Heimatmuseum in Vörstetten Von Alemannen und Alamannen

Von Heinz Siebold 

Das private Museum informiert in einer Sonderausstellung auch über Missverständnisse und den Missbrauch historischer Mythen Foto: Heinz Siebold
Das private Museum informiert in einer Sonderausstellung auch über Missverständnisse und den Missbrauch historischer Mythen Foto: Heinz Siebold

Ein Heimatmuseum in Vörstetten in Südbaden räumt mit historischen Mythen auf. Über den Unterschied zwischen Geschichte und Traditionspflege.

Vörstetten - Alemannia heißt in Aachen der Fußballverein, in Karlsruhe eine Studentenverbindung, und auf dem Mittelmeer schippert ein Traumschiff gleichen Namens. In Freiburg gibt es die Alemannische Bühne und 17 Kilometer nördlich davon in der Gemeinde Vörstetten das Alamannen-Museum. Ein Buchstabe – a statt e – macht den Unterschied zwischen Geschichte und Traditionspflege aus. Das private Museum in der ehemaligen Alamannen-Siedlung Vörstetten, gegründet von dem früheren Politikwissenschaftler Helmut Köser, präsentiert Funde von Ausgrabungen und nachgebildete Häuser. Und es informiert mit einer Sonderausstellung unter dem Titel „Verehrt, verwendet, vergessen“ auch über Missverständnisse und den Missbrauch historischer Mythen.

Keine einheitlicher Volksstamm

„Eine ungebrochene Kontinuität zwischen Alamannen und Alemannen gibt es nicht“, betont Köser, der bis 2005 an der Universität Freiburg lehrte. Die von der Elbe im dritten Jahrhundert nach Christus südwestwärts gewanderten Alamannen waren keine einheitliche Ethnie, sondern unterschiedliche germanische Stämme und Sippen. Den römischen Chronisten wie etwa Asinius Quadratus (165 bis 236 nach Christus) waren die Barbaren fremd. Sie hatten für sie zwei Begriffe: Suevi – die Herumwandernden – oder Alamanoi – die „zusammengespülten und vermengten Menschen“. Alamanoi heißt auch „Menschen insgesamt“. Von diesen suevi und alemanoi blieben einige dort, wo heute Menschen Schwaben genannt werden, andere siedelten sich an beiden Ufern des Oberrheins an, wo in vielen Gegenden – in Baden, im Elsaß und in der Schweiz – noch immer alemannisch gesprochen wird.

Das ursprüngliche Alamannentum ist im frühen Mittelalter im Merowingerreich aufgegangen und spielte fortan weder politisch noch kulturell eine Rolle. Erst im 19. Jahrhundert wurde der Begriff alemannisch – jetzt mit e – wiederentdeckt. Johann Peter Hebels „Alemannische Gedichte“ hoben die westoberdeutsch genannte Dialekt-Sprache auf literarisches Niveau.

Von den Nazis missbraucht

Später machten sich Rassenforscher daran, die Bildung der Nationalstaaten mit völkischen Theorien zu untermauern. Die Vorfahren der Alemannen wurden plötzlich zu Archetypen des kriegerischen Germanen. Den Höhepunkt der Verklärung markierten die Nationalsozialisten. Nach der Machtergreifung war es ein kurzer Schritt zu in der Konsequenz verbrecherischen Theorien von „ranghöheren“ oder „minderwertigen“ Völkern.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Traditionspflege deshalb verpönt und das Alemannentum nur noch Folklore, meist harmlos wie in der schwäbisch-alemannischen Fasnacht. „Es gibt aber jetzt zunehmend Versuche, einen völkischen Charakter des Alemannentums zu konstruieren“, sagt der Museumsgründer Köser. Rechtsextreme Gruppen versuchten, die romantisierende Historienszene zu unterwandern. „Wir wollen der historischen Falschdarstellung entgegentreten“, sagt Köser.

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