Die Tiere in der Wilhelma wie dieser Pinguin lieben Wasser als Abkühlung. Foto: AP

In den vergangenen Tagen hat es ein wenig abgekühlt, doch immer wieder stöhnen die Stuttgarter im Sommer unter Hitze und Trockenheit. Manch tierischer Bewohner der Stadt tut es ihnen gleich.

Stuttgart - Sengende Hitze, staubtrockene Tage und die wärmste Nacht aller Zeiten – im Juni trieb das Wetter vielen Stuttgartern den Schweiß auf die Stirn. In diesen Julitagen ist es wieder heiß. Wie ergeht es an solchen Tagen den tierischen Bewohnern der Landeshauptstadt?

„Ähnlich wie wir Menschen stöhnen auch die Tiere unter der Hitze“, erklärt Petra Veiel, Pressesprecherin im Tierheim Stuttgart in Botnang. Deshalb würden sie und ihre Kolleginnen an heißen Tagen in den frühen Morgenstunden nur eine kurze Runde Gassi gehen. „Die hohen Temperaturen schwächen den Kreislauf der Tiere, und der Asphalt ist für ihre Pfoten zu heiß“, gibt Veiel zu bedenken. Sie hätten Flächen im Tierheim immer wieder befeuchtet sowie ausreichend mit Wasser gefüllte Näpfe und kleine Schwimmbecken aufgestellt, in denen sich die Tiere abkühlen können.

Elefanten wedeln mit den Ohren

Auch die Diensthunde der Hundestaffel brauchen an heißen Tagen kürzere Einsatzzeiten und längere Pausen. „Besonders für die älteren Hunde waren die hohen Temperaturen im Juni anstrengend“, erklärt Tobias Tomaszewski, Pressesprecher der Polizei Stuttgart. Und erneut musste die Polizei Hunde aus überhitzten Autos retten. Ein in der Sonne geparktes Auto heizt sich binnen kürzester Zeit auf, auch wenn das Fenster offen ist. Das Fahrzeug in den Schatten zu stellen ist meist keine Lösung, da die Sonne wandert. „Wer sein Tier an solchen Tagen im Auto lässt, sollte unbedingt in einer Tiefgarage parken“, mahnt Petra Veiel.

In der Wilhelma können „Eisbären, Pinguine, Flusspferd und Seelöwen einfach abtauchen, wenn es ihnen zu heiß wird“, berichtet Harald Knitter, Sprecher der Wilhelma. Durch die eigene Mineralwasserquelle in Bad Cannstatt verfüge der zoologisch-botanische Garten Stuttgarts über besonders viele Wasserflächen. Viele Tiere stammten aber auch aus tropischen und subtropischen Regionen in Afrika, Asien und Südamerika. Diese seien sowieso wärmere Temperaturen gewöhnt. Elefanten wedeln sich mit ihren großen Ohren Luft zu und geben über diese auch überschüssige Wärme ab, sie suhlen sich gerne im Lehm, werfen sich kühlen Sand auf den Rücken oder werden „von den Pflegern hin und wieder mit dem Schlauch abgeduscht“, so Knitter. Andere Tiere seien besser an die Hitze angepasst, als die Besucher denken. Die Brillenpinguine stammten beispielsweise aus Südafrika, und im Lebensraum der Eisbären „wie etwa der Hudson Bay wird es jeden Sommer über 20, manchmal 30 Grad warm“, berichtet Knitter. Große Temperaturunterschiede seien für die Vierbeiner demnach nichts Neues. Doch manchmal ist eben doch eine „Eisbombe“ für Eisbärin Corinna nötig.

Füchse und Hunde hecheln

Für die Natur außerhalb der Stadt sind derart heiße Tage laut Kreisjägermeister Peter Kopp nicht ganz so schlimm. Demnach bleiben Wildtiere tagsüber im schattigen Wald, suchen sich feuchte Stellen und passen ihren Tagesrhythmus an. Wildschweine würden sich in Suhlen erfrischen und über Zuckerrüben Flüssigkeit aufnehmen. Und „Rehe trinken sowieso nur in der äußersten Not“, erklärt Kopp.

Viele Tiere haben für die heißen Tage eigene Tricks entwickelt. „Füchse und Hunde hecheln, um sich Abkühlung zu verschaffen“, erklärt Nabu-Tierexperte Julian Heiermann. Der Storch schmiert sich seine Beine mit Kot ein, und der Feldhase leitet die Wärme über seine großen Ohren ab. „Er benutzt seine Löffel als Hitzeableiter“, betont Heiermann. Dagegen sterben viele Wespen während derartiger Hitzeperioden an Erschöpfung. Denn die Arbeiterinnen sind „Tag und Nacht damit beschäftigt, Luft ins Wespennest zu fächeln, um die Brut zu kühlen“, ergänzt Claudia Wild, Pressesprecherin des Nabu Baden-Württemberg.

Veiel gibt Tipps, wie den Tieren in der Stadt an heißen Tagen geholfen werden kann: Besitzer von Freigängerkatzen sollten draußen einen Napf bereitstellen, wenn ihre Wohnung nicht über eine Katzenklappe verfügt. Wer nur mit Trockenfutter füttere, solle viel Wasser anbieten. Nach andauernder Hitze bilden sich in stehenden Gewässern Blaualgen. Deshalb sollten Hundebesitzer beim Gassigehen auf ihre Vierbeiner achten. „Auch Singvögel, Mauersegler und Igel im Stadtgebiet leiden stark unter derartiger Hitze, deshalb sollten viele Bewohner nach Möglichkeit Wasserschalen rausstellen“, appelliert Veiel an die Bürger. Die Schalen sollten jedoch möglichst jeden Tag mit heißem Wasser und ohne Spülmittel gereinigt werden, damit sich Krankheitserreger nicht vermehrten.

Das Wetter in den nächsten Tagen

Der Mittwoch könnte der heißeste Tag des Jahres 2017 in Stuttgart werden. In der Statistik liegt derzeit der 22. Juni mit 34,3 Grad an der Spitze. Dieser Wert wurde an der Meßstation des Deutschen Wetterdienstes DWD am Schnarrenberg gemessen. Der aktuelle Rekord könnte aber am Mittwoch laut Auskunft des DWD geknackt werden. Sicher ist das aber nicht, Temperaturen über 34 Grad gibt es nicht so oft und sie sind nicht weit entfernt von dem bisherigen Spitzenwert von 38,8 Grad, der am 7. August 2015 in Stuttgart gemessen wurde. Bis dahin wird aber nicht gehen. „Wir werden uns wohl im Bereich des bisherigen Spitzenwerts vom Juni bewegen“, sagt dazu DWD-Meteorologe Christian Kronfeldner. Heiß wird es also auf jeden Fall werden.

Prognose Hitzemäßig ist der Mittwoch aber eine Eintagsfliege. Schon am Donnerstag sinken die Temperaturen wieder unter die 30-Grad-Marke, allerdings nimmt die Schwüle im Kessel bei maximal 27 Grad spürbar zu, so dass die Menschen genauso ins Schwitzen kommen wie am heißen Mittwoch. Gleichzeitig steigt das Gewitterrisiko in der immer schwüler werdenden Luft stark an, Unwetter sind dabei nicht auszuschließen.

Regen Vor allem am Donnerstag drohen schon am Vormittag in der Stadt Schauer, später kann es bei Temperaturen bis zu 27 Grad heftige Gewitter geben.

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