Welche Karte soll ich da nur spielen Foto: Andreas Gorr

Seit zehn Jahren gibt es die Skatfreunde im Ort. Diesen runden Geburtstag feiert der Verein mit der ersten Stadtmeisterschaft. Unter 123 Skatspielern haben die „Reizenden Jungs“ am Ende die Nase vorn.

Heimsheim -

Jürgen Troll wirkt um die Mittagszeit noch nicht so recht zufrieden. Der Heimsheimer Bürgermeister lässt sich auf die Frage, ob er denn schon ein Spiel gewonnen habe, nicht wirklich in die Karten schauen.

Er ist einer von 123 Teilnehmern, die der Einladung der Heimsheimer Skatfreunde in die Stadthalle gefolgt sind. Nicht nur beim Skat selbst, sondern auch in der Halle sind Buben Trumpf. Denn der größte Teil der Spieler sind Herren, oft im fortgeschrittenen Alter. Einige wenige Frauen lockern das Bild auf und auch ein paar jüngere Spieler sind mit von der Partie.

Ausnahme in der Skatrunde: Weiblich und jung

Weiblich und jung zugleich ist Angelika Rommig. Die 26-Jährige aus Magstadt spielt begeistert Skat und ist bei den Heimsheimer Skatfreunden aktiv. „Ich habe immer viel mit meiner Oma Rommé gespielt“, erzählt die Erzieherin. Doch das fordere sie jetzt nicht mehr genug heraus. Skat hingegen sei ein anspruchsvoller Sport. „Ich habe den Anspruch, immer mehr zu lernen“, sagt sie zu ihrer Motivation, jede Woche zum Spieleabend nach Heimsheim zu kommen.

Sie ist eine von etwa 26 Mitgliedern, die regelmäßig aktiv sind, sei es im Heimsheimer Verein, der insgesamt 36 Mitglieder hat, oder auch bei Turnieren und Wettbewerben. „Der Verein hat sich in letzter Zeit ziemlich vergrößert“, berichtet Frank Wielage. Der international tätige Monteur ist seit einem Jahr Vorsitzender und sagt von sich selbst, dass er ein fotografisches Gedächtnis habe – für ein Spiel, bei dem man möglichst alle Karten vor dem geistigen Auge haben und die Spielzüge der Gegner stets präsent haben sollte, eine ideale Fähigkeit. Dem 46-Jährigen hat dies schon einige Erfolge in der Skat-Szene beschert. Zuletzt wurde er im vergangenen Jahr Siebter bei der deutschen Meisterschaft. Wielage gibt auch Unterricht im Verein.

In der Heimsheimer Stadthalle herrscht beim Turnier unter der Leitung des Skatverbandes Nordwürttemberg Konzentration und gedämpfte Lautstärke beim Auszählen der Punkte. Eine Serie mit 48 Spielen dauert gut zwei Stunden, drei Serien werden gespielt. Da heißt es, Kräfte schonen, Ablenkung vermeiden und Apfelsaftschorle trinken, um stets die richtige Karte auszuspielen. „Skat ist eine gesellige Angelegenheit“, sagt Frank Wielage, „aber auch ein anspruchsvoller Denksport.“ Die Heimsheimer Skatfreunde wollen künftig nach Möglichkeit jedes Jahr eine solche Stadtmeisterschaft veranstalten. Denn der Erfolg gibt ihnen Recht: Es sind viele Skatbegeisterte aus der Region, aber auch von weit her, aus Schwäbisch Hall und Geislingen etwa, gekommen.

Kopfrechnen und vorausschauendes Handeln

Was ist nun das Geheimnis dieses Spiels, das seinen Siegeszug vom thüringischen Altenburg aus antrat und schon seit 200 Jahren gespielt wird? „Das Ziel ist es, besser zu sein als die anderen, und zwar im Denken und im Spielen“, sagt Frank Wielage. Kopfrechnen und natürlich das vorausschauende Handeln seien die wichtigsten Fähigkeiten eines erfolgreichen Spielers „Man muss den Gegner dazu bringen, Fehler zu machen“, sagt der Vereinsvorsitzende und erklärt das Täuschen und die Besonderheiten beim Reizen. „Das Spiel wird etwa je zur Hälfte von Glück und von Können bestimmt“, weiß Skatkenner Wielage.

Damen Antje Welteroth, Billige Null Weiler zum Stein, 3821 Spielpunkte

Herren Mathias Kratzert, Reizende Jungs Schömberg, 4700 Spielpunkte

Jugend Kay Kratzert, Reizende Jungs Schömberg, 3569 Spielpunkte

Mannschaft Reizende Jungs Schömberg (Mathias Kratzert, Alex Milisevic, Kay Kratzert, Markus Starke), 14 755 Spielpunkte

Tandem Reizende Jungs Schömberg, Mathias Kratzert, Alex Milisevic), 8154 Spielpunkte.