Erzählt, singt, spielt Klavier, Gitarre, Saxophon und Xylophon: Helge Schneider (links) zu Gast beim Weissacher Dorfsommer. Foto: R/omy S. Fotografie

Trotz Regen und niedrigen Temperaturen beweisen die Besucher des Weissacher Dorfsommers, dass sie Humor haben: In Regencapes gehüllt, gibt es für Unterhaltungskünstler Helge Schneider ordentlich Applaus und Lacher.

Er glaube fest daran, dass man sich nur lieben kann, wenn man sich nicht kennt, sagt Helge Schneider auf der Bühne des Weissacher Dorfsommers – die Strudelbachgemeinde muss er folglich also ganz besonders gern haben. Hier war er nämlich noch nie, erzählt der 67-jährige Entertainer am vorletzten Tag des Festivals brühwarm und schielt dabei immer wieder auf seine Handinnenfläche, als müsse er den Namen der Gemeinde davon ablesen. „Das ist doch hier Weissach?“ fragt er – und erntet dafür ordentlich Applaus.

 

Überhaupt nimmt Schneider Weissach während seines mehr als zweistündigen Auftritts, Pause inklusive, gerne aufs Korn. „Hier kommt bestimmt noch die Dampflok hin“, scherzt er etwa. Ob Schneider vom Feurigen Elias weiß? Etwas abgewinnen muss er Weissach schließlich doch. Immerhin, erzählt er, hat er seinen guten Bekannten, dem Papst, beim allmorgendlichen Telefonat empfohlen, die Gemeinde auch selbst einmal zu besuchen. „Der kommt wahrscheinlich bald“, so Schneider.

Meint er das ernst oder nicht?

Die Standleitung zum Vatikan ist am Dienstagabend nicht die einzige hanebüchene Geschichte, die Schneider auf dem Open-Air-Platz vor der Strudelbachhalle zum besten gibt – aber das gehört dazu, Improvisation und Klamauk sind die Schneiderschen Markenzeichen. Mehrere Stunden herrlichster Quatsch kommen da zusammen, im rasanten Tempo und mit halsbrecherischen Gedankensprüngen werden Themen von Zahnarztbetäubung bis Erdnussflips abgegrast. Seine Pointen trägt Schneider in so gewohnt trockenem Ton vor, dass häufig ein einziges Wort, eine spontane Antwort oder gar eine kurze Bewegung für den großen Lacher reichen. „Helge!“, schreit einer der Zuschauer, Helge Schneider schaut sich suchend auf der Bühne um und fragt: „Ist der auch hier?“

Wie viel, mag sich mancher Besucher fragen, ist da eigentlich einstudiert, und wie viel ist Improvisation? Und steckt auch ein Fünkchen Wahrheit in den wilden Ausführungen über Britney Spears, Giraffen und seine eigene Geburt? Der Meister selbst hat eine Antwort darauf: „Hört sich konstruiert an“, sagt er. „Ist es aber nicht.“

Bei „Katzeklo“ singen alle mit

Nebst den Comedyeinlagen gibt es bei Schneider, der in Weissach mit seinem Programm „Big L. A. Show“ zu Gast ist, selbstredend auch reichlich Musik, vorrangig Jazz, die von Schneiders vierköpfiger Band meisterlich vorgetragen wird – vom Beitrag von Faktotum Sergej Gleithmann mal abgesehen, der für den Großteil der Show brav auf einem Stuhl am Rande der Bühne wartet und schließlich einige schiefe Töne auf der Geige zum besten geben darf, zum großen Vergnügen des Publikums. Auch die Band bleibt vom Foppen des Maestros nicht verschont, besonders beliebtes Opfer: Glatze und Spielkünste des Gitarristen Sandro Giampietro.

Humor beweisen am Dienstagabend nicht nur Schneider und Kompagnons, sondern auch die Weissacher: Trotz anhaltendem Regen harren sie vor der Bühne aus und stimmen bei Hits wie „Katzeklo“ und „Sommer, Sonne, Kaktus“ auch zum Mitsingen an. Aus den hinteren Reihen sieht man nur ein Meer aus kapuzenbekleideten Köpfen, die hin und wieder vor Lachen wackeln. Geregnet hat es beim Dorfsommer am zweiten Tag in Folge, dieses Mal so stark, dass die Parkflächen auf der nahen Wiese gesperrt werden mussten. Wegen der niedrigen Temperaturen wurden am Abend sogar Decken verteilt und Glühwein ausgeschenkt.