Ein 21-Jähriger hat nach eigenen Angaben auch über den Messenger-Dienst Telegram Drogen und Medikamente verkauft. Foto: dpa

Ein 21-Jähriger aus Hemmingen hat umfangreich Drogen und Medikamente vertickt. Wegen seines Geständnisses gibt es eine Absprache, was eine Haftstrafe betrifft.

Schneller als geplant dürfte der Prozess gegen einen 21-jährigen Angeklagten zu Ende gehen, der sich wegen Drogenhandels im großen Stil in Hemmingen und Ludwigsburg vor dem Stuttgarter Landgericht verantworten muss. Bereits am ersten Prozesstag einigten sich die Richter der 4. Großen Strafkammer, Staatsanwaltschaft und Verteidigung auf eine sogenannte Prozessverständigung. Demnach wird dem jungen Mann ein Strafkorridor zwischen viereinhalb Jahren Haft und vier Jahren und zehn Monaten für den Fall eines Geständnisses in Aussicht gestellt. Das legte der Angeklagte über seinen Verteidiger Bernhard Fehrenbach ab. „Er will reinen Tisch machen und einen Neubeginn“, erklärte der Anwalt.

 

Der 21-Jährige gab zu, unter Mithilfe seines Vaters, der mittlerweile zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt wurde, einen schwunghaften Handel mit verschiedenen Drogen und Medikamenten aufgezogen zu haben. Diese habe er überwiegend im Darknet und über den Messenger-Dienst Telegram angeboten. Versandt habe er die Ware in ganz Europa. Er habe Bunkerräume in verschiedenen Hotelzimmern in Stuttgart, Karlsruhe und Ditzingen gehabt. Agiert habe er überwiegend im Raum Ludwigsburg und in Hemmingen, wo er bei seinem Vater gemeldet gewesen sei. „Tatsächlich habe ich stets bei verschiedenen Freunden gewohnt und bin von Kumpel zu Kumpel gezogen“, sagte der 21-Jährige.

Mindestabnahme: 100 Euro

Der junge Mann bestätigte den Anklagevorwurf, dass er im Dezember 2023 in einer Telegram-Gruppe Ecstasy, LSD-Trips, psychedelische Substanzen, Amphetamine, Kokain, Haschisch sowie Medikamente wie Ketamin mit einem Mindestabnahmewert von 100 Euro angeboten habe – und in Hemmingen auch Ecstasy und LSD-Trips verkauft habe. Ein ähnliches Angebot habe er im Juli des vergangenen Jahres in einer anderen Telegram-Gruppe noch einmal gemacht.

Zudem sei es richtig, dass er im Januar vergangenen Jahres in Salt Lake City bei einem unbekannten Händler 1,5 Kilogramm Marihuana bestellt habe, die Ware sei jedoch von Zollfahndern in Frankfurt sichergestellt worden. Im März 2024 habe er dann bei einem unbekannten Händler in den Niederlanden 350 Gramm Kokain geordert, die sein Vater abholen sollte. Zur Übergabe kam es aber nicht, da das Rauschgift im Auto des Vaters bei einer Polizeikontrolle auf einem Rastplatz in Emmerich kurz hinter der deutsch-niederländischen Grenze entdeckt worden sei.

Ebenfalls im März des vorigen Jahres habe er im Darknet mehrere tausend Ecstasy-Tabletten, psychedelische Substanzen, ein Kilogramm Amphetamin, LSD-Trips und verschreibungspflichtige Medikamente angeboten, die er in Hemmingen gelagert hatte. In Ludwigsburg habe er ein Kilogramm Amphetamin für 880 Euro verkauft. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 21-Jährige insgesamt einen Gewinn von rund 30 800 Euro gemacht hat.

Ohne Berufsausbildung

Rechtsanwalt Fehrenbach betonte am Landgericht, sein Mandant habe sich selbst gestellt und die Taten bereits bei der Polizei eingeräumt, da seine Freundin ein Kind bekommen habe und er sich an der Erziehung beteiligen wolle. Von seinem Vater, der ihm „eine unschöne Kindheit und Jugend“ beschert habe, wolle er sich distanzieren. Er bedauere es zutiefst, dass er weder einen Schulabschluss noch eine Berufsausbildung habe. Er wolle nach seiner Haftzeit im IT-Bereich arbeiten, wo er nach eigener Einschätzung über „überdurchschnittliche Kenntnisse“ verfüge.

Für den Prozess sind derzeit fünf weitere Verhandlungstage angesetzt, das Urteil soll Mitte September verkündet werden.