Spektakulärer Auftritt in der ausverkauften Mercedes-Benz-Arena: Helene Fischer Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Die Show, die Helene Fischer den 40.000 Fans bietet, ist ein atemberaubend präzise choreografiertes und inszeniertes Spektakel der musikalischen Entgrenzungen. Das Konzert gleicht einem grandiosen Musical, bei dem sich die 30-Jährige auch mal auf Händen trägen lässt.

Stuttgart - Auf einmal qualmt die Bühne, fliegt Konfetti gelb und grün ins Publikum, zischt ein Feuerwerk durch die Mercedes-Benz-Arena, steht Helene Fischer im kanarienvogelgelben Kleid vor dem Vorhang, singt vom allerbesten Augenblick, davon das Leben hereinzulassen und davon, dass gerade die Sonne raus kommt. Und weil selbst die Sonne dem Charme dieser Sängerin nicht widerstehen kann, tut diese wie ihr im Lied „Unser Tag“ geheißen und lässt sich tatsächlich erstmals an diesem verregnet-grauen Tag blicken. Es ist Donnerstagabend kurz nach 20.30 Uhr: Die Helene-Fischer-Festspiele können beginnen.

Der Auftritt in Stuttgart ist das zwölfte Konzert der Stadiontour dieser Sonnenkönigin des neuen deutschen Schlagers, an der alles perfekt zu sein scheint: die strahlend weißen ­Zähne, die einem immer wieder auf den riesigen Videoleinwänden entgegenblitzen, das Dekolleté, die langen blonden Haare, die Garderobe, die sie an diesem Tag gefühlt zwanzigmal wechselt. Und obwohl ­Helene Fischer in „Fehlerfrei“ davon singt, dass unsere kleinen Fehler und Schwächen uns erst interessant machen, ist das einzige, was man an ihr aussetzen könnte, dass sie ein bisschen zu perfekt, zu makellos, so ganz und gar fehlerfrei ist.

Das Konzert gleicht einem grandiosen Musical

Die Show, die Helene Fischer den 40.000 Fans bietet, ist jedenfalls ein atemberaubend präzise choreografiertes und inszeniertes Spektakel der musikalischen Entgrenzungen. Das Konzert gleicht einem grandiosen Musical, bei dem sich die 30-Jährige auch mal auf Händen trägen lässt oder „Juhu“ rufend durchs Stadion fliegt das Disco, Rock’n’Roll drauf hat, zart, aber auch wild sein kann. Altmodische Schunkelnummern („Mitten im Paradies“) sind ebenso erlaubt wie Kosakenfolklore („Wunder dich nicht“). Mal verneigt sie sich mit „Ich wollte nie erwachsen sein“ vor Peter Maffay, mal mit „The Rose“ vor Bette Midler. Sie lässt in einem Medley Westernhagen auf Grönemeyer treffen – und die Frau, die alles kann, bringt irgendwie sogar Vivaldi in ihrem Repertoire unter.

Aber Helene Fischer wäre nicht Helene ­Fischer, wenn sie nicht immer wieder auch charmant ihre Fans in Szene setzen würde. Etwa wenn sie der jungen Zuschauerin, die ein ­Ticket für den am weitesten von Bühne entfernten Platz gekauft hat, einen großen Auftritt beschert – und die 139,47 Meter für einige Momente sehr nahe erscheinen lässt.

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