Simon Zastrow fängt die Stimmungen auf Hochzeiten ein. Der Lohn für seine professionelle Arbeit: ein Wedding Award Germany. Foto: privat/Imago (Monkey business)

Simon Zastrow hat den Wedding Award Germany gewonnen. Der Videograf aus Oberstenfeld (Kreis Ludwigsburg) belegte mit einem Hochzeitsfilm Platz eins.

Simon Zastrow selbst will es nicht so hoch hängen, aber er gibt zu: Der Sieg beim renommierten Wedding Award Germany in Königswinter bei Bonn hat bei ihm Glücksgefühle ausgelöst. Und für die hat der Hochzeitsvideograf aus Oberstenfeld offenbar ein besonderes Sensorium. Sonst hätte es der etwa achtminütige Beitrag des 30-Jährigen nicht ganz nach vorne geschafft.

 

Beim Wedding Award Germany werden jedes Jahr die besten Dienstleister der Branche rund ums Heiraten ausgezeichnet. Dabei geht es längst nicht nur um Videografen. Auch Fotografen, Locations, Konditoren und weitere Hochzeitsdienstleister konkurrieren in 16 Kategorien um die begehrten Preise – insgesamt rund 400 Bewerbungen wurden eingereicht.

Manche Paare feiern ihre Hochzeit in New York – solche Destination Weddings im Ausland werden ebenfalls oft im Film festgehalten. Foto: Christina Horsten/dpa

Die Jury stellt hohe Ansprüche – nicht nur technisch, sondern vor allem künstlerisch und emotional. Simon Zastrow wusste das. Er hatte bereits vor einigen Jahren teilgenommen und kannte die Maßstäbe. Umso größer ist nun der Erfolg: Unter den 30 Einreichungen sicherte sich der Hochzeitsvideograf den ersten Platz. „Besonders freue ich mich, dass ich den Film hier in Deutschland gedreht habe“, sagt Zastrow. In der Vergangenheit hatten sich häufig Produktionen von spektakulären Auslandshochzeiten – sogenannten Destination Weddings – durchgesetzt.

„Es geht nicht nur um einen Film, sondern darum, starke Gefühle wieder erlebbar zu machen.“

Simon Zastrow, Videograf

Gedreht wurde der Film am Hohen Darsberg, einer bekannten Hochzeitslocation bei Heidelberg. „Ich hätte auch Mallorca einreichen können“, sagt Zastrow, „aber mir war wichtig, diesen Film zu zeigen“. Entscheidend sei die besondere zwischenmenschliche Atmosphäre gewesen: „Die Stimmung dort war genial – locker, ausgelassen, lebensfroh: einfach echt.“ Genau das überzeugte auch die Jury, die den Film würdigte, der nun auch auf der Webseite des Videografen zu sehen ist.

Der Trend zum Filmen von Hochzeiten hat deutlich zugenommen

Simon Zastrow stammt aus Oberstenfeld und begleitet heute rund 20 Hochzeiten pro Jahr mit der Kamera. Was für viele nach einem stressigen Saisongeschäft klingt, ist für ihn vor allem eines: Leidenschaft. „Ich möchte, dass die Menschen auf ihren Traumtag immer wieder glücklich zurückblicken können.“

Der Trend spielt dem Videofilmer in die Karten. Hochzeitsfilme sind gefragter denn je – das Honorar dafür ist laut Zastrow in etwa so hoch wie bei einem Fotografen. „Der Trend zum Film hat deutlich zugenommen“, berichtet der Unternehmer. Eine Entwicklung, die parallel zur Transformation von Plattformen wie Instagram verlaufe – weg vom reinen Foto, hin zu Bewegtbild und Storytelling.

Der Weg zum erfolgreichen Hochzeitsvideografen verlief für Simon Zastrow alles andere als geradlinig. Ursprünglich wollte er an die Filmhochschule in Ludwigsburg. Doch ohne die erforderlichen Praktika oder ein Volontariat blieb ihm der Zugang verwehrt – es gab Absagen, „die meisten Firmen meldeten sich gar nicht: das ist typisch für diese Branche“. Zwischenzeitlich plante der junge Mann bereits ein Sportstudium in Köln.

Im Jahr 2015 ergab sich die Chance, die alles veränderte: Eine Arbeitskollegin der Mutter heiratete am Hohen Darsberg. Simon durfte die Hochzeit filmen. Und nicht nur diese eine. Zastrow konnte seit 2018 von seinem Hobby leben. „Auf einen Studienplatz in Köln musste ich noch warten – aber es war auf einmal nicht mehr wichtig“, erinnert er sich und war sich sicher: „Ich werde nie mehr etwas finden, das mir so viel Spaß macht.“

Jede Hochzeit ist anders – darin liegt für Zastrow der Reiz

Heute geht er in seine elfte Saison – und die Begeisterung ist ungebrochen. Dabei hatten ihm Kollegen einst prophezeit, dass nach einigen Jahren Routine eintreten würde: zu viele weiße Kleider, zu viele dunkle Anzüge. Der Videograf spürt davon jedoch nichts. Jede Hochzeit sei anders, jede Geschichte einzigartig.

Der Beruf ist allerdings anspruchsvoller als viele vermuten. „Die Dreharbeiten vor Ort sind nur ein Teil der Arbeit“, sagt der Selbstständige. Die Nachbearbeitung zieht sich teilweise in den Winter hinein: Schnitt, Farbkorrektur, Musik, Dramaturgie. Hinzu kommen organisatorische Aufgaben wie die Planung der nächsten Saison, Buchhaltung, Steuererklärungen und die Pflege von Social Media sowie des beruflichen Netzwerks.

Erst kürzlich ist Simon Zastrow mit seiner Freundin von Oberstenfeld nach Freiberg am Neckar gezogen. Ein neuer Lebensabschnitt hat begonnen – doch beruflich bleibt alles beim Alten: die Kamera, die Geschichten und die besondere Verantwortung, Erinnerungen für die Ewigkeit festzuhalten.

Oder, wie es der Videoproduzent selbst formuliert: „Es geht nicht nur um einen Film. Es geht darum, starke Gefühle wieder erlebbar zu machen.“