Der Chef des Hemminger Kabelspezialisten Helukabel sagt, die Mitarbeiter seien dem Unternehmen viel wert. Was zeichnet den Familienbetrieb mit Verbindungen zum VfB Stuttgart aus?
Was haben Mitarbeiter des Hemminger Kabelspezialisten Helukabel und die Traditionsmannschaft des VfB Stuttgart gemeinsam? Ihre Leidenschaft für Fußball. Der gehen sie am Freitag beim Sommerfest von Helukabel nach: Um 18 Uhr ist Anpfiff für das Freundschaftsspiel in der Eberdinger Straße, bei dem auch Mitglieder der GSV gegen die VfB-Legendenmannschaft um ehemalige Topspieler wie Cacau antreten. Für Kinder kommt die Fußballschule der Stuttgarter. Seit Beginn der Bundesligasaison ist Helukabel Partner des VfB. Das Fest von 16 Uhr an ist öffentlich.
Es ist nicht nur die Verbindung des Familienunternehmens zum Fußballclub, die dazu beiträgt, dass Helukabel offenbar ein gefragter Arbeitgeber ist, bei dem die Beschäftigten gern tätig sind. „Wir finden viele Mitarbeiter über persönliche Empfehlungen. Auf diesem Weg sind tolle Kollegen zu uns gekommen“, berichtet der Geschäftsführer Marc Luksch – der auch von einer „unterdurchschnittlichen Fluktuation“ spricht.
„Wir mögen keine Ellbogengesellschaft“
Marc Luksch, 48, zum Beispiel hat schon als Schüler und Student bei Helukabel gearbeitet. Aus dieser Zeit kennt er noch zahlreiche Angestellte. Viele seien seit 20 oder 25 Jahren im Betrieb, einer der nach eigenen Angaben führenden Systemanbieter für elektrische Verbindungstechnik. Die Kabel dienen vielen Branchen und Anwendungszwecken – sie sind überall dort nötig, wo Strom oder Daten übertragen werden. „Wir haben eine eigene Firmenkultur und DNA. Unsere Mitarbeiter sind uns viel wert“, sagt Marc Luksch. Er betont, „wir mögen keine Ellbogengesellschaft, sondern einen harmonischen, fairen Umgang und Respekt“. Das entspreche dem Selbstverständnis des Unternehmens. „Wir sind offen und hilfsbereit“, ergänzt Alisa Hoffmann. Die 27-Jährige ist Referentin im Personalmarketing – und organisiert auch Blutspendeaktionen im Haus. Einige Mitarbeiter sind beim Roten Kreuz aktiv.
Schon zwei Mal rief Helukabel seine Mitarbeiter und die der anderen Unternehmen im Ort zur Blutspende auf. Zuletzt, im Mai, fanden sich 50 Spender, mehr als 2023, sagt Alisa Hoffmann. „Die Aktion kommt gut an, vor allem, weil die Mitarbeiter bequem während der Arbeitszeit spenden können.“ Das Unternehmen stellt die Räume und informiert die Angestellten. Eingebunden sind die Auszubildenden und Studenten: Sie bereiten mit vor und versorgen die Spender mit Essen und Trinken. Den Rest erledigt das Rote Kreuz, über das die Blutspendeaktionen laufen. „Das macht die Umsetzung einfach“, sagt Alisa Hoffmann.
Initiative für Aktionen geht oft von Mitarbeitern aus
Blutspendeaktionen gibt es bisher nur in Hemmingen. „Andere Standorte haben andere lokale Aktivitäten“, sagt der Chef. Die Bayern etwa verlosen bei der Weihnachtsfeier Christbäume für einen guten Zweck, den Erlös vervielfacht der Arbeitgeber. Marc Luksch freut sich, dass „die Initiative oft von Mitarbeitern ausgeht“. Die Hemminger hätten sich auch schon für die Erdbebenopfer in der Türkei eingesetzt oder für Menschen in der kriegsgebeutelten Ukraine. Zudem gab es eine DKMS-Typisierungsaktion für einen an Blutkrebs erkrankten Kollegen.
Leben zu retten haben sich auch diejenigen Angestellten auf die Fahne geschrieben, die ehrenamtlich Sanitäter oder bei der Feuerwehr sind. In Hemmingen ist beispielsweise die Vertriebsmitarbeiterin Elke Velm nebenbei beim Roten Kreuz. Dass sie das Ersthelfer-Auto vor der Tür abstellt, steht für Marc Luksch außer Frage. „Damit sie im Notfall immer gleich losdüsen kann.“ Der Parkplatz sei eine Kleinigkeit, die aber den Unterschied machen könne, wenn es schnell gehen muss. Selbstverständlich dürfe Velm – wie alle anderen ehrenamtlichen Hilfs- und Rettungskräfte – für einen Einsatz ungefragt das Unternehmen verlassen. „Das handhaben wir schon immer so“, sagt Marc Luksch. 2023 hat das Innenministerium Helukabel für die Bereitschaft, das Ehrenamt der Beschäftigten zu unterstützen, als ehrenamtsfreundlichen Arbeitgeber im Bevölkerungsschutz geehrt.
Übernahmequote von mehr als 90 Prozent
Es ist nicht die erste Auszeichnung. Helukabel gilt auch als hervorragend geführtes Unternehmen und einer von Deutschlands besten Ausbildern. „Die Übernahmequote beträgt mehr als 90 Prozent“, berichtet Alisa Hoffmann aus dem Personalmarketing. Voriges Jahr haben deutschlandweit 24 Lehrlinge und duale Studenten neu angefangen, davon 17 in Hemmingen. „Sie durchlaufen alle Abteilungen. Wir bilden die jungen Leute aus und halten sie“, sagt Alisa Hoffmann. Viele Stellen würden intern besetzt. Vor dem Start ins neue Ausbildungsjahr lädt Helukabel den Nachwuchs samt Eltern zum Tag der offenen Tür ein. Hoffmann: „Die Azubis und Studenten lernen sich kennen, und die Eltern sehen, wo ihre Kinder arbeiten.“
Laut Marc Luksch arbeiten alle in einem Unternehmen, dessen soziales und gesellschaftliches Engagement nicht am Werktor stoppt. „Wir tun viel, weil wir es für richtig halten.“ Neben Aktionen mit Mitarbeitern und für Mitarbeiter, zu denen auch Gesundheitsangebote, kostenloses Laden von E-Fahrzeugen oder Kinderbetreuung zählen, unterstützt Helukabel finanziell die Grundschule und Vereine im Ort. Beim Sommerfest bewirtet die GSV, die Einnahmen fließen in deren Kasse.
Auch die Unternehmensgeschichte spielt eine Rolle. Helukabel ist seit bald 50 Jahren in Hemmingen. „Wir sind hier stark verwurzelt“, sagt der Chef – der auch schätzt, was er an Gemeindeverwaltung und Gemeinderat hat. „Wir haben immer viel Unterstützung erhalten“, sagt er. Etwa als Helukabel 2019 ein neues Verwaltungsgebäude baute. Es grenzt an das 2013 eingeweihte Hochregallager.
Auf Wachstumskurs
Standort
Helukabel beschäftigt weltweit rund 2500 Mitarbeiter – 2018 waren es noch 1200. In Deutschland arbeiten circa 1000 Beschäftigte, davon am Stammsitz in Hemmingen etwa 470 in der Verwaltung und Logistik. Voriges Jahr machte der Kabelspezialist einen Umsatz von 981 Millionen Euro. 2022 hat das Unternehmen erstmals die Milliardengrenze geknackt. Helukabel ist mittlerweile an 76 Standorten in 43 Ländern präsent. „Wenn wir irgendwo hinkommen, dann bleiben wir auch dort“, sagt der Geschäftsführer Marc Luksch. Aus seiner Sicht muss Helukabel weiter wachsen, um die Arbeitsplätze zu sichern.
Familienbetrieb
Der Geschäftsführer Helmut Luksch und seine Frau gründeten Helukabel 1978 als Vertriebsgesellschaft in Hemmingen. Der gelernte Großhandelskaufmann hat Helukabel in Eigenregie zu einem international führenden Hersteller und Anbieter von Kabel und Leitungen samt Zubehör entwickelt. Die Kabelproduktion startete 1988 mit dem Werk Windsbach, das mehrmals vergrößert wurde. Heute führt der 75-jährige Helmut Luksch das Unternehmen mit seinem Sohn Marc (48).