Dirigent Heinz Holliger Foto:  

Beim Stuttgarter Kammerorchester stand der Oboist, Komponist und Dirigent Heinz Holliger im Mittelpunkt.

Heinz Holliger ist ein echter Romantikexperte, der sich einen Namen gemacht hat mit exzellenten Einspielungen von Werken nicht nur seines Seelenverwandten Robert Schumanns. Im sehr gut besuchten Abokonzert des Stuttgarter Kammerorchesters (SKO) im Mozartsaal der Stuttgarter Liederhalle präsentierte sich der Schweizer Oboist, Komponist und Dirigent jetzt mal wieder in seiner beruflichen Dreiheit. Der drahtige Mann, der in ein paar Tagen 85 Jahre alt wird, ist halt vielseitig. Aber nicht immer genügt seine Freestyle-Schlagtechnik, um aus den Orchestern alles rauszuholen. Manchmal stört sie sogar: an diesem Abend nicht nur in den Transsylvanischen Tänzen von Sándor Veress, sondern vor allem in Arnold Schönbergs „Verklärter Nacht“, einem Repertoirestück des SKO, das als reines Streichorchester ein sehr gut eingespieltes Team ist und das Stück vielleicht lieber ohne Holligers Zutun aufgeführt hätte.

 

Um nur einen Fauxpas zu nennen: Die tiefen Streicher setzten viel zu laut, viel zu geerdet ein, was angesichts der noch bevorstehenden, minutiös sich steigernden und sehnsuchtsvoll drängenden Entwicklung geradezu brachial wirkte. In der Partitur steht da „very soft“. Dringend notwendig, das einzuhalten. Ärgerlich auch die ungenügende Klangtransparenz und -balance im weiteren Verlauf des Stücks.

Holligers eigene Komposition ist das Highlight

Und eigentlich hätte Holliger ja alle Zeit der Welt. Aber es schien, als wolle er Bachs Oboenkonzert BWV 1055 schnell hinter sich bringen. Im ersten Satz jedenfalls wählt er ein zu rasches Tempo. Die weitausholenden, flinken Tongirlanden, die er auf seiner Oboe d’amore zu bewältigen hat, wollen nicht singen, nicht atmen, nicht ausschwingen.

Aber in diesem abwechslungsreich und in seiner stilistischen Mischung sehr wirkungsvoll konzipierten Konzerts gab es dann doch ein Highlight: Holligers eigene Komposition „Meta arca“ (als Anagramm von Camerata). Ein kleines Violinkonzert aus sieben musikalischen Charakterstudien, in denen der Komponist 2012 zum 50. Geburtstag der Camerata Bern dessen Konzertmeisterinnen und -meister porträtiert hat.

Wie in vielen seiner Werke nähert sich Holliger auch hier der romantischen Klangwelt an: in Nah- und Fern-Wirkungen, sanft an- und abschwellenden Tönen, hochexpressiven, fragilen Strukturen, im Fragenden und Geheimnisvollen. Und das gelingt dann auch an diesem Abend dank des expressiven und plastisch artikulierenden Spiels der Geigerin Irina Simon-Renes auf nahbare und fassliche Weise.