Michael Gaedt hat für den guten Zweck seine Gitarre ausgepackt. Foto: Elke Rutschmann

Beim Herbstfest des Stuttgarter Förderkreises krebskranke Kinder stehen Spaß, Spiel und Vergnügen im Fokus. Als Schirmherr mit dabei: der Entertainer Michael Gaedt.

S-Nord - In der Schminkecke zaubert eine junge Frau einem Jungen einen Tiger ins Gesicht, ein Mädchen verwandelt sich in Hallo Kitty. Daneben darf man für 50 Cent am Glücksrad drehen, und auf der sonnenbeschienenen Terrasse ist die Stabwaffel mit Puderzucker der große Renner. Es herrscht ein mächtiges Gewusel beim Herbstfest vom Förderkreis krebskranke Kinder in der Cafeteria der Kinderonkologie im Olgahospital an diesem Sonntag. Einen Tag davor hatte schon die Bosch Big Band im Musikpavillon am Schlossplatz ein Benefizkonzert gegeben. „Und da haben Passanten und Zuhörer schon einiges Geld in die Spendenbox gesteckt“, sagt Stefan Nägele, der Vorsitzende des Vereins. Freigiebig sind die Gäste auch beim Herbstfest, spenden für Kaffee, Kuchen, Cupcakes oder eine deftige Suppe. Viel los ist am Stand der Frauen vom Cannstatter Bastelkreis, die mit Mützen, Schals, Handschuhe und Socken bei goldenem Oktoberwetter schon ein bisschen auf den nahenden Winter einstimmen und deren Erlös an den Freundeskreis geht.

Skandal längst überstanden

Der Verein finanziert in Stuttgart zahlreiche Projekte für krebskranke Kinder und deren Familien. An diesem Tag aber soll es nicht um die Krankheit gehen. Spaß, Spiel und Vergnügen stehen im Fokus. „Wir wollen dem Krankenhaus einmal im Jahr eine andere Art von Leben einhauchen“, sagt Stefan Nägele. Seit 35 Jahren besteht der Verein, der langsam gewachsen ist und 2008 auch einen Veruntreuungsskandal überstehen musste. Das Vertrauen der Spender ist längst zurück, die Gelder fließen wieder. „Jetzt sind wir an einem Punkt angelangt, der großartig ist. Wir sind im besten Alter“, sagt Nägele.

Ein Glücksfall sind für ihn die rund 20 ehrenamtlichen Helfer. Einige sind im Dauereinsatz beim Aufblasen von Luftballons, die dann zu Blumen, Hasen oder Giraffen geformt werden. An einigen Tischen können die Kinder selbst kreativ werden, Taschen bemalen oder Accessoires basteln.

Laut und lustig wird es, als der Entertainer und Schauspieler Michael Gaedt in die Saiten seiner silbernen Gitarre greift, seine Steppschuhe anzieht, im Schnelldurchlauf diverse Musikstile präsentiert und dabei auch Madonna auf die Schippe nimmt. ­Gaedt ist in diesem Jahr Schirmherr des Vereins. „Ich habe mich gefreut als man mich gefragt hat. Ich engagiere mich gerne“, sagt Gaedt, selbst Vater einer 21-jährigen Tochter.

Die Diagnose Krebs ist für alle eine große Belastung

Andere Helfer packen im Blauen Haus mit an, das im März 2012 am Herdweg eröffnet wurde. Auf 900 Quadratmetern können in der Villa Eltern krebskranker Kinder kostenlos wohnen oder an Gesprächskreisen teilnehmen, während die kleinen Patienten im Olgäle in Behandlung sind. Man frühstückt gemeinsam, bastelt Deko für die Räume, es gibt Pizzaabende. Auf die schwierige Situation der Familien weist auch eine neue Postkartenserie hin, die in der Cafeteria ausliegt. „Ich komme schon klar, aber wer hilft meinen Eltern?“, sagt ein krankes Kind. Die Diagnose Krebs ist für alle eine große Belastung. Das kranke Kind bestimmt, wie der Familienalltag aussieht. Das Blaue Haus ist deshalb auch Ruhepol und eine Anlaufstelle für Geschwisterkinder, die oft zurückstecken müssen und sich beim Kartfahren oder Trampolinspringen ablenken können. Mindestens 700 000 Euro benötigt der Verein jährlich, damit man das Haus erhalten kann.

Unter den Gästen ist auch Stefan Bielack, der Ärztliche Direktor der Kinder- Onkologie. „Der Förderkreis ist für unsere Arbeit essentiell, die betroffenen Familien werden damit direkt aufgefangen“, sagt Stefan Bielack. Er sieht das eine oder andere bekannte Gesicht zwischen Spielstraße und Puppenladen, ehemalige kleine Patienten, die mittlerweile geheilt sind. „Es ist schön zu sehen, wie sie jetzt feiern können“, sagt Bielack. Drei von vier Kindern überleben inzwischen nach einer Krebsdiagnose. Aber das reicht dem Chefarzt nicht. Deshalb ist er froh, dass die Spendengelder des Fördervereins auch in die Forschung fließen.

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