Hemmingens Bürgermeister Thomas Schäfer präsentiert das neue Logo der Strohgäugemeinde Foto: Simon Granville

Hemmingen verpasst sich ein neues Erscheinungsbild. Die selbstbewusste Kommune weiß um ihre Vorzüge – und prescht mit vor allem einem Thema vor.

Gelb. Viel Gelb. Dazu Schwarz und Grau: Hemmingen legt sich ein neues Erscheinungsbild zu. Das dreiteilige „Corporate Design“ besteht aus einem Logo mit Postleitzahl, Ortsnamen sowie Wappen, dem Schriftzug „Hemmingen hat Energie“ und einer Art Abzeichen mit Fakten wie Koordinaten, Vorwahl und dem Jahr der ersten urkundlichen Erwähnung. Im Wesentlichen werde die Gemeinde das Logo nutzen, sagt der Bürgermeister Thomas Schäfer (CDU). Auf das Briefpapier etwa soll aber alles drauf. „Den genauen Styleguide müssen wir noch ausarbeiten“, so Schäfer. Denn auch auf der Arbeitskleidung der Angestellten wie Bauhofmitarbeiter soll künftig sichtbar sein, wo sie her sind und hingehören.

 

Nämlich in die selbstbewusste, mehr als 8200 Einwohner zählende Gemeinde im Strohgäu und nicht in die gleichnamige Stadt in Niedersachsen, in der rund 19 000 Menschen leben – und mit der das hiesige Hemmingen gern mal verwechselt wird. Die Lage im Süden zeige man mit der Siebener-Postleitzahl, sagt der Rathauschef und erläutert, warum er Gelb so passend findet: Hemmingen liege im Stroh-Gäu, durch das die gelbgrünen Züge der Strohgäubahn fahren. Strom beziehungsweise Energie werde oft in dieser Farbe dargestellt – und was den Einsatz erneuerbarer Energien betrifft, brauche sich Hemmingen wahrlich nicht verstecken. Das Wappen der Familie Varnbüler ist gelb-blau, wobei Blau geopfert wurde.

„Zeichen für die Weiterentwicklung unserer Gemeinde“

Zuvor hatte Schäfer Personen aus allen Bereichen im Rathaus und auch Gemeinderäte zusammengetrommelt, um über das Selbstverständnis Hemmingens zu reden. Man sehe sich zu 40 Prozent traditionell und zu 60 Prozent fortschrittlich. Mit dem überarbeiteten Außenauftritt schlage die Gemeinde die Brücke zwischen Tradition und Moderne und schaffe eine „klare, einheitliche“ Identität, die die Verbundenheit zu den Wurzeln als auch den Weg in die Zukunft widerspiegele. „Unser neues Design ist nicht nur eine optische Veränderung, sondern ein Zeichen für die Weiterentwicklung unserer Gemeinde“, sagt der Bürgermeister. Er leitet seit dem Jahr 2010 ihre Geschicke – und spricht von einer „sachten“ Weiterentwicklung. Statt alles über Bord zu werfen, habe man investiert, wo es nötig oder wünschenswert gewesen sei und man es sich finanziell habe leisten können: Die Feuerwehr hat ein neues Domizil bekommen, der Bauhof auch.

Kitas wurden gebaut oder erweitert, der Hort wird bald vergrößert, ebenso die Mensa.

Zugleich bleibt stets die Lebensqualität im Blick. Der Ort hat beschlossen, eine Freiluft-Fitnessanlage zu errichten, im Schlosspark einen Wasserspielplatz zu bauen, den Rasenplatz zu erneuern. „Wir haben einen ganz guten Weg bestritten und sind gut aufgestellt“, meint Thomas Schäfer. Hemmingen liege verkehrsgünstig und könne sich als attraktive Wohngemeinde präsentieren. In kaum einer Kommune in der Region Stuttgart stehen so wenig Wohngebäude leer wie hier. Mit dem Baugebiet Schöckinger Weg kommt die Gemeinde der „akuten Nachfrage nach neuen Wohnbauflächen“ nach.

Drei Wärmenetze ziehen sich durch Hemmingen

Die Energiewende treibt die Gemeinde massiv voran. 75 Prozent des verbrauchten Stroms werden in Hemmingen produziert. Rund 2000 Wohnungen, Gewerbebetriebe und der Großteil der kirchlichen und Gemeindegebäude hängen an einem der drei Wärmenetze. „Damit können wir schon ein Stück weit wuchern“, findet der Bürgermeister. Den Beginn markierte der Bau der Biogasanlage im Jahr 2006 auf dem Haldenhof. Es habe von Anfang an eine „große Aufgeschlossenheit“ gegeben und Verständnis dafür, dass im Ort gegraben wurde, um Wärmeleitungen zu verlegen. Auch für Wind- und Sonnenenergie ist die Kommune offen. „Wir schauen immer, was wir zur Energiewende beitragen können“, sagt Thomas Schäfer. Für ihn ist Energie mehr als das, was aus der Steckdose kommt und die Heizung warm macht: Gesellschaftlicher Zusammenhalt, alles, was dank Vereinen, Organisationen im Ort funktioniert, könne man auch gut unter dem Aspekt Energie sehen.

Mit dem neuen Erscheinungsbild hofft Hemmingen auch, im Kampf um Fachkräfte zu punkten, „im Wust der Anzeigen besser wahrgenommen zu werden“, sagt Thomas Schäfer. Als Gemeindeverwaltung attraktiv sein statt bieder daherkommen – dieses Bild wolle man abgeben. Neben allem, was man für das Personal tue, gehe es darum zu vermitteln, „wir sind nicht stehengeblieben, sondern für Neues offen“.

Stattliches Anwesen mit profaner Adresse

Bei der Gelegenheit hat sich die Verwaltung noch eine neue Adresse verpasst. Die könne man auch gleich ändern, wenn schon neue Briefköpfe hermüssen, dachte sich Thomas Schäfer. Denn er findet, „Münchinger Straße 5 wirkt für unser doch stattliches Anwesen fast etwas profan“ – 2025 sind es 40 Jahre, dass das Rathaus im Schloss ist. Was die Bevölkerung laut Schäfer goutiert. Ziel sei, auch den Schlosspark, der herausgeputzt wird, mehr ins Bewusstsein zu holen.

Im Rahmen des Energieforums ist an diesem Freitag, 29. November, 19 Uhr, in der Gemeinschaftshalle die „High-Energy-Music-Night“. Es spielen die inklusive Bigband Groove Inclusion und die Soul Diamonds. Der Eintritt ist frei.