Der Schornsteinfeger Bernd Kaczmarek ist seit 43 Jahren im Beruf. Foto: Judith A. Sägesser

Die Energiewende macht viele Kamine überflüssig. Na und? Sagt der Schornsteinfeger Bernd Kaczmarek aus Stuttgart. Rund ums Thema Heizen gebe es für ihn und seine Kollegen genug zu tun. Die Leute hätten unendlich viele Fragen.

Das Wissen des Schornsteinfegers ist kostbar. So sieht das Bernd Kaczmarek, seit 43 Jahren im Beruf. Er kennt die Häuser in seinem Stuttgarter Kehrbezirk von außen und innen, er weiß wer wie heizt und welche Wärmequelle sich für die Zukunft anbieten würde. Deshalb macht ihm die Energiewende, die ja auch eine weg von den Schornsteinen ist, keinerlei Kummer. Im Gegenteil, er macht gerne mit. Privat und beruflich. Privat hat er eine Solaranlage auf dem Dach, das Haus sei gedämmt, als nächstes komme die Wärmepumpe.

 

„Ich habe jetzt den dritten Umstieg mitgemacht“, sagt Kaczmarek, während er den Kittel auszieht und sich im Zwielicht seiner Meister-Eder-Werkstatt im Stuttgarter Osten Kaffee einschenkt. Der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger meint die Heizungswenden und die Auswirkungen auf seinen Alltag. Er habe ja noch Koks erlebt in Stuttgart. „Das ist, wie wenn du den Leuten vom Mittelalter erzählst.“ Erst sei die Panik groß gewesen, erinnert er sich die vergangenen Umbrüche. „Hinterher war es immer mehr Geschäft.“ So ähnlich sei es jetzt auch wieder. Erst der Krieg, die Energiekrise, dann das Gebäudeenergiegesetz – „wir haben so wahnsinnig viel Arbeit“, sagt er. Deshalb sei seine Frau vor einiger Zeit mit in den Betrieb eingestiegen.

Abnahme einer neuen Gasheizung

Bernd Kaczmarek ist also ein gefragter Mann, und er macht weit mehr als Schornsteine zu fegen. Das Kerngeschäft von einst mache inzwischen nur noch etwa zehn Tage im Jahr aus, schätzt er. Also eher ein Neben-, wenn nicht Minijob. Was macht er stattdessen so? Kleine Kostprobe aus seinem Terminkalender für den nächsten Tag: Rauchwarnmelder und Gasthermen prüfen, Kamin fegen, Emissionsschutzmessung bei einer Ölheizung, eine Feuerstättenschau, eine Nachmessung wegen Kohlenmonoxid, und ja, die Abnahme einer neuen Gasheizung. „Bei den Leuten ist das noch immer im Kopf drinnen“, sagt Kaczmarek. Dass heizen mit Gas billiger und einfacher sei. Nach seinem Dafürhalten wäre dort, wo er nun grünes Licht für eine neue Gastherme geben wird, auch etwas mit einer Wärmepumpe gegangen.

Mit der Energieberatung habe er vor zwei Jahren aufgehört, sagt Bernd Kaczmarek. Es war schlicht zu viel. „Ich pack’s nicht mehr“, sagt er. Von wegen absteigender Ast. Da lacht er nur in sich hinein. Er ist jetzt 61 Jahre alt, einen Nachfolger in dem Sinne hat er nicht. Hätte er einen, der müsste sich keine Zukunftssorgen machen, sagt Kaczmarek. Auch wenn die Schornsteine mutmaßlich weniger werden, so hätten die Schornsteinfeger doch entscheidende Vorteile: Nicht nur, dass sie in den Häusern ihres Kehrbezirks ein- und ausgehen, sondern auch, dass sie unabhängig und bevollmächtigt seien. „Das wissen die Leute zu schätzen.“