Die Reinigungsprozesse in den Kläranlagen werden durch Fremdstoffe gestört. Foto: Patrick Steinle

Die Corona-Krise macht auch den Kläranlagen im Land zu schaffen. Die Abwasserbetriebe warnen davor, etwas anderes als Toilettenpapier zu verwenden.

Neu-Ulm - Die Hamsterkäufe von Toilettenpapier machen den Experten kommunaler Entwässerungsbetriebe offenbar zunehmend Probleme. Derzeit warnt die Stadt Neu-Ulm öffentlich davor, andere Stoffe als Toilettenpapier zu benutzen. Es seien, offensichtlich in Folge der Hamsterkäufe der vergangenen Wochen, „zuletzt vermehrt Produkte wie Feucht-, Kosmetik- oder Küchentücher“ in die Kanalisation und die Pumpwerke der 63 000-Einwohner-Stadt gekommen. Es könne deswegen „zu Ausfällen im gesamten System kommen“, warnt ein Sprecher. Weil durch die Fremdstoffe der Sauerstoffaustausch im Reinigungsprozess gestört werde, könnten die Anlagen zudem nicht mehr die volle Reinigungsleistung erbringen.

Ein Sprecher des baden-württembergischen Umweltministeriums bestätigte, dass es ähnliche Beobachtungen auch in weiteren südwestdeutschen Kommunen gibt. Speziell Feuchttücher in den Kanalisationen verursachten Störungen. Ein nicht weniger großes Problem sieht das Ministerium in möglichen Personalengpässen bei den Kläranlagen durch Viruserkrankungen oder Quarantäne-Anordnungen. Der Minister Franz Untersteller (Grüne) mahnte zu Beginn der Woche deshalb die Kommunen, umgehend Notfallpläne zu erarbeiten und vorsorglich Notfallteams zu bestimmen. Er wolle vor allem an die „Eigenverantwortung der Betreiber appellieren“, sagt der Minister.

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