Eine Reinigungskraft putzt ein Waschbecken. Foto: dpa

Keiner liebt Putzen, das Geschäft mit der Sauberkeit brummt deshalb. Online-Putzkraftvermittler wie Helpling und Book a Tiger versprechen schnelle, professionelle Hilfe. Experten kritisieren das Geschäftsmodell als Tagelöhnerei.

Der Schwarzmarkt

Wer eine Putzkraft beschäftigt, tut das meist schwarz. Viele haben sie über Empfehlungen von Nachbarn oder Freunden gefunden. Wer jedoch gern eine Putzhilfe hätte, verzweifelt häufig. „Meine letzte Putzfrau hat mir den Alkohol weggetrunken“, sagt Anita B. Seitdem sucht sie Ersatz. Vergebens.

Eine gute Putzhilfe ist schwer zu finden. „Kunden stellen hohe Ansprüche an eine Haushaltshilfe. Sie muss absolut vertrauenswürdig sein und verlässlich arbeiten.“ Zudem sei Putzen schwere körperliche Arbeit, die vergleichsweise schlecht bezahlt wird. „Und nicht jeder will Toiletten reinigen“, sagt Jutta Jetzke, Vorsitzende im Bundesverband haushaltsnaher Dienstleistungsunternehmen. Vier Fünftel der Mitgliedsfirmen suchten Personal. „Putzen ist eine sensible Dienstleistung, bei der das Persönliche eine wichtige Rolle spielt. Das nötige Vertrauensverhältnis begrenzt die Inanspruchnahme“, sagt der Arbeitsmarktforscher Stefan Sell.

Zugleich dominiert in keinem anderen Sektor Schwarzarbeit so stark wie bei Putzkräften in Privathaushalten. Laut Schätzungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) und des Bundesfamilienministeriums putzen bis zu 95 Prozent der rund 4,5 Millionen Haushaltshilfen schwarz. Friedrich Schneider, Experte für Schattenwirtschaft, sagt, dass illegale Putzkräfte rund eine Milliarde Euro erwirtschaften. Ein Fünftel des Gelds geht dem Staat in Form fehlender Steuern und Sozialabgaben verloren.

Der Markt ist unbeobachtet, sagt Wolfram Schlegel, Geschäftsführer der baden-württembergischen Gebäudereiniger. „Der Zoll kontrolliert nicht, denn die Privatwohnung ist Privatsphäre.“ Haushalten drohen also allenfalls Strafen, wenn man sie erwischt, weil die Putzkraft einen Unfall hat. „Unfälle passieren aber selten“, sagt Schlegel. Putzkraft und Haushalt haben ein spezielles Arbeitsverhältnis und einen oft komplizierten Arbeitsvertrag, ergänzt Schneider: Typischerweise besteht ein jahrzehntelanges Vertrauensverhältnis. Daher kocht die Reinigungskraft auch mal oder hütet das Kind. „Die Haushaltswirtschaft fragt komplexere Dienstleistungen nach als nur Putzen.“

Viele Putzkräfte wollten schwarz arbeiten. „Mindestens zwei Drittel haben einen regulären Job oder Minijob und verdienen sich mit dem Putzen ein Zubrot.“ Doch wer mit seinen Minijobs mehr verdient als 450 Euro, muss selbst Abgaben zahlen.

Die Portale

Seit gut einem Jahr sind Internetportale wie Helpling, Book a Tiger und Homejoy auf dem Markt und bringen Putzkräfte und Haushalte zusammen. Suchende können in wenigen Minuten Putzkräfte buchen. Dafür zahlen sie je Stunde 11,90 bis 15 Euro. Die Putzkräfte arbeiten auf selbstständiger Basis. „Bevor wir Reinigungsaufträge vermitteln, lassen wir uns den Gewerbeschein zeigen“, sagt Helpling-Gründer Benedikt Franke.

Laut den Vermittlern boomen die Portale, die weltweit expandieren. „Wir vermitteln in Deutschland einige Tausend Putzhilfen“, sagt Franke. Jede Woche würden mehr als 10 000 Haushalte gereinigt. Zu konkreten Zahlen und Umsätzen schweigt Franke. Wie Claude Ritter, Geschäftsführer von Book a Tiger. Er spricht lediglich von einem monatlichen Wachstum von 35 bis 40 Prozent. „Die Nachfrage ist höher als erwartet und wächst ständig. In vielen Regionen haben wir derzeit nicht genug Reinigungskräfte auf der Plattform“, sagt Ritter. Die Vermittler wollen nach eigenen Angaben den privaten Reinigungsmarkt professionalisieren und legalisieren. „Keiner bewegt sich gern auf dem Schwarzmarkt“, sagt Franke. „Wir schaffen einen Anreiz zur Legalität, indem wir die Vermittlung und Organisation übernehmen und nur selbstständige Dienstleister vermitteln.“ Das Fehlen einer Institution, an die man sich wenden kann, sei mit ein Grund, warum Putzhilfen so schwer zu finden seien.

Die Kritik

Die Gebäudereiniger ärgern sich über die Portale. Aus Wolfram Schlegels Sicht umgehen sie mit Scheinselbstständigkeit Tarifverträge und Mindestlohn. „Die Putzkräfte werben nicht für sich selbst und rechnen nicht selbst ab. Die Vermittler legen auch die Preise fest. Das spricht für Scheinselbstständigkeit.“ Zudem blieben den Putzhilfen abzüglich der Provision von bis zu 20 Prozent oder der Versicherungskosten weniger als acht Euro pro Stunde. „Das ist Tagelöhnerei. Die schlechte Bezahlung schadet dem Image einer ganzen Branche, die seit langem deutlich mehr zahlt als den Mindestlohn.“ Jutta Jetzke vom Bundesverband haushaltsnaher Dienstleistungsunternehmen sieht die Portale als Mitbewerber, die Putzkräfte weder aus der Schwarzarbeit holen noch von Firmen abziehen. „Von den Aufträgen allein kann keiner leben, außer, er arbeitet sehr viel. Dann fällt aber auch noch Mehrwertsteuer an“, sagt Jetzke. „Unsere Kunden sind froh, dass sie eine Reinigungskraft gefunden haben, der sie den Hausschlüssel geben können.“

Nicht alle, die über Helpling und Co. putzen, sind auf das Geld angewiesen. Ein 29-Jähriger aus Nepal will sich zum Studium in Stuttgart etwas hinzuverdienen. Der Mann, der kurzzeitig aus Griechenland nach Deutschland zurückkehrt, muss noch bis zur Rente arbeiten. In Griechenland findet er keinen Job mehr. Täglich putze er zwölf Stunden. Die Rumänin ist pleite. Einst erledigte sie Hausmeisterdienste in Dubai, heute lebt sie mit ihrem Hund in einer Ein-Zimmer-Wohnung. Dass sie die Fahrten mit der Bahn selbst zahlen muss, belastet sie.

Stiftung Warentest hat die Portale geprüft. Fazit: Die Reinigungsleistung hänge stark von der Putzkraft ab. Besonders wegen rechtlicher Unsicherheiten könne man keines der Portale empfehlen. Die widersprechen. „Das Modell funktioniert nur, wenn die Kunden zufrieden sind. Dafür können sie kontinuierlich Rückmeldung geben“, sagt Helpling-Gründer Benedikt Franke. „Unser Geschäftsmodell haben wir mehrfach von externen Kanzleien rechtlich prüfen lassen. Da alle Reinigungskräfte selbstständig mit Helpling arbeiteten und bei jedem Auftrag selbst entschieden, ob sie ihn annähmen, bestehe keine Scheinselbstständigkeit.

Die Alternativen

Die Online-Stellenbörse für Minijobs in Privathaushalten ist ein Service der ­Minijob-Zentrale. Dort bieten auch Putzkräfte ihre Dienste an, Haushalte geben Gesuche auf. Wer eine Haushaltshilfe findet, muss sie bei der Minijob-Zentrale anmelden. Putzhilfen dürfen dann monatlich höchstens 450 Euro verdienen. So weit die Idee seit Herbst 2014. Noch ist das Brett fast leer. „Auch Minijobs bringen keine sozialversicherungspflichtigen Jobs, von denen man leben kann“, kritisiert Jetzke. Sie fordert im Kampf gegen Schwarzarbeit mehr Anerkennung für Reinigungskräfte und Hilfe von der Politik. Suchende sollten im Internet nach haushaltsnahen Dienstleistungsfirmen recherchieren.

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