zwei Jahre lang über Essensmärkte und Festivals getingelt waren, stellten sich Falakshahi und Frey 2010 in ihrem ersten eigenen Lokal in bester Londoner Lage hinter den Grill. Zu Beginn kämpften die Quereinsteiger mit Schwierigkeiten: Der Ansturm war zu groß, sie waren zu langsam. Hinzu kommt: „Jeder in Deutschland hat eine andere Vorstellung von einer Currywurst“, erklärt Frey. Mit oder ohne Darm. Bratwurst oder Bockwurst. Aus Kalb- oder Schweinefleisch.

Mittlerweile hat das Paar 50 Angestellte, pro Woche werden etwa 10 000 Würste verkauft. Bei der Qualität der Würste aus dem Schwarzwald machen Frey und Falakshahi nach eigenen Angaben keine Kompromisse. Das passt zum Klischee vom gewissenhaften Deutschen. Das wird zwar auch mit Hilfe von Paulaner- und Rothaus-Bier bedient, aber nicht überstrapaziert. Das neue Lokal im begehrten Stadtteil Fitzrovia bietet einen schicken Holzboden, umgestaltete orangefarbene Biertische und ein Neonschild „Our Wurst is ze Best“.

Im Frühjahr wird ein vierter Laden eröffnet. „Wir wollen keine Touristenbude sein, sondern von Briten angenommen werden“, sagt Frey. Dass Deutschland derzeit auf der Insel so angesagt ist wie nie zuvor, hilft den Jungunternehmern. Die deutsche Wurst ist cool geworden. Das haben längst auch andere Gastronomen erkannt: In immer mehr Straßen gibt es Wurstlokale.

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