Margarete Pusnik kämpft seit einem Jahr um eine bedarfsgerechtere Lösung für die Grundschulkinder. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Fusion der Grundschulen in Stuttgart-Freiberg und Mönchfeld wirft Probleme auf. Eltern, Schulleitung und Jugendhilfeträger fordern mehr Grundschulplätze am Standort Freiberg, vor allem ganztags.

Stuttgart - Schulbürgermeisterin Isabel Fezer (FDP) ist den Schulweg, den Kinder aus Freiberg und aus Mönchfeld haben, teils selbst abgegangen, teils mit dem Auto abgefahren. Für die komplette Strecke, die für manche Kinder 2,4 Kilometer beträgt, fehlte ihr die Zeit. „Mit kleinen Kindern läuft man 30 bis 40 Minuten vom Schulstandort Freiberg bis Mönchfeld“, sagt Miriam Brune, die Leiterin der Herbert-Hoover-Schule. Fezer hält das für zumutbar – die Eltern nicht.

Deshalb wollen sie jetzt mit einer Unterschriftenaktion erreichen, dass die Stadt die Campuslösung, die durch die Fusion der Mönchfeld- mit der Herbert-Hoover-Grundschule in Freiberg seit diesem Jahr greift, neu überdacht wird. Die Eltern fordern mehr Grundschulplätze in Freiberg.

Bereits vor einem Jahr hatten Miriam Brune und die Elternbeiratsvorsitzende der Herbert-Hoover-Schule, Margarete Pusnik, einen Bustransfer gefordert – vergeblich. Im April 2018 hatte die Caritas als Jugendhilfeträger Alarm geschlagen, weil viele Familien aufgrund des langen Schulwegs auf eine Ganztagsbetreuung verzichteten und ihre Kinder nachmittags nun unbetreut seien.

Die Verteilung der Schüler auf Ganztag und Halbtag bereitet Probleme

Der Hintergrund: Seit diesem Schuljahr gibt es am Standort Freiberg, wo mehr Kinder wohnen, für die Erstklässler nur noch eine Halbtagsklasse. Wer den Ganztag wählt, muss sein Kind nach Mönchfeld schicken. Die Schule dort soll als dreizügiger Ganztags-Standort aufgebaut werden. Doch das funktioniert nicht in einem Stadtbezirk wie Freiberg, wo viele alleinerziehend sind, Erziehungshilfen beanspruchen sowie Sozialhilfe beziehen. „Viele Eltern sehen keine Möglichkeit, den Weg auf sich zu nehmen“, berichtet Miriam Brune.

Inzwischen haben die Proteste erste Wirkung gezeigt: Im Mai teilte Fezer im Verwaltungsausschuss mit, dass auch in Freiberg eine Ganztagesklasse eingerichtet werde. Die Caritas ist auch in der Außenstelle der Kooperationspartner. Die Freiberger Schulleiterin spricht von einem „Teilerfolg“, den man errungen habe.

„Unsere Anmeldezahlen sind in die Höhe geschossen“, berichtet Kathrin Nacke von der Caritas-Jugendhilfe – von 36 auf 64 Anmeldungen für den Ganztag. In der Außenstelle Freiberg kommen 28 unter. Brune sagt: „Acht weitere Freiberger Ganztagseltern mussten wir nach Mönchfeld verweisen – es ist mit einem großen Widerstand verbunden.“ Ihnen sei eine Klasse in Freiberg abhanden gekommen, berichtet Brune. Zehn Kinder seien per Umschulungsantrag in Stuttgart-Rot an der Uhland- und der Silcherschule angemeldet, die für sie näher seien, zwölf weitere Kinder zurückgestellt worden. In Mönchfeld sollen zum kommenden Schuljahr die Erstklässler nur in zwei Klassen starten, in denen Halbtags- und Ganztagskinder gemischt sind. Im Nachhinein räumt Brune selbstkritisch ein, sei man „zu blauäugig gewesen, was die Aufteilung betrifft“. Denn die Fusion der beiden Grundschulen war zunächst von allen begrüßt worden. Jetzt sei man mit Stadträten und dem Bezirksbeirat im Gespräch. „Wir hoffen, noch einen anderen Beschluss zu erwirken“, so Brune. Einen Beschluss, der den Bedarf der Grundschüler besser abdecke.

Fezer: Kinder unterstützen, ein Stück des Weges selbst zu gehen

Im Verwaltungsausschuss hatte Fezer allerdings klar gemacht, mehr als eine einzügige Außenklasse sei aus räumlichen Gründen in Freiberg nicht möglich, da dort auch Gymnasium und Gemeinschaftsschule Platz beanspruchen. Im Übrigen, so erklärte sie unserer Zeitung, müsse „ein Kind einen sicheren Schulweg haben – es sollte aber auch darin unterstützt werden, ein Stück des Weges selbst zu gehen“. Dies ist laut Brune in einem sozial schwachen Stadtteil besonders schwierig.

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