Tipps vom Profi. Cacau (weißes Trikot) trainiert mit dem SV Welcome United. Foto: Gottfried Stoppel

Bei einer Podiumsdiskussion in Winnenden und dem Training mit dem Fußballteam Welcome United fliegen dem charmanten DFB-Integrationsbeauftragen die Herzen nur so zu.

Winnenden - Wo ist Heimat? Dieser Frage ging das prominent besuchte Podium in der Winnender Hermann-Schwab-Halle am Montagabend nach. Die Veranstaltung war Auftakt der Heimatwoche, einem der vielen Programmpunkte der Heimattage Baden-Württemberg, die dieses Jahr in Winnenden begangen werden. Unter den Gästen waren neben dem Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth, dem Paulinenpflege-Geschäftsführer Andreas Maurer und Rafid Taii von der Lernwerkstatt der VHS Winnenden, der Sozialminister Manne Lucha und Cacau, der Integrationsbeauftragte des DFB.

Warum im Himmel wohl Deutsch gesprochen wird

Weit hatte es der ehemalige VfB- und Nationalspieler nicht, um nach Winnenden zu kommen. Claudemir Jeronimo Barreto – den alle Welt als Cacau kennt – lebt mit seiner Familie im benachbarten Korb. „Unsere Kinder sind hier aufgewachsen. Für sie ist Heimat sicher etwas anderes als für mich“, sagte der aus Sao Paulo stammende Cacau, der mit 18 Jahren seine Heimat verließ, um in Europa Karriere zu machen. „Und um meine Familie zu unterstützen“, wie er berichtete.

Kein Wort deutsch habe er anfangs gesprochen, weshalb er sich sofort ein Lehrbuch besorgt habe, um die Sprache zu lernen. „Ich kann mir vorstellen, dass im Himmel deutsch gesprochen wird“, sagte er zur Verwunderung der zahlreich erschienenen Zuhörer. „Weil es eine Ewigkeit dauert, bis man es gelernt hat“, erklärte er knitz.

Bedingung: ein Training mit SV Welcome United

Überhaupt hatte der 38-Jährige das Publikum sofort auf seiner Seite. Schlagfertig, charmant und mit Witz ging er auf die Fragen ein. Auch das heikle Thema zur Zukunft des in Turbulenzen befindlichen DFB umschiffte er elegant. „Ich stehe als Präsident nicht zur Verfügung“, antwortete er und erntete wieder ein Lachen. Mit dem Integrationsbeauftragten hat der Deutsche Fußballbund ein deutlich besseres Händchen gehabt als bei der Wahl seines Präsidenten.

Eine Bedingung habe sich Cacau ausbedungen, bevor er zu der Podiumsdiskussion kam, berichtete die Winnender Integrationsbeauftragte Manuela Voith vor dem Auftritt. „Ein Training mit unserer Mannschaft SV Welcome United.“ Zu diesem erschien der frühere Stürmer des VfB Stuttgart, der 2007 mit diesem Deutscher Meister wurde, vor der Podiumsdiskussion.

Mannschaft mit Spielern aus acht Nationen

Aus acht Nationen stammen die Spieler, die seit dem vorigen Jahr in der Kreisliga B kicken. Neben den Spielern, die als Flüchtlinge nach Winnenden gekommen waren, spielen auch Menschen mit Handicap mit, die in der Paulinenpflege zur Ausbildung sind. Mit den Trainern Timo Loos und Stefan Simon sind zwei Sozialarbeiter der Diakonischen Einrichtung mit im Boot.

Die außergewöhnliche Mannschaft sorgt für Aufsehen weit über den Rems-Murr-Kreis hinaus. Das Integrationsprojekt hat bereits Preise bekommen. Die Freude am Fußball verbindet, wie man auch beim Probetraining mit Cacau sehen konnte. Ohne Umschweife gingen die Spieler mit dem Ex-Profi zur Sache. Die Stimmung war gelöst, und auch bei einem abschließenden Spiel stand Faiplay ganz oben. Bei Auswärtsspielen hätte die Mannschaft schon rassistische Reaktionen erfahren müssen. Aber auch in solchen Situationen hätten die Spieler Ruhe bewahrt.

80 000 neue Spielpässe seit 2015

Wie Fußball verbindet, kann Thomas Hackbarth mit Zahlen belegen. Der Öffentlichkeitsarbeiter des DFB, der schon öfter mit Cacau in ganz Deutschland unterwegs war, hat ihn auch nach Winnenden begleitet. „Seit 2015 haben wir rund 80 000 Spielerpässe vergeben“, sagte Hackbarth. „Die meisten im Amateurbereich.“ Fußball ist eben eine Sportart, die weltweit nicht nur Zuschauer, sondern auch begeisterte Kicker findet. Und wenn diese noch mit einem Könner wie Cacau trainieren können – was will man da noch mehr?

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