Sigi Gall. Foto: privat

Sie ist Comedienne, Clown und Chemielaborantin, Sängerin, Schauspielerin, Gagschreiberin und vieles mehr. Und seit einigen Jahren ist Sigi Gall überzeugte Heimsheimerin.

Heimsheim - Sie ist Comedienne, Clown und Chemielaborantin, Sängerin, Schauspielerin, Gagschreiberin und vieles mehr. Und seit einigen Jahren ist Sigi Gall überzeugte Heimsheimerin. Wahrscheinlich konnten früher, in der Schule, ihre Lehrer nicht immer herzlich über all ihre Späße lachen. Etwa, wenn Sigi Gall sie mal wieder parodiert hat. Einmal, erzählt die heute 49-Jährige, seien eine Freundin und sie nach einer Standpauke beim Rektor aus seinem Zimmer gekommen, und die Freundin habe jubiliert: „Ich freu mich so drauf, wenn du ihn nachmachst!“ Das Parodieren, die Schauspielerei, das Singen und Tanzen – all das lag Sigi Gall so sehr, dass sie schon direkt nach dem Abitur vom Bühnenleben träumte.

„Aber meine Mutter hatte viel zu viel Angst davor, dass in dem Metier der Absturz vorprogrammiert ist. Sie hat mich überredet, eine Ausbildung zur Chemielaborantin zu machen.“ Die gebürtige Stuttgarterin, in Böblingen aufgewachsen, befolgte den Rat. Sie hat aber nie in diesem Beruf gearbeitet, weil sie ihr Geld doch lieber mit Comedy, Kabarett, Clownerie und Gesang verdiente. Im Lauf der Jahre stand sie mit Programmen in ganz unterschiedlichen Besetzungen auf der Bühne. Ziemlich gut erinnert sich Sigi Gall an das „erste Mal“: Sie und ein ziemlich spontan zusammengewürfeltes Dutzend aus Freunden hatten „eine kleine Einlage“ vorbereitet, weil ein Freund von Gall eine Party schmiss. Aus der kleinen Einlage war im Lauf der Zusammenkünfte ein einstündiges Programm geworden. Offenbar kam das bei den Gästen gut an, denn sie machten Werbung für die neu entstandene Cabaret-Gruppe „Les Douze Légères“. Und die trat dann gleich darauf im ausverkauften Jugendhaus in Böblingen auf.

Weil ein Freund dort sensationelle Fotos schoss, folgte bald das Engagement einer Kleinkunstbühne. „Natürlich noch ohne Honorar“, erinnert sich Gall. Das Dutzend war schon hochzufrieden, dass es überhaupt gefragt war. Aber auch das änderte sich. Aus 100 Mark für einen Auftritt wurden mehr, es folgten Anfragen für Silvesterpartys, bis 2002 hatte das Ensemble 250 Auftritte.

Zwischen den Terminen hat sich die vielseitige Comedienne weitergebildet. Sie hat Gesangsunterricht, Sprecherziehung und Schauspielunterricht genommen, im Ballett- und Tanzunterricht an ihrem tänzerischen Können gefeilt und vor zwölf Jahren hat sie gar noch eine Ausbildung zum Kinderkrankenhaus-Clowndoktor gemacht. Sigi Gall ist die Gründerin, Komponistin und Chormitglied im Gospelchor „The Union“, sie hat 120 Vorstellungen im Friedrichsbau-Varieté in Stuttgart gemeinsam mit Romy Haag gegeben. Und sie hatte Ende der 90er Jahre eine Hauptrolle in der Mäulesmühle und war 1999 Stipendiatin der Köln Comedy Schule. Hier, sagt sie, habe sie noch einmal von Grund auf das Handwerkszeug gelernt, das man als Komödiant und Schauspieler braucht.

Vor drei Jahren erlebte die erfolgsverwöhnte Künstlerin, die 2001 mit „Love Hurts“ das „Comedy-Popdrama“ erfunden und auf die Bühne gebracht hatte, einen Tiefpunkt. Ihre beiden männlichen Mitstreiter im Comedy-Trio „Backblech“ verließen das Ensemble nach zehn gemeinsamen Jahren und auch der von ihr gegründete Gospelchor „The Union“ ging auseinander. Aber Sigi Gall hat sich berappelt, und „Backblech“ tritt nun in neuer Besetzung auf, mit den studierten Musikern Boris Celikovic und Alex Kraus.

Der allseits bekannte Caveman-Darsteller Martin Luding vom Theaterhaus Stuttgart hat geholfen, das Stück „Nacht der Gewohnheit“, eine Hommage an die Langzeit-Beziehung, für das neue Trio einer Generalüberholung zu unterziehen. Nun sind auch die Lieder im Comedy-Popdrama keine Coversongs mehr, sondern selbst komponiert. Die Wahl-Heimsheimerin ist kein Mensch, der einen Kalauer nach dem anderen reißt. Sie schätzt Gespräche mit Tiefgang, will die Menschen berühren und authentisch sein. Und so wollte sie auf die Bühne immer auch die Schmerzen, die Trauer und das Alleinsein bringen. „In jedem Witz sollte der eigene Schmerz mitschwingen“, erklärt sie, warum etwa nur eine Frau, die selbst Kinder hat, sich Späße und kleine Bosheiten über das Leben mit ihnen erlauben sollte.

„Über alles, was man liebt, darf man Späße machen“, habe ein Pfarrer einmal gesagt, nachdem ihre Familie beklommen zugehört hatte, wie sie ihm einen Witz über die Kreuzinschrift „INRI“ erzählt hatte. Weil ihr ausschließlich oberflächliche Kalauer nicht viel geben, gibt es in ihren Programmen immer auch Momente, bei denen die Leute mit den Tränen kämpfen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: