Das Haus der Familie startet mit neuem Kursangebot in den Herbst – sowohl Online- als auch in Präsenz. Das Programm ist geprägt von der Pandemie-Zeit, insbesondere die Väter sind stärker in den Fokus gerückt.
Sindelfingen - Existenzielle Sorgen während der Pandemie, die extreme häusliche Nähe einiger Familien und die Frage, ob das eigene Kind Anschluss im Kindergarten oder in der Schule findet: Eva Schaber vom Haus der Familie hat im vergangenen Jahr miterlebt, dass die Corona-Zeit eine besonders herausfordernde für Familien war. „Für uns gilt immer die Frage: Wie kann es gelingen, Familien zu unterstützen?“, sagt die Leiterin der Einrichtung.
Dieser Anspruch habe in der Corona-Zeit „an Intensität gewonnen“. Weil das Team der Familienbildungsstätte im Lockdown gemerkt habe, wie wichtig es sei, Familien nicht allein zu lassen, wurden schnell Web-Seminare ins Leben gerufen. Und dabei fiel vor allem eines auf: „Deutlich mehr Männer haben am Kursangebot teilgenommen“, berichtet Eva Schaber.
Zudem hätten auch allgemein mehr Vollzeit-Berufstätige die Teilnehmenden ergänzt. Diese Beobachtung hatte nun Auswirkungen auf das Herbst-Programm des Hauses der Familie: „Es werden etwa 50 Prozent der Kurse in Präsenz angeboten, 50 Prozent finden Online statt. Wir brauchen ein Höchstmaß an Flexibilität“, erläutert Schaber. Die Rückmeldung der Teilnehmenden sei „sehr positiv“ gewesen, zudem sei bei den Kursbesuchern das Gefühl entstanden, sie würden „nicht allein gelassen“.
„Für viele Kinder war es verstörend, auf Kontakt zu verzichten“
Für das Herbst-Semester stehen weiterhin klassische Themen auf dem Programm: Von der Schwangerschaftsvorbereitung über das kindliche Trotzkopfalter bis hin zu: „Wie kann Kommunikation mit Pubertierenden gelingen“ – die Angebotspalette ist groß. Doch nun stünden eben auch andere Themen im Fokus, wie Eva Schaber berichtet: „Wir haben uns gefragt, was die Eltern jetzt brauchen. Die Pandemie steckt uns allen noch in den Knochen und einige Familien müssen wieder zu Kräften kommen.“
Deshalb beschäftigt sich die Familienbildungsstätte jetzt vermehrt mit „Achtsamkeit im Erziehungsalltag“ und hat Entspannungskurse im Repertoire. Doch nicht nur die Eltern, auch die Kleinsten hätten die „Verunsicherung“, die Corona mit sich bringt, gespürt, erzählt die 57-Jährige: „Für viele Kinder war es verstörend, auf Kontakt zu verzichten.“ Weil der Kontakt zu Gleichaltrigen aber so wichtig sei, lernen Eltern beispielsweise in einem Abend-Webinar wie sie ihre Sprösslinge nach dem Lockdown dabei begleiten können. Das wachsende Interesse der Väter am Kursangebot schlage sich ebenfalls im Herbst-Kursangebot nieder – vom Säuglings- bis ins späte Kindesalter werden online diverse Themen bedient. Und: „Wir haben auch reine Väter-Kurse, um den Vätern die Möglichkeit zu geben innezuhalten und zu reflektieren, welche Rolle sie für das Kind einnehmen können“, freut sich Eva Schaber.
Manche der Gruppen sind zusammen groß geworden – seit 30 Jahren
Weil aber das Haus der Familie, das es seit nunmehr 57 Jahren gibt, alle Lebenslagen bedienen möchte – unabhängig von Konfessionen, Familienmodellen und Alter, gibt es auch für diejenigen, deren Kinder aus dem Haus sind, oder die sich vielleicht bewusst gegen das Eltern-Sein entschieden haben, Angebote, so Eva Schaber. Interessierte können sich zum Beispiel mit der ihrer Rolle, die sie im Berufsalltag spielen auseinandersetzen oder das weite Feld der Selbstmotivation für sich entdecken. Es hätten aber auch viele im Lockdown ihre kreative Ader wahrgenommen, sie können sich zum Beispiel in Nähkursen oder im Handlettering austoben.
„Manche Gruppen treffen sich jetzt schon seit 30 Jahren, sie sind sozusagen zusammen groß geworden“, erzählt Eva Schaber. Da gehe es dann schon längst nicht mehr nur um Fitness, Yoga oder Backen, sondern „auch um Zusammenhalt“. Die gebürtige Heilbronnerin, die damals selbst mit ihren beiden Töchtern die Eltern-Kind-Gruppen im Haus der Familie besucht hatte, ist überzeugt: „Ständig mit neuen Themen am Alltag der Familien nah dran sein – das macht das Haus der Familie lebendig.“ Deshalb mache ihr im Arbeitsalltag am meisten Spaß, Kontakt zu vielen unterschiedlichen Menschen zu haben und die „Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit täglich zu erleben“. Familie zu leben könne „beglückend“ sein, aber eben auch herausfordernd. „Dafür ist das Haus der Familie da.“
Das Kursprogramm für den Herbst/Winter und weitere Informationen zum Haus der Familie gibt es Online auf der Website www.hdf-sindelfingen.de.