In der Scheune aus dem Jahr 1891 wartet viel Arbeit auf die Mitglieder des Heimatvereins. Foto: /Andreas Kaier

Die Mitglieder des Deizisauer Heimatvereins gestalten die alte Scheune an der Neckarstraße 1 zu einem Heimatmuseum. Im Herbst 2022 soll dort die erste Ausstellung gezeigt werden.

Deizisau - Die Geschichte der Gemeinde Deizisau und die Geschichten der alteingesessenen Familien für die Nachwelt zu dokumentieren und zu konservieren – das ist das Ziel, das der örtliche Heimatverein mit seinem geplanten Heimatmuseum verfolgt. Das soll in der Scheune des ehemaligen Bauernhauses der 93 Jahre alten Deizisauerin Martha Clauß entstehen, das die frühere Vorsitzende der Landfrauen vergangenes Jahr der Gemeinde Deizisau verkauft hat – verbunden mit der Auflage, dort ein kleines Museum einzurichten. Inzwischen lebt Martha Clauß im benachbarten Quartiershaus Palmscher Garten und kann über die Straße hinweg zuschauen, wie fleißige Mitglieder und Helfer des Heimatvereins die Scheune nach und nach umgestalten.

 

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Gegründet hat sich der Verein um seinen Vorsitzenden Franz Bingel vergangenes Jahr im Juli, als feststand, dass die Scheune für das Projekt tatsächlich zur Verfügung steht. „Zum Glück sind auch sehr viel junge Leute dabei“, sagt Bingel im Hinblick auf die viele Arbeit, die die Umgestaltung der Scheune macht. Wie das Wohnhaus auch, stammt sie aus dem Jahr 1891 und wurde über die Jahrzehnte hinweg immer wieder erweitert. Im Erdgeschoss befinden sich ein Kuh- und ein Schweinestall, darüber auf mehrere Ebenen verteilt die eigentliche Scheune.

Scheune von Mist und Stroh befreit

Begonnen hat die Umgestaltung im vergangenen August, „mit grundlegenden Arbeiten“, wie Bingel sagt. Anfangs seien alle Helfer erschrocken gewesen, wie verschmutzt alles gewesen sei. Zuerst galt es, den noch vorhandenen Mist und alles Stroh aus dem Gebäude zu schaffen. Danach mussten sämtliche Spinnweben entfernt und die Scheune so gut es ging gesäubert werden. „Das alles war wirklich brutal“, erinnert sich Franz Bingel an den vielen Staub und den Dreck, der alles zur Knochenarbeit machte. Da der Heimatverein nicht in die alte Bausubstanz des Gebäudes eingreifen möchte, sollen die einzelnen Ebenen der Scheune so gut es geht erhalten werden. Lediglich die so genannte Maibaumebene erhält derzeit aus Sicherheitsgründen einen neuen Holzboden.

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Fest steht, dass von der Maibaumebene aus – der Name rührt vom Deizisauer Maibaum her, der dort zwischengelagert ist – zwei Stahltreppen auf die nächste Hauptebene hinaufführen sollen. Bingel hofft, dass der Verein die beiden Treppen für etwa 2000 Euro beschaffen kann. Mit etwa 30 000 Euro deutlich teurer käme eine Stahltreppe zwischen dem Erdgeschoss und der ersten Zwischenebene. „Ob wir die wirklich brauchen oder ob wir die alte Holztreppe behalten können, muss das Bauamt entscheiden“, sagt Bingel, der natürlich auf die wesentlich kostengünstigere Lösung hofft. Falls doch eine neue Treppe eingebaut werden muss, hat sich der Vorsitzende des Heimatvereins bereits eine Spendenaktion überlegt.

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Die lokale Geschichte der beiden Weltkriege

Erste Überlegungen für ein Ausstellungskonzept stehen ebenfalls schon im Raum. Im Eingangsbereich der Scheune soll eine kleine Ausstellung an das Leben der Familie Clauß erinnern und über die Geschichte des alten Bauernhauses mit der Scheune informieren. Laut Bingel sollen auf den einzelnen Ebenen größere Ausstellungsstücke wie landwirtschaftliche Gerätschaften oder Landmaschinen dauerhaft ihren Platz finden. Dazwischen könnte es kleinere Exponate zu wechselnden Themen geben. Als Beispiele nennt Bingel die Themen schwäbische Sprache, schwäbisches Essen, die Geschichte der Deizisauer Vereine oder die lokale Geschichte der beiden Weltkriege. „Es ist doch ein total spannendes Thema, was in Deizisau zwischen den Jahren 1933 und 1945 passiert ist“, sagt der Vorsitzende des Heimatvereins. Weitere Themen könnten laut Bingel die Geschichte der Deizisauer Auswanderer oder die der Flüchtlinge nach 1945 sein.

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Um alles anschaulich zu dokumentieren, hat der Heimatverein in den vergangenen Monaten immer wieder die Deizisauer dazu aufgerufen, alte Sachen nicht einfach zu entsorgen, sondern sich vorher zu melden. „Wir schauen dann, was wir davon gebrauchen können“, sagt Bingel. Wichtig sei dabei, dass sich hinter jedem Gegenstand auch eine Geschichte verberge. Alles, was verloren gehe, sei unwiederbringlich weg. Inzwischen haben neben landwirtschaftlichen Werkzeugen schon viele mögliche Exponate aus dem Alltag der Deizisauer den Weg in das zukünftige Heimatmuseum gefunden, beispielsweise alte Fahrräder, alte Schreibmaschinen, eine Zither, einige Koffer, alte Postkarten und vor allem alte Fotografien. Besonders stolz ist Bingel auf ein altes Luftbild, das Deizisau im Jahre 1931 zeigt, als der Ort gerade mal 1700 Einwohner zählte. „Es ist total klasse, so alte Bilder zu besitzen“, sagt Franz Bingel.

Erste Ausstellung soll im Herbst 2022 eröffnet werden

Scheune
 In der Scheune des alten Bauernhauses von Martha Clauß an der Neckarstraße 1 in Deizisau entsteht ein kleines aber feines Heimatmuseum. Die Arbeiten haben begonnen. Läuft alles nach Plan, soll es dort nächstes Jahr im Spätherbst die erste Ausstellung geben. Zuvor sollen sich die Deizisauer im Mai oder Juni bei einem Tag der offenen Scheune selbst ein Bild von den Umbauarbeiten machen können.

Ziel
Mit dem Museum verfolgt der Heimatverein das Ziel, die Ortsgeschichte lebendig werden zu lassen und für die Nachwelt zu erhalten. Das Ausstellungskonzept soll vor allem auch Kinder und Jugendliche ansprechen. Um an geeignete Exponate zu kommen, ruft der Verein dazu auf, alte Sachen, und seien sie noch so unscheinbar, nicht einfach wegzuwerfen, sondern sich vorher mit dem Verein in Verbindung zu setzen.

Garten
In das Heimatmuseum einbezogen werden, soll auch der idyllische Garten des Anwesens. Dort stehen ein kleiner Holzschuppen, ein alter Hühnerstall und ein alter Futtersilo. Der könnte möglicherweise zum Kletterturm für Kinder umgebaut werden. Zudem ist geplant, die frühere Güllegrube vor dem Kuhstall mit Holzdielen zu belegen und so eine kleine Terrasse unter alten Bäumen zu schaffen.