Festnahme von Bernhard H. Zweifel an Aussage der Heimkehrerin Maria

Von Heinz Siebold 

Vor fünf Jahren: die Angehörigen senden Botschaften an das verschwundene Mädchen Foto: dpa
Vor fünf Jahren: die Angehörigen senden Botschaften an das verschwundene Mädchen Foto: dpa

Weil der Mann, mit dem Maria vor fünf Jahren verschwunden war, in Italien gefasst wurde, wachsen Zweifel an der Aussage der jungen Frau.

Freiburg - Nur einen Tag, nachdem die Freiburger Polizei das lange vermisste und dann wieder aufgetauchte Mädchen Maria H. (heute 18 Jahre alt) befragt hat, ist der Mann verhaftet worden, mit dem die 13-Jährige vor fünf Jahren von zuhause ausgebüxt war: Bernhard H. (heute 58 Jahre alt) ist von der italienischen Polizei festgenommen worden – in dem Land, in dem Maria H. nach ihren eigenen Angaben jahrelang unerkannt gelebt und gearbeitet hat.

„Wir sind genauso überrascht wie alle anderen“, sagte die Freiburger Polizeisprecherin Laura Riske unserer Zeitung. „Wir wissen den Ort, aber wir wissen nicht, wie die Festnahme vonstatten ging.“ Es sei nicht bekannt, ob der mit internationalem Haftbefehl wegen des Verdachts der Kindesentziehung und des sexuellen Missbrauchs gesuchte Elektriker aus Nordrhein-Westfalen in eine Polizeikontrolle geraten sei, sich selbst gestellt habe oder ob gezielt nach ihm gefahndet worden sei. „Wir haben die Treffermeldung aus Italien bekommen“, erklärt die Polizeisprecherin, „mehr wissen wir noch nicht.“

Polizei kündigte für Montag eine weitere Erklärung an

Einen direkten Zusammenhang zwischen der Befragung von Maria H. und der Festnahme gebe es aber nicht, offenbar hat die junge Frau der Freiburger Polizei keinen Hinweis auf den Aufenthaltsort des Mannes gegeben. „Tatsächlich hatten wir uns eigentlich mehr Erkenntnisse von der Befragung erhofft.“

Maria H. hat in der Befragung behauptet, sie habe sich 2013 bereits nach kurzer Zeit im polnischen Ort Gorlice von Bernhard H. getrennt. In einer Erklärung auf Facebook hatte sie die Trennung als eine Art Flucht vor Bernhard H. dargestellt, weil „sein Verhalten sich täglich verschlechtert“ habe. Danach sei sie alleine weitergezogen, zunächst durch osteuropäische Länder, dann nach Italien, wo sie gejobbt und auch eine Wohnung bezogen habe.

Dass der 40 Jahre ältere Mann, mit dem Maria H. aus Freiburg verschwunden ist, nun in dem Land verhaftet wurde, in dem sie sich jahrelang alleine aufgehalten haben will, wirft Fragen nach der Verlässlichkeit der Angaben auf. „Ich kann verstehen, dass die Augenbrauen hochgehen“, sagt Laura Riske. An Spekulationen will sich die Polizei jedoch nicht beteiligen, sie kündigte für Montag eine weitere Erklärung an.

Mutter hatte fünf Jahre nach ihrer Tochter gesucht

Maria H. hatte sich vor einer Woche überraschend bei ihrem Vater gemeldet. Freunde der Familie holten die junge Frau in Mailand ab. Ihre Mutter hatte während der mehr als fünf Jahre ihre Anstrengungen bei der Suche und ihre Gefühle im Blog „Bitte Findet Maria“ festgehalten. Am Tag der Rückkehr ihrer Tochter schrieb sie: „Es gibt keine glücklichere Familie als unsere.“

Zuvor hatte die Frau mehrfach in Fernsehbeiträgen von den Zweifeln und dem Wechsel zwischen Hoffen und Bangen in der langen Zeit berichtet. So schrieb sie zu Marias 17. Geburtstag: „Ich weiß, dass du weißt, dass ich niemals aufgeben werde, dich zu suchen. Ich weiß, dass du dich darauf verlässt. . .  weil du deine Mum kennst.“

Dass Kinder über mehrere Jahre vermisst werden, ist sehr selten. Die Hälfte der Fälle klärt sich nach Erfahrungen des Bundeskriminalamtes bereits innerhalb von einer Woche. Nach einem Monat sind es demnach acht von zehn Fälle. Die „Initiative Vermisste Kinder“ geht von mehr als 100 000 Kinder und Jugendliche aus, die jedes Jahr in Deutschland als vermisst gemeldet werden.

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