Ortstermin am Vivaldiweg in Stuttgart-Botnang: der Eigentümer Andreas Koranda, Michael Jantzer und Robert Hoening (v. l.) Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Ein ungewöhnliches Detail könnte ein Wärmenetz in Stuttgart-Botnang ermöglichen. Bürger zeigen, wie man Hürden bei der Energieversorgung überwindet.

Sicher ist es noch nicht, aber wahrscheinlicher: dass sich Privatleute in Stuttgart-Botnang ihr eigenes Wärmenetz bauen. Dafür haben sie vor geraumer Zeit eine Energiegenossenschaft beauftragt – nun vermelden sie einen weiteren Erfolg.

 

Im zurückliegenden halben Jahr hat das Stuttgarter Büro EGS-plan eine Machbarkeitsstudie erstellt. Es war eine Phase der Höhen und Tiefen, berichten Robert Hoening und Michael Jantzer. Hoening ist im Vorstand der Genossenschaft, Jantzer im Aufsichtsrat, zusammen sind sie die Spitze der Bewegung. Sie wollen zeigen, dass das geht: dass sich Bürger selbst um ein Wärmenetz kümmern.

Das geplante Wärmenetz soll rund um den Vivaldiweg entstehen; in einem zweiten Schritt könnte es in Richtung Süden erweitert werden. Foto: StZN/Björn Locke

„Wir haben wahnsinnig viele Argumente gehört, was nicht geht“, sagt Michael Jantzer. Immer wieder stand das Projekt „mehr als auf der Kippe“. Seit ein paar Tagen liegen die Ergebnisse nun auf dem Tisch. Ein Wärmenetz rund um den Botnanger Vivaldiweg würde die Abnehmer rund zehn Prozent weniger kosten als eine Einzellösung, also beispielsweise eine Wärmepumpe.

Dächer in Stuttgart als Standort für vier Wärmepumpen

Wobei: Mit Wärmepumpen hat auch das Konzept des Wärmenetzes Vivaldi zu tun. Denn momentan ist vorgesehen, vier Wärmepumpen mit einer Leistung von jeweils 50 Kilowatt zu installieren. „Unser Gag ist, dass wir Dächer nehmen wollen“, sagt Robert Hoening. Warum gerade das Dach? Weil die Experten bei einer Großwärmepumpe am Boden wegen des Lärms abgewunken hätten, berichten Hoening und Jantzer.

Am 26. Januar haben sie sich in einer außerordentlichen Sitzung mit den betroffenen Eigentümern der ausgeguckten Dachflächen getroffen. Eine statische Untersuchung sowie eine Lärmanalyse sollen folgen. Am Donnerstag, 29. Januar, 19 Uhr, ist eine öffentliche Info-Veranstaltung im Bürgersaal Botnang an der Griegstraße 18.

In dem gesamten Planungsgebiet in Botnang liegen 71 Gebäude mit 220 Wohneinheiten. Der erste Erfolg der Initiative war, etwas mehr als 30 Eigentümer dazu zu bewegen, mit jeweils 500 Euro in Vorleistung zu gehen – ohne zu wissen, ob aus der Idee je etwas wird. Dies habe die Stadt dazu motiviert, die Energiegenossenschaft mit 75.000 Euro zu unterstützen, das war die Voraussetzung für die Machbarkeitsstudie.

Die Stadt Stuttgart wiederum erhofft sich dank des Vorzeigeprojekts in Botnang Erkenntnisse für weitere Stadtteile in Stuttgart. Und das Interesse ist da, wie Hoening und Jantzer berichten. Man stehe mit einer Gruppe in Stuttgart-Degerloch in Kontakt, aber auch mit Leuten aus Kaltental, Plieningen und Asemwald.

Der Baustart am Vivaldiweg in Botnang ist für 2027 geplant, die ersten Wärmelieferungen wären demnach Mitte 2028 möglich. „Bisher haben wir alle Termine gehalten“, sagt Hoening. „Wir sind zufrieden.“