Helga Feddersen Die Hamburger Schauspielerin und ihr Grab in Bad Cannstatt

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Annette Arnold, hier am Grab, hat den Vorschlag für den Helga-Feddersen-Weg eingereicht Foto: Max Kovalenko
Annette Arnold, hier am Grab, hat den Vorschlag für den Helga-Feddersen-Weg eingereicht Foto: Max Kovalenko

Die Volksschauspielerin aus der Weltstadt im Norden – was hat die denn mit der Schwabenmetropole zu tun? Auf dem Steigfriedhofin Bad Cannstatt liegt Helga Feddersen begraben.

Stuttgart - Du! Die! Wanne! Ist! Voll! Fünf Wörter, die einer Frau größte Bekanntheit im deutschsprachigen Raum bescherten und die sie zugleich einmal mehr auf den Titel der Ulknudel der Nation fixierten. Es war ein Schlagertext, der im Jahr 1978 als Single erschien, als Parodie auf „You’re the One That I Want“ aus dem Musical „Grease“. Doch statt John Travolta und Olivia Newton-John trällerten die Komödianten Didi Hallervorden und Helga Feddersen eben „Du, die Wanne ist voll“.

Helga Feddersen also, die Spaßmacherin von der Waterkant. Umso größer die Überraschung, wenn durch den Stuttgarter Hallschlag flaniert und womöglich auf dem Steigfriedhof ihr Grab oder zwischen der Düsseldorfer Straße und der Straße Am Römerkastell den Helga-Feddersen-Weg entdeckt. Die Volksschauspielerin aus der Weltstadt im Norden – was hat die denn mit der Schwabenmetropole zu tun?

Jürgen Worlitz aus Bad Segeberg weiß Antworten. Der Adelsexperte, Journalist und Autor („Diana, ihr Leben“) hat im Jahr 1991 auch ein Buch über Olli Maier veröffentlicht, Titel: „Ich, Buhmann der Nation“. So bezeichnete sich Maier, der mit seinem schrillen Äußeren oft aneckte, selbst. Der Öffentlichkeit wurde er bekannt durch seine Verlobung mit Helga Feddersen Mitte der 70er Jahre. Maier wurde am 17. März 1945 in Stuttgart geboren. Einige seiner Verwandten leben immer noch im Raum Stuttgart.

Gemeinsam gestalteten Feddersen und Maier 1983 in Hamburg einen alten Ballsaal in das Theater am Holstenwall (Kapazität circa 250 Plätze) um – doch 1989 ging das Theater in die Insolvenz. Ein Grund war der schlechte Gesundheitszustand von Helga Feddersen, ausgelöst durch erneute Tumoroperationen und eine Kiefervereiterung. Sie wurde magersüchtig und wog keine 35 Kilogramm mehr.

Bei gelegentlichen Besuchen in Stuttgart, vor allem in Feddersens letzten Jahren, wohnten die beiden im Hallschlag in der Straße Am Römerkastell 7 – dem Elternhaus von Olli Maier. „Eine Nachbarin hat mir erzählt, dass sie Helga Feddersen oft getroffen hat – und sie selbst hat immer wieder berichtet, dass sie sich in Stuttgart sehr wohlfühlt“, so Worlitz.

Zwei Tage vor ihrem Tod heiratete Feddersen ihren langjährigen Lebensgefährten. Am 24. November 1990 erlag sie in der Hamburger Universitätsklinik einem Leberkrebsleiden. Dass Maier „dann die Urne geschnappt hat, um sie im Familiengrab in Stuttgart auf dem Steigfriedhof zu beerdigen“, sei in Hamburg allerdings nicht gut angekommen, weiß Worlitz. Die Boulevardmedien wetterten, „unsere Helga“ sei entführt worden. Auch wurde er der Erbschleicherei bezichtigt.

Tatsächlich hatten die beiden so spät geheiratet, weil Helga Feddersen nach dem Tod ihres ersten Mannes, des NDR-Dramaturgen Götz Kozusek, von 1985 an eine gute Rente erhielt. Nur so ließ sich das durchaus kostspielige Theater-Abenteuer überstehen. Und nur durch die Heirat war es möglich, Helga Feddersens ausdrücklichem Wunsch zu entsprechen, im Familiengrab auf dem Steigfriedhof beerdigt zu werden.

Worlitz, der Helga Feddersen gut kannte, lobt heute noch ihre „ungeheure Herzlichkeit und ihre freundliche Art, auf die Menschen zuzugehen“. Trotz ihrer frühen Gesichtslähmung habe sie ihren Beruf als Schauspielerin weiter ausgeübt, „und dabei ihr Aussehen durch Quirligkeit überspielt“. Etwa in der Rolle als Else Tetzlaff in der zweiten Staffel von Wolfgang Menges „Ein Herz und eine Seele“ an der Seite von „Ekel Alfred“ Heinz Schubert (1976) oder durch ihre Sketche in der „Plattenküche“ mit Frank Zander (1976 bis 1980).

Kenner des deutschen Fernsehfilms allerdings schwärmen vor allem von ihren Drehbüchern. Etwa „Vier Stunden von Elbe 1“ aus dem Jahr 1968, verfilmt vom renommierten Regisseur Eberhard Fechner. Oder „Bismark von hinten“ im Jahr 1974 oder als Autorin der 28-teiligen Fernsehserie „Kümo Henriette“ über ein Küstenmotorschiff auf dem Nord-Ostsee-Kanal. Allesamt Beschreibungen der Alltagspro­bleme ganz normaler Menschen und Perlen der Fernsehgeschichte.

Dies erkannte sogar Loriot. Worlitz hat aus Olli Maiers Nachlass noch zwei handgeschriebene Briefe des Edel-Humoristen an Helga Feddersen. Darin heißt es: „Gnädige Frau, ich habe gestern Nacht noch Ihren Film Vier Stunden von Elbe 1 gesehen; ich war begeistert, in großer Verehrung, Vicco von Bülow.“ Einige Jahre danach der nächste Brief: „Gnädige Frau, ich habe gestern Abend zum zweiten Mal den Film gesehen, ich bin immer noch begeistert.“ Darunter hatte Loriot neben der Unterschrift noch eines seiner Knollenmännchen gezeichnet.

Begeistert war und ist auch Annette Arnold – eine Frau, die aus Bayern stammt, seit 1987 in Stuttgart und seit 2006 im Hallschlag lebt. Von Nachbarn erfuhr sie, dass einst Helga Feddersen in der Gegend gewohnt hat und auf dem Steigfriedhof beerdigt wurde. „Ich kenne Frau Feddersen natürlich von der Plattenküche“, sagt sie, „ich fand sie immer toll, sie hatte eine Super-Ausstrahlung und das Herz auf dem rechten Fleck.“ Bis Annette Arnold in diesem Frühjahr endlich Helga Feddersens Grab gefunden hatte, waren jedoch mehrere stundenlange Begehungen nötig. „Das fand ich schade, dass sie quasi verschollen ist; kaum einer weiß, dass sie hier gelebt hat oder wo ihr Grab ist, das hat die Frau nicht verdient.“

Als die Stadtteilzeitschrift „Hallo Hallschlag“ in einem Wettbewerb einen Namen für das Sträßchen oberhalb des Römerkastells suchte, reichte die gelernte Metallarbeiterin flugs ihre Idee ein. „Es sollte jemand Bekanntes aus dem Hallschlag sein, erst dachte ich an den Fußballer Fredi Bobic, aber das war nicht zulässig, weil der Kerle ja noch lebt.“ Also präsentierte die 50-Jährige den Namen der Volksschauspielerin. „Und ich war total überrascht, dass mein Vorschlag alle beeindruckt hat.“ Am 21. Februar 2014 wurde das Schild für den Helga-Feddersen-Weg enthüllt – als kleine, aber verdiente Würdigung für eine der unterschätztesten deutschen Künstlerinnen, die ihre letzte Ruhestätte in Stuttgart gefunden hat.

Wer sich an unserer Serie „Stuttgarter Entdeckungen“ mit Ideen, Anregungen und Hinweisen beteiligen will, schreibt per Mail an: lokales@stn.zgs.de.

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