Der Einzelhandel ist im Wandel, die Kommunen kämpfen um Verbleib oder Neuansiedlung von Angeboten. Dennoch scheint ein Gutteil der Bürger mit dem Angebot in ihrer Kommune zufrieden zu sein. In einer Kommune ganz besonders.
Wo fühlen sich die Bürger einkaufstechnisch gut versorgt? Das Ergebnis unserer Umfrage in der Kategorie Einzelhandel dürfte den ein oder anderen überraschen, denn nicht etwa eine der Großen Kreisstädte landet im Ranking auf Platz eins, sondern eine Kommune, die deutlich weniger Einwohner zu versorgen hat.
Nur eine Gemeinde mit einer acht vor dem Komma
Wie gut ist das Angebot an Lebensmittelgeschäften in Ihrer Gemeinde? Wie bewerten Sie das Einzelhandelsangebot? Das wurden die Bürger explizit gefragt, und in der Bewertung deutlich vorn liegt Winterbach. Die rund 7700 Einwohner starke Kommune im mittleren Remstal ist die einzige Gemeinde, die mit 8,08 auf der Skala zwischen eins und zehn eine Bewertung mit einer acht vor dem Komma erreicht. Aber auch der Zweitplatzierte, Weissach im Tal, erreicht mit 7,81 einen guten Wert.
Weinstadt schneidet unter den Großen Kreisstädten am besten ab. Der Wert 7,59 bedeutet für die rund 27 000 Einwohner zählende Kommune Rang drei. Winnenden (7,27), Schorndorf (7,13) und Backnang (7,08) schneiden noch alle mit einer sieben vor dem Komma ab, Fellbach (6,88) und Waiblingen (6,36) liegen knapp, beziehungsweise etwas deutlicher darunter.
Erst von Position 20 an – Murrhardt bekleidet diesen Rang mit einer 5,69 – wird es unterdurchschnittlich. Der Schnitt über alle Gemeinden hinweg betrachtet, liegt bei ordentlichen 5,91. Sieht man von Spiegelberg wegen des zu geringen Rücklaufs auf die Umfrage ab, bildet Großerlach mit einem Wert von 2,63 das Schlusslicht in Sachen Zufriedenheit mit dem Einzelhandel. Auch in Kirchberg an der Murr (3,45) sind diejenigen, die an unserer Umfrage teilgenommen haben, offenkundig nicht gerade wunschlos glücklich mit ihrem Angebot vor Ort.
Doch nicht nur in den kleinen ländlichen Kommunen kämpft man um die Ansiedlung von und gegen die Abwanderung von Einzelhandelsgeschäften oder Supermärkten. Der langjährige Waiblinger Wirtschaftsförderer Marc Funk weiß wie kaum ein zweiter im Rems-Murr-Kreis um die Schwierigkeiten, mit denen Handeltreibende auch in den Innenlagen größerer, durchaus attraktiver Städte zu kämpfen haben. Diese aktuell beklagten Transformationsprozesse seien auch in Waiblingen schon seit Jahren spürbar und sichtbar.
Auch neue Konzepte entstehen
So habe sich der Marktplatz von einer Handels- zu einer Gastronomielage entwickelt, das Wohnen habe in der Innenstadt an Bedeutung gewonnen, und auch die Innenstadt als Arbeitsort habe eine andere Aufmerksamkeit erfahren. „Letztlich ist es aber auch so, dass neue Konzepte entstehen“, sagt Funk und nennt exemplarisch die im Bau befindliche Markthalle, zwei Stoffläden, eine Kaffeerösterei, neue Cafés, Bars und Restaurants und eine vielfach prämierte Buchhandlung auf 120 Quadratmetern Verkaufsfläche. Funk: „Was ich damit sagen will. Es verschwinden Dinge, es kommen aber auch neue Angebote hinzu.“
Funk sagt auch, dass bei eigenen Erhebungen herausgekommen sei, dass für einen Gutteil der jüngeren Generation der stationäre Innenstadthandel kaum eine Rolle mehr spiele. In unserer Umfrage hingegen wird dessen Wegsterben in frei formulierbaren Wünschen explizit moniert. „Es wäre schön, wenn es in Waiblingen wieder mehr Einzelhandelsgeschäfte und weniger Restaurants geben würde“, lautet der Tenor mehrerer Teilnehmer.
Waiblingen fehlt zurzeit der Remspark
Aus den rein zahlenmäßigen Ergebnissen unseres Heimat-Checks liest der Wirtschaftsförderer allerdings heraus, dass die Menschen im Rems-Murr-Kreis überwiegend zufrieden seien mit ihrer Versorgungslage. Auch mit den Rückmeldungen aus seiner Stadt kann er gut leben. Waiblingen sei durch seine Lage im Verdichtungsraum, der Nähe zu Stuttgart und vielen Angeboten in den Nachbarorten sowie wenig eigenen Märkten auf der Grünen Wiese stets einem hohen Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Und: „Man darf nicht vergessen, dass unser größtes Einkaufsangebot, der Remspark, seit gut 15 Monaten mehr oder weniger vom Markt genommen ist, da er umgebaut wird.“
Gratulation an den Ranking-Sieger
Neidvoll anerkennen müsse man das gute Abschneiden ein paar Kilometer remsabwärts: „Gratulation an Winterbach“, sagt Marc Funk, „mit ihrer Ortskernsanierung hat die Gemeinde viel richtig gemacht.“ Dort könne man zudem auf vergleichsweise viele inhabergeführte Fachgeschäfte bauen. Funk: „Ich hoffe und wünsche dem Ort sehr, dass die nächste Generation in den Betrieben am Start ist, sodass diese dauerhaft erhalten bleiben.“