Der Saunameister Alexander Mack hat auch am heißesten Tag des Jahres gut zu tun.Foto:Gottfried Stoppel Foto:  

Wer sucht am heißesten Tag des Jahres noch mehr Hitze? Eine unverhüllte Spurensuche in der Saunalandschaft des Oskar-Frech-Bads in Schorndorf.

Schorndorf - Mittwoch, 26. Juni, 13:30 Uhr: gnadenlose 38 Grad im Schatten. Wärend ganz Deutschland am heißesten Tag des Jahres ächzt und nach einem kühlen Plätzchen lechzt, sucht in Schorndorf eine kleine Minderheit die Herausforderung. Im Oskar-Frech-Bad ist die Sauna wie immer auf 90 Grad vorgeheizt und laut Alexander Mack nicht schlecht besucht: „Allerdings kommen heute keine Touristen“, sagt der ausgebildete Meister für Bäderbetriebe, „heute gibt es keinen, den ich nicht vom Sehen her kenne“.

 

Drei bis vier Aufgüsse pro Tag

Mack ist ein Mann der ersten Stunde im Frech-Bad, seit elf Jahren kümmert er sich dort unter anderem auch um die Saunaaufgüsse. Drei bis vier Mal am Tag lässt der 31-Jährige in jeweils drei Runden aromatisiertes Wasser auf Lavasteine zischen und das Handtuch rotieren, bei Personalengpässen auch bis zu acht Mal am Tag. „Dann allerdings ist man am Abend ganz schön platt.“ Alles andere sei Routine und Trainingssache – auch an besonders heißen Tagen wie diesem.

15 Stammgäste plus ein Tourist

Um 14 Uhr ist sein Kollege Johannes Fromm an der Reihe. Nach einer kurzen Begrüßung stellt er den insgesamt 15 Stammgästen plus einem „Touristen“ auf unverhüllter Recherche sein Programm für den Aufguss vor: Basilikum tropisch, danach Eukalyptus staigeriana und schließlich Krauseminze. „Wer zwischendrin raus muss, weil ihm schlecht wird, kann das natürlich tun oder auf einen der kühleren Platze nach unten umsteigen. Wer meint, dass es nicht warm genug ist, steigt nach oben oder beschwert sich bei mir.“ Dann beginnen rund acht Minuten temperaturmäßige Hölle, die durch Handtuchwedeln und Einzel-„Anschlag“ noch grausamer gestaltet werden. Die 38 Grad danach im Freien fühlen sich tatsächlich fast wie Abkühlung an.

Wer aber tut sich das freiwillig an einem Tag an, an dem ein Sprung in den benachbarten Ziegeleisee – Wassertemperatur immerhin auch 26 Grad – doch sicherlich die bessere Alternative wäre?

Saunagänger bei jedem Wetter

Michael Figiel aus Plüderhausen ist so einer. Der drahtige 69-Jährige kommt, wenn er es einrichten kann, dreimal pro Woche in die Saunalandschaft nach Schorndorf. „Das ist doch herrlich, im Sommer kann man sich gemütlich in den tollen Saunagarten rauslegen“, sagt er freudestrahlend und völlig entspannt.

„Die Sauna kennt kein Wetter“, ergänzt Thomas aus Lorch, der seinen Nachnamen nicht unbedingt in der Zeitung lesen möchte. Der 52-Jährige und seine Frau Kerstin bezeichnen sich als „Saunagänger aus Leidenschaft“. Im Sommer komme man sogar öfter hierher, „dann empfindet man die Hitze nicht so“. Auch an diesem Tag wollen die beiden drei bis vier Gänge genießen – „und danach noch 50 Bahnen schwimmen“.

Ganz so sportlich will es ein 82-Jähriger aus Winterbach, der gar keinen Namen nennen möchte, „wegen der hohen Wassertemperaturen“ nicht angehen. „Schwimmen fällt heute mal aus. Ich schau mir das von der Sauna aus an.“ Einer der insgesamt vier Schorndorfer Schwitztempel bietet dank einer Spiegelverglasung einen Rundumblick auf den Außenbereich des Bades.

Der Reiz eines Mineralwassers

Mirko, 58, aus dem „Großraum Remshalden“ bevorzugt hingegen generell eher das Stehen im Wasser. Er lässt den Schreiber vom Eisbecken aus an seiner weiteren Tages- und Abendplanung teilhaben: „Noch zwei bis drei Durchgänge, dazwischen im Saunagarten ein bisschen in der Sonne braten und dann ganz entspannt zwei, drei Halbe im Biergarten.“ Klingt verführerisch – wenn, ja wenn der Artikel nicht erst noch geschrieben werden müsste. Doch auch ein Mineralwasser aus dem Kühlschrank weiß man nach einer schweißtreibenden Recherche in Schorndorf selbst in der unklimatisierten Bürosauna durchaus zu schätzen.