Barrierefreie Wohnung sind vielerorts Mangelware. Foto: dpa//Mascha Brichta

Bei der Heimat-Check-Umfrage unserer Zeitung landet der Punkt Immobilienmarkt im Kreis Ludwigsburg unter 14 Themen deutlich auf dem letzten Platz. Schnelle und einfache Lösungen sind allerdings nicht in Sicht.

Es überrascht nicht, dass das Thema Immobilienmarkt schlecht abgeschnitten hat im Kreis Ludwigsburg. Wer nicht selbst auf der Suche nach einer Wohnung oder einem Haus ist, kennt meist zumindest jemanden, der sich damit gerade herumschlägt. Einem geringen Angebot an bezahlbaren Wohnungen stehen hohe Miet- und Nebenkosten sowie hohe Baukosten und steigende Zinsen gegenüber. Experten warnen schon seit Monaten vor fehlendem bezahlbarem Wohnraum in der Region. Einen „toxischen Mix“ für den Wohnungsbau sah gar die IG Bau. Städte und Gemeinden beklagen zu wenige Fördergelder des Bundes und zu hohe Anforderungen dafür, um sozialen Wohnungsraum herstellen zu können.

 

In Besigheim sind die Bürger noch vergleichsweise zufrieden

Überraschend ist aber doch, wie schlecht das Thema von den Lesern unserer Zeitung aus dem Kreis Ludwigsburg eingeschätzt wird. Kommentare wie „Es gibt zu wenige Wohnungen zu bezahlbaren Preisen“ ziehen sich wie ein roter Faden durch fast alle 39 Kommunen. 2571 Menschen aus dem Kreis haben am Heimat-Check zwischen dem 10. Juni und 2. Juli teilgenommen und Punkte auf einer Skala von eins bis zehn vergeben. Damit ist die Online-Umfrage nicht repräsentativ, liefert aber ein Stimmungsbild. Die Fragestellungen lauteten: „Wie bewerten Sie die Höhe der Mieten und Kaufpreise für Wohnungen und Häuser?“ und „Wie bewerten Sie das Wohnungsangebot in Ihrer Gemeinde?“

Mit einem Schnitt von 4,30 Punkten landete das Thema Immobilienmarkt auf dem letzten von 14 Plätzen – deutlich hinter den Aspekten Verkehr (4,85) und Gastronomie (5,35). Zum Vergleich: Am besten schneidet das Thema Sport und Vereine (7,65) ab, der Gesamtdurchschnitt für alle 14 Themen im Kreis liegt bei 6,08 Punkten. In 33 der 39 Kommunen landete das Thema auf den beiden letzten Plätzen, auf dem letzten bei mehr als der Hälfte (24). Vergleichsweise zufrieden sind die Bürger in Besigheim (5,24), Bönnigheim (5,24) und Pleidelsheim (5,06). Ganz hinten rangieren Ditzingen (3,42), Sachsenheim (3,39) und Möglingen (3,34).

Die Nachbarschaft zu Stuttgart erhöht die Attraktivität

Ditzingens Oberbürgermeister Michael Makurath weiß, dass seine Kommune zu den 89 in Baden-Württemberg gehört, in der es einen deutlichen Nachfrageüberhang gibt, was mit der Nachbarschaft zu Stuttgart, attraktiven Arbeitgebern vor Ort und ausgezeichneter Verkehrsanbindung über Straße und Schiene zu tun habe. Daher entwickle die Stadt derzeit vier Neubaugebiete, die von 2025 an auf den Markt kommen sollen.

Auf die Kritik von gleich zwei Umfrage-Teilnehmern, in Ditzingen gebe es zu wenig Wohnraum für Menschen mit Behinderung, antwortet Makurath, die Stadt sei auf dem Weg, den Bedürfnissen gerecht zu werden. Derzeit bereite die Verwaltung etwa mit dem Betreiber Atrio die Erweiterung eines Wohnhauses für behinderte Menschen vor.

Den Vorschlag eines Teilnehmers, die Stadt solle Gebäude kaufen, um bezahlbare Mieten für Fachgeschäfte zu ermöglichen, hält der Oberbürgermeister nur für bedingt tauglich: „Die Entscheidung eines Fach-Einzelhändlers, sich an einem Ort anzusiedeln, hängt von mehr Aspekten als der Miete ab, zum Beispiel von der Konkurrenzsituation vor Ort und den Umsatzerwartungen.“ In Ditzingen gebe es in der Kernstadt keine dauerhaften Leerstände. Zudem seien neue Flächen in Bahnhofsnähe entstanden.

„In der Innenstadt gibt es derzeit keinen ungewollten Leerstand“

In die ähnliche Richtung geht der Vorschlag eines Teilnehmers aus Marbach, die Stadt könne leer stehende Geschäfte mieten und Interessenten für Pop-up-Stores günstig überlassen. So hätten Vereine und Künstler die Gelegenheit, sich für einen begrenzten Zeitraum zu präsentieren. Diese Idee hält Bürgermeister Jan Trost für nicht realisierbar: „Sie ist an sich gut, aber es gibt in der Innenstadt derzeit keinen ungewollten Leerstand.“ Zudem sei das Citymanagement mit rund 40 Veranstaltungen im Rahmen der Belebung der Baustelle voll ausgelastet.

Für Ludwigsburg bemängelt ein Teilnehmer des Heimat-Checks, es fehlten einfache Regeln zur Schaffung von zusätzlichem Wohnraum wie für Tiny Häuser oder eine Aufstockung. Dem hält Oberbürgermeister Matthias Knecht entgegen, dass Tiny Häuser bei begrenzten Flächenreserven nur bedingt möglich und mit einer nachhaltigen Stadtentwicklung nicht immer vereinbar seien. Einer Wohnraumaufstockung stehe die Stadt positiv gegenüber. Dies schone den Flächenverbrauch und nutze die bestehende Infrastruktur. „Grenzen sind jedoch nachbarrechtliche und städtebauliche Belange.“