Die Stadt, die in Sachen „Kultur & Freizeit“ am besten abschneidet, ist Ludwigsburg – hier bei der Venezianischen Messe. Foto: Werner Kuhnle

Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen stehen ganz oben bei der „Heimat-Check“-Bewertung der Kultur- und Freizeitmöglichkeiten. Im ganzen Kreis gibt es aber den Wunsch nach mehr Angeboten für Jugendliche. Und das Am-und-im-Wasser-Sein spielt auch eine große Rolle.

Kulturaffine und Unternehmungslustige leben recht gut im Kreis Ludwigsburg. Beim Heimat-Check kommt das Kultur- und Freizeitangebot aber über alle Kommunen hinweg trotzdem nur auf 5,83 von 10 möglichen Prozentpunkten. Die Leser haben diese Kategorie also schlechter beurteilt als etwa „Sport- und Vereinsangebot“ oder „Sicherheit“.

 

Allerdings sind „Kultur & Freizeit“ zwei paar Schuhe. Marbacher Teilnehmer wählten etwa die Kategorie „Kultur & Freizeit“ in ihrer Stadt trotz toller Museen, Literaturarchiv und anderer Highlights nur auf Rang 9 von 14. Liest man ihre Kommentare, stellt sich aber heraus, dass in dieser Kategorie fast nur die Schließung des Hallenbades thematisiert wurde, worüber großer Frust in der Schillerstadt herrscht. Andernorts schneidet die Kategorie mittelprächtig ab, weil „Badeseen fehlen“ (Ditzingen) oder es „zu wenige Probenmöglichkeiten“ gibt (Bönnigheim). In Remseck werden „mehr kulturelle Veranstaltungen, vielleicht zusammen mit einem noch zu gründenden Kulturverein“ gewünscht. Kornwestheimer hoffen, dass das Capitol-Kino überlebt. Durch die Bank wünschen sich Befragte in aller Kommunen mehr Angebote für Kinder und Jugendliche.

Dass im „Kultur & Freizeit“-Gesamtranking Ludwigsburg Platz eins und Bietigheim-Bissingen Platz zwei belegen, überrascht wenig. Im oberen Feld bis Mittelfeld bewegen sich auch Gerlingen, Besigheim, Bönnigheim und Kornwestheim. Unterdurchschnittlich schneiden dagegen Asperg, Tamm oder Schwieberdingen ab. Aspergs Bürgermeister Christian Eiberger sieht das aber gelassen. „Wir sind für eine Stadt unserer Größe super aufgestellt, haben zwei Bühnen, den Hohenasperg, unser Freibad, da brauchen wir uns nicht zu verstecken“, findet er. „Vielleicht ist das Angebot aber in Asperg selbst noch zu wenig bekannt.“

Ludwigsburgs OB Matthias Knecht ist happy über Platz eins: „Das ist eine großartige Auszeichnung für uns, aber vor allem für die Leistung unserer Kunst- und Kulturszene in der Stadt. Ob Kulturwelt, Tanz- und Theaterwerkstatt, Theatersommer, Schlossfestspiele, Forum-Spielzeit, Scala oder das MIK als Museum, um nur einige zu nennen.“ Auch der Freizeitwert sei hervorragend, die Einschätzung also gut nach vollziehbar. Er selbst sei, als er in anderen Städten gelebt habe, immer gerne zurückgekommen.

Befragte sorgen sich aber auch: darüber, ob der Theatersommer zu retten sei, oder ob genug an Kinder aus prekären Verhältnissen gedacht werde. Zum Theatersommer erklärt der OB, dieser sei eine feste Größe in der Ludwigsburger Kulturlandschaft. „Wir stehen aber absehbar und langfristig vor einer schwierigen finanziellen Situation und brauchen private Förderung.“ Letztes Jahr sei dafür unter anderem Goetze Armaturen in die Bresche gesprungen. „Es liegt aber nicht nur an den Finanzen, das ist auch Teil der Wahrheit. Es muss auch die Nachfolge in der Intendanz gefunden werden.“ Was den Zugang zu Kultur angehe, sagt Knecht, es gebe schon viele niederschwellige Veranstaltungen und Kooperationen, die allen den Spaß an Kultur vermittelten. „Vor allem für junge Erwachsene müssen wir aber noch stufenweise nachlegen“. Er wolle zum Beispiel die Clubszene in Ludwigsburg stärken.

Auch den Bietigheim-Bissinger Rathauschef Jürgen Kessing freut die positive Wertung: „Sie bestätigt unsere langjährige Kulturpolitik.“ Die Stadt lege seit jeher viel Wert auf eine nachhaltige, attraktive kulturelle Infrastruktur und Veranstaltungsszene, stelle ein gut ausgestattetes Budget bereit und habe „mit starker Unterstützung unserer Firmen als Sponsoren“ viel erreicht. Man unterstütze im Rahmen der Möglichkeiten auch Dritte bei attraktiven Angeboten, „etwa mit dem Festplatz bei Live am Viadukt“.

In Bietigheim-Bissingen wurde der Wunsch nach Zugänglichkeit zum Ufer am Beispiel Besigheims geäußert. Kessing entgegnet: „Die Stadt hat mit dem Bürgergarten, dem Zugang für wassersportliche Aktivitäten und den Enzwiesen ein mindestens gleichwertiges Angebot geschaffen.“ Der Uferbereich sei so stark genutzt, dass es eher über Begrenzungen zum Schutz der Natur nachzudenken gelte als über Ausweitungen.

Braucht die Kultur im Kreis mehr Lobby? „Sie hat eine starke Lobby“, sagt Matthias Knecht als Vorsitzender der Kulturregion Stuttgart. Viele Menschen in verantwortlicher Position wüssten, „was für eine unglaubliche Bedeutung Kultur für Bildung, sozialen Frieden und Freizeiterlebnis hat.“

Worum es beim Heimat-Check geht

Stimmungsbild
Der Heimat-Check unserer Zeitung in Kooperation mit dem Unternehmen Umfrageheld hat ein Stimmungsbild in allen 140 Kommunen der Kreise Esslingen, Böblingen, Ludwigsburg und Rems-Murr erhoben. Vom 10. Juni bis zum 2. Juli konnte online das Votum abgegeben werden. Insgesamt 15 120 Menschen nahmen teil. Den Anspruch, repräsentativ zu sein, erhebt der Heimat-Check ausdrücklich nicht.

Systematik
 In 14 Kategorien wurden je zwei Fragen gestellt, die auf einer Skala von 1 (schlecht) bis 10 (sehr gut) beantwortet werden konnten. Dabei ging es um die Themen Lebensqualität, Gastronomie, Immobilienmarkt, Sport und Vereine, Familienfreundlichkeit, Gesundheitsversorgung, Sauberkeit, Sicherheit, Einzelhandel, Verkehr, Nahverkehr und Radwegenetz, Seniorenfreundlichkeit, Kultur und Freizeit sowie Digitalisierung, Energie und Klima.