80 Jahre und flotter denn je: Heino hat seine Abschiedstournee gestartet. Foto: dpa

Nicht jeder mag ihn, aber jeder kennt ihn: In fast 60 Bühnenjahren hat sich Heino ins musikalische Gedächtnis eingegraben. Mit alten Schlagern und neuen Pop- und Rocksongs feiern ihn auch wieder junge Menschen - jetzt, wo er aufhören will.

Nürnberg - Das Jackett passt auch nach Jahrzehnten noch. „Es sitzt noch. Genau wie der Schneider, der es genäht hat.“ Das Kalauern scheint Heino im Alter so richtig Spaß zu machen, zumindest auf der Bühne. Ganz gelassen gleitet der 80-Jährige am Freitagabend in Nürnberg zum Start seiner „Und Tschüss“-Abschiedstournee in das rote Jackett - und hebt zu „Sierra Madre“ an, einem der vielen Ohrwürmer, mit denen er sich tief ins deutsche Musikgedächtnis eingegraben hat.

Öfter neu erfunden

Auch seine Baritonstimme sitzt noch so tief wie vor Jahrzehnten. Nur schwenken die Fans statt Feuerzeugen inzwischen ihre leuchtenden Smartphones. Fast 60 Jahre steht Heino schon mit seinen blonden Haaren und der schwarzen Sonnenbrille im Rampenlicht. Mit Liedern wie „Blau blüht der Enzian“, „Caramba, Caracho“, „Die schwarze Barbara“ und „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ und mit den „Hohen Tannen“, von Rübezahl gut gehütet, wurde er zur Schlager- und Volksmusikikone.

Mehrmals erfand er sich dabei neu und passte sich neuen Trends an. Ungeniert bediente er sich in seinem Spätwerk an Stücken, die in den Charts ganz oben standen, ohne deren Text und Komposition zu verändern. Nicht immer zur puren Freude der Urheber. Die Metal-Rocker von Rammstein etwa reagierten zunächst verschnupft, als Heino ihren Song „Sonne“ coverte. Dann aber luden sie ihn aufs Wacken Open Air zum legendären gemeinsamen Auftritt ein.

Auch der Zombie ist verziehen

Auch Marius Müller-Westernhagen, von dem Heino „Willenlos“ übernahm, drückte großzügig ein Auge zu. Umgekehrt verzieh Heino auch jenen, die ihn aufs Korn nahmen. Mit Otto Waalkes, der Heino in seinem Film „Otto - Der Film“ als Zombie singend aus Gräbern aufsteigen ließ, versöhnte sich Heino nach 34 Jahren Fehde.

Im Dezember feierte Heino seinen 80. Geburtstag und nahm sein Abschiedsalbum auf - mit alten und neuen gecoverten Pop- und Rocksongs wie „Über sieben Brücken musst Du gehen“ von Karat, „Das Model“ der Elektropop-Legende Kraftwerk oder „Da Da Da“ von Trio. Doch mit der schon fertigen Einspielung des Rammstein-Titels „Engel“ gab es diesmal offenbar zu viel Ärger. Heino nahm das Stück kurz vor der Veröffentlichung wieder von dem Album runter.

Alles ändert sich

Heinos Enkel Sebastian singt beim ersten, ausverkauften Konzert der Abschiedstournee zwei selbst komponierte Lieder, darunter eine Ballade über seinen Großvater. Darin heißt es: „Der Junge mit der Gitarre, der Geschichten erzählt. Haltung nicht als Ware, das Herz vorangestellt.“ Heino sagt darauf, und es klingt wie ein Vermächtnis, jede Generation habe ihre Lieder und alles habe seine Zeit. „Alles verändert sich, und ich habe mich auch verändert.“ Er sei glücklich, dass er hier auf der Bühne stehen und seinen Fans danken könne - „die mir in den letzten Jahrzehnten treu geblieben sind“.

In seinem Spätwerk schöpft der gelernte Bäcker und Konditor aus Düsseldorf aus Dankbarkeit, Humor und Altersweisheit. Für Sigrun und Frank-Roland Gabler, beide um die 60, die eigens aus Thüringen zum Tourauftakt nach Nürnberg gekommen waren, hätte es an dem Abend etwas mehr von dem alten Heino sein dürfen, der damals in der DDR verboten war und mit dem sie die Hoffnung auf Freiheit und Wiedervereinigung verbanden. „Heute war das doch etwas zu modern.“

INFO: Nach Stuttgart kommt Heino auf seiner Abschiedstournee am 15. März 2019. Ab 20 Uhr tritt er im LKA Longhorn auf.

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