Die Stuttgarterinnen und Stuttgarter stellen ihrer Stadt ein gutes Zeugnis aus. Foto: imago images/Westend61/Werner Dieterich

Mit der Umfrage Heimat-Check haben wir ein Stimmungsbild in den Stadtbezirken Stuttgarts erhoben. Mehr als 10 800 Stuttgarter haben abgestimmt. Lesen Sie hier, wo in der Stadt die besonders zufriedenen Menschen wohnen und wo jene, die sich ein besseres Umfeld wünschen.

In Degerloch ist die Welt noch in Ordnung. Steile These? Nicht, wenn man die Daten zugrunde legt, die der Heimat-Check unserer Redaktion zu Tage gefördert hat. In der Online-Umfrage, die ein Stimmungsbild erbracht hat, liegt der ehemalige Luftkurort am südlichen Kesselrand ganz vorne.

 

28 Fragen in 14 Kategorien

Drei Wochen lang hatten die Stuttgarterinnen und Stuttgarter Gelegenheit, auf unsere 28 Fragen in 14 Kategorien online zu antworten. Ihre Rückmeldungen gaben sie auf einer Skala von 1 bis 10. Je höher der Wert, desto höher die Zustimmung. Das Ergebnis ist keine repräsentative Umfrage, doch das erhobene Stimmungsbild gibt gleichwohl Hinweise, wo die Menschen besonders zufrieden sind und wo eher die Quartiere zu finden sind, in denen der Schuh drückt. Die Antworten sollten sich auf den Stadtbezirk beziehen, in denen Teilnehmer der Umfrage leben.

In der Gesamtstadt hat sich auf diese Weise ein Wert von 5,84 ergeben. An der Spitze liegen Degerloch, wo die Antworten einen Durchschnittswert von 6,73 erreichen, Sillenbuch (6,47) und Botnang (6,45). Am unteren Ende der Skala rangieren die Stadtbezirke Hedelfingen (5,12) und Untertürkheim (5,11). Das Schlusslicht bildet Zuffenhausen mit einem Wert von lediglich 4,97.

Homogene Bewertungen

„Insgesamt ist die Verteilung der Bewertungen der jeweiligen Stadtbezirke eher homogen“, heißt es in der Auswertung der Studie, die unsere Zeitung in Kooperation mit dem Unternehmen „Umfrageheld“ veranstaltet hat. Von den 23 Stadtbezirken Stuttgarts bewegen sich elf über dem Durchschnittswert von 5,84.

Die Mehrzahl der Antworten kam von Frauen, die an der Umfrage teilgenommen haben. Auf sie entfielen 50,1 Prozent der Rückmeldungen. 47,8 Prozent der Antworten kamen von Männern, 0,5 Prozent der Antwortgeber identifizieren sich als divers. Der Rest machte keine Angaben. Die Altersgruppe zwischen 46 und 64 Jahren hat sich als am auskunftsfreudigsten erwiesen. Auf sie entfielen 41,7 Prozent der Antworten. 28,4 Prozent der Teilnehmer waren 65 Jahre oder älter. Knapp 20 Prozent gehören der Altersgruppe zwischen 32 und 45 Jahren an, danach folgen die 22- bis 31-Jährigen (8,3) Prozent.

Hohe Teilnahmequote in Mühlhausen

Die meisten Rückmeldungen kamen wenig überraschend aus den einwohnerstarken Stadtbezirken. Menschen aus Stuttgart-West haben 1121 Mal abgestimmt, danach kommen Bad Cannstatt (1022) und Vaihingen (916). Analog dazu rangieren die kleineren Stadtbezirke am Ende des Abstimmungsrankings. Birkach (160), Wangen (131) und Münster (131) bilden das Trio am unteren Ende. Anders sieht es aus, wenn man die Teilnehmerzahlen in Bezug zur Einwohnerzahl setzt. Am abstimmungsfreudigsten waren da die Bewohner Mühlhausens. Nahezu jeder Zehnte hat mitgemacht (9,88 Prozent). In Wangen konnten sich nur 1,42 Prozent zur Teilnahme aufraffen.

Eine große Mehrheit von 69,07 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer hat die Umfrage positiv bewertet, 24,5 Prozent gaben eine neutrale Rückmeldung auf die Frage, wie die Aktion ankommt. Lediglich knapp 6,5 Prozent der Teilnehmer konnten dem Heimat-Check wenig abgewinnen.

Top-Thema Sauberkeit in Stuttgart

Gemessen an den Klagen, dass die Stadt schon einmal gepflegter war, landet das Thema Sauberkeit etwas überraschend auf dem ersten Platz in der Gesamtschau. Auf der Skala von 1 bis 10 erreicht es einen Wert von 7,09 – und rangiert damit vor den 13 anderen abgefragten Kategorien und auch deutlich über dem stadtweiten Durchschnittswert aller Antworten, der bei 5,84 liegt. Allerdings gehen die Einschätzungen zu diesem Thema auf Ebene der Stadtbezirke deutlich auseinander. Spitzenwerte werden in Sillenbuch (8,10), Degerloch (8,01) und Botnang (8,00) erreicht. Der Stadtbezirk Zuffenhausen liefert mit 5,64 Punkten die zurückhaltendste Bewertung des Aspekts Sauberkeit.

Zufrieden sind die Befragten auch mit dem Angebot in den Bereichen Sport und Vereine. Dieses Segment kommt auf einen Wert von 6,86 und liegt damit ganz knapp vor dem Thema Lebensqualität (6,85). Auch der öffentliche Nahverkehr auf Rang vier wird mit einem Wert von 6,65 hoch eingeschätzt. Die Sicherheitslage, die in der Vergangenheit immer wieder zu hitzigen Diskussionen in der Stadt geführt hat, folgt auf Rang 5 mit einem Wert von 6,18.

Dicht beieinander liegende Ergebnisse

Überdurchschnittlich wird auch das Thema Seniorenfreundlichkeit in den Stadtbezirken bewertet. Der Wert von 6,12 Punkten lässt es auf Platz 6 der 14 abgefragten Kategorien landen. Die Gesundheitsversorgungen vor Ort (6,10) ist das letzte Thema, dass es noch über den stadtweiten Durchschnittswert von 5,84 schafft.

Fragen des Einzelhandels in den Stadtbezirken werden mit 5,82 Punkten leicht unterdurchschnittlich bewertet. Allerdings liegt es so wie auch die folgenden Themen sehr eng beieinander: Kultur und Freizeit kommt auf 5,78, die Gastronomie auf 5,68 und die Familienfreundlichkeit auf 5,64. Erst danach kommt ein nennenswerter Sprung nach unten zum Schlusstrio der bewerteten Kategorien. Dass in der ehemalige Stauhauptstadt Stuttgart das Thema Verkehr nur 4,49 Punkte im Heimat-Check erreicht, mag nicht verwundern. Auch mit dem Themenkomplex Digitalisierung, Energie und Klima sind die Stuttgarterinnen und Stuttgarter nicht richtig zufrieden. Er schafft es noch auf 4,48 Punkte. Schlusslicht bildet der Immobilienmarkt mit einem Wert von gerade noch 3,95 Punkten. In 15 der 23 Stadtbezirke rangieren die Fragen rund ums Wohnen ganz hinten. Im Stadtbezirk Mitte bekommt das Thema gerade einmal 2,97 Punkte, der mit Abstand schlechteste Wert über alle Kategorien und Stadtbezirke betrachtet.

Der Immobilienmarkt in Stuttgart landet ganz hinten

Eine ausführliche Analyse der Ergebnisse in den einzelnen Kategorien veröffentlichen wir in einer 14-teiligen Serie, deren erster Teil am Samstag, 17. Juni, erscheint.

Dass es den Stuttgarterinnen und Stuttgartern ein Anliegen ist, sich mit ihrer Stadt, aber auch mit ihren Stadtbezirken auseinanderzusetzen, zeigt eine letzte Zahl, die hier erwähnt sein soll. Neben der Abstimmung gab es beim Heimat-Check auch die Möglichkeit einer Antwort in Form von frei formulierten Texten. Davon wurde fast 4000 Mal Gebrauch gemacht. Auch diese Texte wird die Redaktion in den kommenden Wochen auswerten.